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Neumarker Wochenblatt
Ausgabe 6/2026
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Friedhof als Spiegelbild (4. Fortsetzung)

kurze Erinnerung an den Inhalt der vorangegangenen Folge: Die fleißigen und umweltbewussten Einwohner von „Puh“ waren in Zusammenarbeit mit dem jungen Gärtner Theodor stets bemüht, das Niveau einer rundum Wohlfühlatmosphäre in ihrem Dorf aufrecht zu erhalten und dabei u. a. für eine gesunde Atemluft u. a. m. in geeigneter Weise zu sorgen.

Noch heute erzählt Theodor gern davon, dass die Leute von „Puh“ - bei aller Emsigkeit und Fürsorge untereinander gelegentlich - oder besser gesagt regelmäßig - auch die nötigen Pausen genossen. Sonntags z. B. holten sie ihre besten Kleider, Anzüge und Schuhe aus Schränken und Regalen und fanden sich schön herausgeputzt in der Kirche zusammen, - die meisten jedenfalls. Die eine oder andere Dame schmückte ihr ohnehin schon schönes Antlitz mit einem geschmackvollen Hut, und selbst die Kinder freuten sich Woche für für Woche auf ihre schicke Sonntagskleidung.

Der Herr Pfarrer predigte oft und gern über eine seiner biblischen Lieblingsstellen. Eine davon war die des Propheten Jeremia und lautet: „Suchet der Stadt Bestes!“ Dabei legte der Prediger immer wieder erneut Wert auf den wohlgemeinten Hinweis, dass das vermeintlich Gute, Fortschrittliche und Gewinnbringende in Wirklichkeit nicht immer das tatsächlich Gute sei, was einer verantwortungsbewussten und liebevollen Gesellschaft zu eigen sein sollte. Es scheint also nicht ganz ausgeschlossen zu sein, dass der allgemein gute Geist in „Puh“ u. a. auch von solch sonntäglicher Einkehr her kam.

Dennoch geschah jedoch auch in „Puh“ - wie überall in dieser Welt - nicht immer nur Erfreuliches. Erfolg und Misserfolg sowie Freude und Leid liegen oft eng beieinander.

Die achtjährige Lilly fühlte sich zwischen Frühling und Sommer nicht wohl und wollte aus diesem Grunde weder zur Schule noch zum Spielen hinausgehen. Der Landarzt wurde gerufen, kam ins Haus und versuchte über Tage und Wochen hinweg mit unterschiedlichen Mittelchen die Sache in den Griff zu bekommen. Leider ohne Erfolg, und so brachte man die kleine Lilly ins Krankenhaus. Nach intensiven Untersuchungen und Behandlungen, die leider nicht im Geringsten anschlugen, wussten auch die dortigen Ärzte keinen Rat mehr und mussten Lillys Eltern schließlich die traurige Mitteilung machen, dass man für deren Töchterlein leider nichts mehr tun könne. So wurde Lilly noch einmal nach Hause geholt, wo sie dann einige Tage später in den Armen ihrer Eltern und ihres jüngeren Bruders Hans für immer einschlief.

Das ganze Dorf stand still. Dergleichen hatte man hier lange nicht mehr erleben müssen.

Die Arbeit im Dorf lief daraufhin auf „Sparflamme“. Nur der Bäcker musste wie gewohnt frühzeitig aufstehen, - auch wenn er vorübergehend etwas weniger Backwerk anzubieten hatte als sonst.

Auch für Theodor gab es angesichts der zahlreich bestellten Grabgebinde viel zu tun, damit bis zu Lillys Beerdigung noch alles rechtzeitig fertig wird.

Da vernahm er ein leises Geräusch hinter sich in seiner kleinen Bindestube. Er wandte sich zur Tür und entdeckte dort den kleinen Hans, Lillys Bruder.

„Ach du bist es, Hänschen. Na komm nur rein!“

Hänschen kam näher und fragte mit unterdrückter Stimme: „Darf ich dir ein bisschen helfen, Theo?“

„Aber selbstverständlich!“, erwiderte Theo. „Du kannst gleich mal von den vielen Blumen hier die verwelkten Blüten und Blätter abknipsen, damit alles schön frisch aussieht!“

„Mache ich“, gab Hänschen zurück und ging schweigend an die Arbeit.

Es war still im Raum. Nur die leisen Geräusche vom Schneiden und Binden waren vernehmbar. Sonst nichts. Bis Theo schließlich versuchte, mit einem kleinen Gespräch, Hänschen von seiner Bedrückung abzulenken.

„Weist du, Hans“, als vor einigen Jahren bei mir zuhause meine Oma starb, war ich auch sehr traurig. So traurig, dass ich gar nicht mehr zur Schule gehen wollte. Musste immer nur an meine Oma denken, die nun nie wiederkommen wird. Und das ging so lange, bis ich eine geniale Idee hatte.“

„Eine Idee?“

„Ja, ich nahm mir vor, für meine Oma einen Baum zu pflanzen, weil Bäume so etwas sind wie ein Zeichen für Leben. Sie wachsen und wachsen und blühen jedes Jahr wieder aufs Neue, so als würden sie nie sterben.“

„Und, hast du es gemacht?“

„Natürlich, ich pflanzte mit Erlaubnis meiner Eltern mitten auf unserer großen Wiese eine schöne Rotbuche.

Die hat nun mittlerweile schon ein ziemlich kräftiges Stämmchen mit einer stattlichen Krone, die Jahr für Jahr schöner und kräftiger wird. - Und was soll ich dir sagen, nachdem ich das gemacht hatte, ging es mir schon bald wieder etwas besser.“

Hänschen schluckte und fragte: „Kannst du da vielleicht auch für meine Schwester einen Baum pflanzen?“

„Aber selbstverständlich, und das machen wir gemeinsam, du und ich! Und ich weiß sogar auch schon, welchen Baum wir dafür aussuchen. Einen, den es hier noch nirgendwo gibt und der besonders schöne Nadeln hat. Und wenn man daran riecht, verspürt man einen wunderbaren Duft in der Nase.“

(Fortsetzung folgt in nächster Ausgabe)