nun bin ich seit einem halben Jahr Bürgermeisterin unserer Gemeinde. Sechs Monate voller Gespräche, Termine, Entscheidungen, Herausforderungen und neuer Erfahrungen liegen hinter mir. In dieser Zeit konnten wir bereits vieles anschieben – manches sichtbar, manches im Hintergrund. Gerade die Dinge, die nicht sofort ins Auge fallen, sind oft die Grundlage dafür, unsere Gemeinde wieder auf Kurs zu bringen und zukunftsfähig aufzustellen.
Was mich dabei besonders freut, ist die Zusammenarbeit innerhalb unserer Verwaltung. Ich erlebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich täglich mit großem Engagement für die Belange unserer Gemeinde einsetzen. Gemeinsam schauen wir nach vorn und arbeiten daran, bestehende Probleme zu lösen und notwendige Veränderungen auf den Weg zu bringen.
Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass wir als Verwaltungsgemeinschaft Neschwitz-Puschwitz arbeiten und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht ausschließlich für eine Gemeinde tätig sind. Die Verwaltung übernimmt Aufgaben für beide Mitgliedsgemeinden und sorgt täglich dafür, dass zahlreiche Themen parallel bearbeitet werden. Viele Abläufe finden im Hintergrund statt und sind nicht immer unmittelbar sichtbar – sie sind jedoch notwendig, damit Verwaltung verlässlich funktioniert und Entscheidungen vorbereitet sowie umgesetzt werden können.
Natürlich weiß ich, dass es vielen von Ihnen nicht schnell genug gehen kann. Das kann ich gut verstehen. Auch ich würde manche Themen lieber heute als morgen umgesetzt sehen. Doch oftmals sind wir auf andere Behörden, Institutionen oder Genehmigungsverfahren angewiesen. Nicht jede Entscheidung liegt allein in unseren Händen und nicht jeder Prozess lässt sich beschleunigen. Das ist manchmal frustrierend – für Sie und ebenso für uns.
In den vergangenen Monaten habe ich zahlreiche Rückmeldungen erhalten. Viele davon waren konstruktiv, einige kritisch und manche sehr deutlich formuliert. Kritik gehört für mich zu einer lebendigen Demokratie dazu. Sie hilft dabei, unterschiedliche Blickwinkel zu erkennen und Entwicklungen zu hinterfragen.
Eine Aussage ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: „Ihr in der Verwaltung seid faule Schweine.“
Ich muss ehrlich sagen: Diese Einschätzung teile ich in keiner Weise. Grunzen habe ich hier noch niemanden gehört und im Dreck suhlt sich ebenfalls niemand. Was ich stattdessen sehe, sind Menschen, die jeden Tag ihre Arbeit machen, Verantwortung übernehmen und versuchen, den vielfältigen Anforderungen einer Gemeindeverwaltung gerecht zu werden. Viele Aufgaben laufen im Hintergrund ab und bleiben für Außenstehende verständlicherweise unsichtbar. Das macht sie jedoch nicht weniger wichtig.
Besonders häufig steht unser Bauhof in der Kritik. Kürzlich erreichte mich eine E-Mail von Herrn K. (Ich glaube, die Mail sollte anonym sein, doch der Name wurde angezeigt!), in der er schrieb, dass „die Gemeinde unter dem aktuellen Bürgermeister noch nie so schlimm war“. Den Rest erspare ich mir.
Zunächst einmal danke ich Herrn K. für seine Nachricht. Kritik darf und soll geäußert werden. Allerdings entstand beim Lesen der Eindruck, als würde hier für alle Bürgerinnen und Bürger gesprochen. Ob diese Sichtweise mit all ihren Belangen tatsächlich von der Mehrheit geteilt wird, wage ich zu bezweifeln. Ich bin eher davon überzeugt, dass sich viele von den getätigten Aussagen distanzieren.
Bei aller Kritik sollte jedoch auch ein Blick auf die Rahmenbedingungen erlaubt sein. Die Zahl der Mitarbeiter im Bauhof ist in den vergangenen Jahren von sieben auf fünf Beschäftigte gesunken. Die Arbeit ist dadurch jedoch nicht weniger geworden – im Gegenteil. Die Aufgaben werden vielfältiger, die Anforderungen steigen und gleichzeitig müssen 17 Ortschaften betreut, gepflegt und instandgehalten werden.
Das bedeutet nicht, dass alles perfekt läuft oder dass es keinen Verbesserungsbedarf gibt. Es bedeutet aber, dass die Kolleginnen und Kollegen des Bauhofes mit Einsatz daran arbeiten, die anstehenden Aufgaben bestmöglich zu bewältigen. Wer ihre Arbeit ausschließlich an einzelnen Stellen misst, an denen noch etwas zu tun ist, wird dem Gesamtbild oftmals nicht gerecht.
Viel wichtiger ist mir jedoch etwas anderes: die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Kritik ist legitim, persönliche Angriffe hingegen führen selten zu Lösungen. Deshalb wünsche ich mir, dass wir den direkten Dialog suchen. Viele Dinge lassen sich in einem persönlichen Gespräch besser erklären und verstehen, als in einer E-Mail. Mich hätte durchaus interessiert, ob dieselben Worte auch in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht gefallen wären.
Unsere Gemeinde besteht aus 17 schönen Ortschaften. Neschwitz ist ein wichtiger Teil davon, aber eben nicht die gesamte Gemeinde. Jede Ortschaft hat ihre Bedürfnisse, ihre Herausforderungen und ihren Anspruch darauf, gesehen zu werden. Dass dabei nicht jede Aufgabe gleichzeitig erledigt werden kann, liegt auf der Hand. Dennoch arbeiten wir stetig daran, Prioritäten zu setzen und Verbesserungen Schritt für Schritt umzusetzen.
Bei der Verkehrsschau am 22. Mai 2026 wurde mir erneut bewusst, dass viele Probleme nicht allein durch neue Vorschriften gelöst werden können. Dort ging es unter anderem um mögliche Tempo-30-Zonen und angespannte Parksituationen. Dabei zeigte sich deutlich, dass oftmals wir Menschen selbst Teil des Problems, aber eben auch Teil der Lösung sind.
Wenn Geschwindigkeitsbegrenzungen eingehalten werden, wenn dort geparkt wird, wo es erlaubt ist, und wenn wir alle ein wenig mehr Rücksicht aufeinander nehmen, wird das Leben in unserer Gemeinde für alle angenehmer. Gegenseitiger Respekt und Verantwortung beginnen nicht in der Verwaltung, sondern bei jedem Einzelnen von uns.
Die finanzielle und strukturelle Situation unserer Gemeinde ist derzeit alles andere als einfach. Viele Zusammenhänge und Herausforderungen sind von außen nur schwer erkennbar. Oft wird unterschätzt, wie groß die Aufgaben tatsächlich sind, die vor uns liegen. Dennoch bin ich angetreten, um genau daran zu arbeiten und Verbesserungen zu erreichen. Das wird nicht von heute auf morgen gelingen, aber wir werden diesen Weg konsequent weitergehen.
Trotz aller Herausforderungen möchte ich auch etwas Persönliches sagen: Ich mache diese Aufgabe sehr gerne. Bürgermeisterin zu sein, bedeutet Verantwortung zu übernehmen, zuzuhören, Entscheidungen zu treffen und manchmal auch Kritik auszuhalten. Vor allem bedeutet es aber, für die Menschen da zu sein, die hier leben.
Deshalb möchte ich mich ausdrücklich für die vielen Gespräche bedanken, die von Angesicht zu Angesicht stattfinden. Diese Begegnungen sind für mich besonders wertvoll. Viele Bürgerinnen und Bürger sprechen offen ihre Sorgen an, bringen Ideen ein oder geben Rückmeldungen zu unserer Arbeit. Nicht selten gehe ich aus solchen Gesprächen mit neuer Motivation nach Hause. Sie zeigen mir, dass viele Menschen unsere Gemeinde aktiv begleiten, sich Gedanken machen und bereit sind, Verantwortung für ihr Umfeld zu übernehmen.
Für diese Offenheit, für die ehrlichen Worte und für die vielen ermutigenden Begegnungen möchte ich mich herzlich bedanken.
Abschließend möchte ich Sie noch über eine wichtige Änderung informieren: Die Druckausgabe unseres Amtsblattes wird bis zum 31. Dezember 2026 noch fünfmal in Ihren Briefkästen erscheinen. Ab Juni 2026 werden die öffentlichen Bekanntmachungen im Hinblick auf die neu verabschiedete Bekanntmachungssatzung ausschließlich digital bereitgestellt. Diese finden Sie auf unserer Internetseite unter dem Hauptmenüpunkt „Bekanntmachungen“. Das nächste Amtsblatt erscheint am 28.08.2026.
Lassen Sie uns auch weiterhin miteinander statt übereinander sprechen. Wir werden nicht immer derselben Meinung sein, aber uns alle verbindet die Verantwortung für unsere Gemeinde und der Wunsch, dass sie sich positiv entwickelt. Wenn wir respektvoll miteinander umgehen und gemeinsam an Lösungen arbeiten, können wir viel erreichen.
Vielen Dank für Ihr Vertrauen, Ihre Hinweise, Ihre Kritik und Ihre Unterstützung.
Ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen Sommer!