Im Dorf, welches merkwürdigerweise „Puh“ genannt wurde, lies es sich leben. Dennoch wohnten auch hier Freude und Leid zuweilen dicht beieinander. Das traurigste Ereignis innerhalb Theodors zweijährigem Aufenthalt in „Puh“ war der frühe Tod eines Kindes. Das ganze Dorf trauerte um die achtjährige Lilly. Und ihr kleiner Bruder, der sechsjährige Hans, hatte wohl neben seinen Eltern am meisten mit diesem schweren Verlust zu kämpfen. Theos Versuch, klein Hänschen in dessen tiefer Trauer helfend zur Seite zu stehen, erweckte Hoffnung mit zu erwartender Nachhaltigkeit:
Hänschen hörte aufmerksam zu, während Theo in der kleinen gärtnerischen Bindestube von seiner eigenen Betroffenheit in einer früheren, für ihn sehr schmerzlichen Trauerzeit erzählte.
„Wie kamst du darauf, einen Baum zu pflanzen für deine gestorbene Oma?“, wollte Hänschen wissen.
„Nun, ich sagte ja schon, Bäume sind so etwas wie Leben.“
„Ach ja, hatte ich schon wieder vergessen. Sie wachsen in den Himmel hinein und grünen jedes Jahr aufs Neue, so als würden sie nie sterben.“
„Genau, so ist das!“
„Für deine Oma hast du eine schöne Rotbuche gepflanzt, und an welchen Baum denkst du jetzt für meine liebe Schwester Lilly?“
„Ich weiß von einem, der sehr weit von hier im Osten zuhause ist aber auch bei uns wachsen kann.“
„Und wie heißt der?“
„Er trägt die Bezeichnung 'Zeder', und in seiner fernen Heimat erfreute man sich bereits schon vor sehr langer Zeit nicht nur an seiner Größe und Schönheit und am wunderbaren Duft seines Holzes sondern errichtete damit auch viele prachtvolle Gebäude. Und darum wussten die Menschen schon seit weit mehr als zweitausend Jahren die Zedern ganz besonders zu schätzen.“
„Wow! - Und so einen wollen wir für meine Schwester pflanzen?“ Hänschen atmete tief durch.
„Genau, und ich weiß auch schon wohin wir ihn setzen werden.“
„Wieso setzen??“
„Ach, das sagt man so, wenn man einen Baum pflanzt. Man setzt ihn in die Erde.“
„Ach so, - und welche Stelle hast du dir dafür ausgedacht?“
„Wir werden die junge Zeder genau an der Stelle pflanzen, wo mir deine Schwester Lilly zusammen mit den anderen spielenden Kindern vor über einem Jahr zum ersten mal begegnete: am Weg hinauf zum Friedhof.“
„Au ja!“, strahlte Hänschen, „das ist ein guter Fleck!“
„Und weißt du, Hans, wenn du später einmal schon lange groß und erwachsen bist, wirst du vielleicht dann mit deinen eigenen Kindern unter diesem stattlichen Baum mit seinen großen, weitverzweigten Ästen und seinem duftenden Stamm spielen. Und du wirst von der der Geschichte dieses Baumes erzählen, und deine Kinder werden daraufhin sagen: 'Papa, das hast du gut gemacht!'“