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Neumarker Wochenblatt
Ausgabe 5/2026
Interessantes
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Friedhof als Spiegelbild

(3. Fortsetzung einer wahren u. zugleich fiktiven Geschichte)

zur Erinnerung: Der junge Gärtner Theodor erlebte im fremden Ort „Puh“ eine angenehme Überraschung nach der anderen, hatte sich dort sesshaft gemacht und war bei Bauersleuten fortgeschrittenen Alters in Lohn und Brot gegangen, rief auf besagtem Hofe eine kleine Bio-Gärtnerei ins Leben, was nicht nur seinem Bauern willkommen zu sein schien, sondern auch auf wahre Begeisterung der anderen Leute im Ort fiel.

Sowohl für Profi – als auch für Hobby-Gärtner war es selbst im ansonsten fast makellosen „Puh“ nicht immer ganz unproblematisch, mit alternativer Bekämpfung von Schädlingen und schädigenden Witterungseinflüssen zurechtzukommen:

„Theo, – eine Katastrophe!“, kam einer und klagte, dass nahezu seine ganze Streuobstplantage von Frostschäden befallen sei. Die Bäume hätten im Stammbereich Risse bekommen, und teilweise würden sich bereits kleine Borkenteile von der Rinde lösen. Was auch immer die tatsächliche Ursache dafür gewesen sein mag, Theodor reagierte – als wäre alles nur eine Lappalie – mit den Worten: „Geh zum Tischler!“

„Wieso zum Tischler? Du scheinst mich nicht ernst zu nehmen, Theo?!“

„Doch, mein Freund, ich nehme deine Besorgnis durchaus ernst und rate dir aus diesem Grunde, hinzugehen zum Tischler!“

„Und was soll ich dort?“

„Vielleicht kann er dir ein paar Tafeln guten alten Warmleim abgeben.“

„Theo, du Spaßvogel, was soll das?“

„Nein, mein Lieber, das soll kein Spaß sein, – geh und hole dir ein paar Tafeln davon, weiche sie vierundzwanzig Stunden in kaltem Wasser ein und erhitze sie anschließend im Wasserbad zu einer streichfähigen Masse, womit du dann über ein paar Tage hinweg die befallenen Stellen der Bäume mehrfach behandeln kannst!“

Am Erfolg zweifelnd, befolgte besagter Obstgärtner dennoch solch außergewöhnlichen Rat – und siehe da!, nicht a l l e bedürftigen Bäume waren dieser Sache „auf den Leim gegangen“, aber für die meisten stand ein Jahr später im wahrsten Sinne des Wortes fast alles wieder im grünen Bereich!

Ob Theodors diverser Rat wohl inzwischen wieder in Vergessenheit geriet?

Eine ganz andere Sache beginnt mit Elfriede und war nun wiederum für Theo bis dahin noch unbekannt: Hausfrau Elfriede rüstete zum obligatorischen „Waschfest“. Große Holzwannen stehen bereits mit Seifenwasser und Schmutzwäsche gefüllt in der Waschküche, im großen Kessel brodelt das Wasser, Rubbelbretter und die handbetriebene Wringmaschine werden über zwei bis drei Tage hinweg nacheinander zum Einsatz kommen, bevor dann das fertige Ergebnis endlich an frischer Luft trocknen kann. Weiße Servietten, Blusen und Hemden … überzeugten jedoch zuweilen nicht von gewünschter Qualität, mit der man sich sehen lassen konnte. Also geht Elfriede – wie immer – mit ihnen auf die Bleiche. Bei strahlender Sonne auf frisch geschnittenem sauberen Rasen die Weißwäsche sorgfältig ausgebreitet, in zeitlich regelmäßigen Abständen mit sauberem Wasser besprengt – bis die Sonne schließlich die hässlichen Vergilbungen aus dem Stoffgewebe gezogen hat. – So weit, so gut und wie „mit Perwoll“ gewaschen!, wenn da nicht – wie so oft – wiedermal die watschelnden Gänse mit ihren Hinterlassenschaften gewesen wären, was dem gewünschten Bleicherfolg – wie man sich vorstellen kann – nicht unbedingt förderlich zu sein schien. Also das Ganze noch einmal von vorn! Und somit begann die an sich so gute, umweltschonende Mühe nun selbst der ansonsten stets gutgelaunten Elfriede zunehmend grolliger zu werden. „Vor der nächsten Bleiche besorge ich mir eine große Hängematte, da hat dann nur noch das fliegende Gefieder eine Chance!“, sagte sie sich mit größter Entschlossenheit.

Umweltbewusst und naturverbunden blieben die Bewohner von „Puh“ jederzeit. Und so kaufte man z. B. auch gern in Theos Bio-Laden ein, sofern man Obst und Gemüse nicht in ausreichender Menge selbst anbauen und ernten konnte. Und da es für Theos Produkte so gut wie keine Transportwege gab, konnten die Preise auch recht moderat gehalten werden.

Fleiß u. Umsichtigkeit lag ihnen allen am Herzen. Man pflanzte Bäume, baute Nistkästen und legte zwischen einzelnen Feldern nützliche Hecken an. Rasenmäher – sofern vorhanden – setzte man nur sehr sparsam ein, gab somit Wiesenblumen und Insekten eine Lebenschance. Wohn- u. Gewerbehäuser wurden – weder tags noch nachts – mit brennbarem Hausmüll beheizt, weil man in „Puh“ vermutlich schon damals eine Ahnung davon hatte, dass toxischer Feinstaub nicht nur den Atemwegen und der Lunge irreversible Schäden zufügen kann sondern sogar auch Demenz - Erkrankungen auszulösen und zu beschleunigen imstande ist.

Aufgrund solcher Achtsamkeit war dann selbst auch im Winter eine ziemlich klare und würzige Atemluft zu genießen, tagaus und tagein – Woche für Woche … Und so mancher Luftkurort hatte Mühe, solchen Standard überbieten zu können.