Die Geschichte der Weberei in Dürrhennersdorf
Teil 7
Es war nun notwendig, alle 120 Webautomaten zweischichtig laufen zu lassen, denn der durch die Automatisierung aufgenommene Kredit musste in einer festgelegten Zeit an die Staatsbank getilgt werden. Dazu gehörte auch ein höherer Plan und ein höherer Gewinn. Es gab seinerzeit viel Unruhe unter der Belegschaft und manch Einer wollte keine Schichtarbeit leisten und verließ den Betrieb. Neue Arbeitskräfte mussten gewonnen werden. Es gab auch viele Schwierigkeiten wegen der Bezahlung der Arbeitskräfte. Der Betrieb konnte keine volkseigenen Löhne zahlen, weil er nicht volkseigen war. Es kam noch hinzu, dass der Betrieb trotz Schichtarbeit seinen Arbeitern keine Zuteilung von den damals seltenen Südfrüchten wie Apfelsinen, Bananen, Weintrauben usw. anbieten konnte. Die VEB – Betriebe waren dazu in der Lage. Die für den Plan benötigten und rechtzeitig bestellten Garne wurden mit großen Verzögerungen geliefert, obwohl sie von den verschiedenen Spinnereien termingerecht bestätigt waren. Die Betriebsleitung musste oft unterwegs sein,um einige Kisten Garne zu besorgen. Dies alles, um den Betrieb, die Webautomaten, nicht zum Stillstand kommen zu lassen. Diese Misere kam dadurch, dass die Baumwoll – Länder durch Missernten auch nicht termingerecht und in voller Höhe die Spinnereien beliefern konnten. Die volkseigenen Betriebe hatten in dieser Hinsicht überhaupt keine Schwierigkeiten, denn sie wurden an erster Stelle voll abgedeckt, um voll produzieren zu können.
Dies alles führte dazu, dass die Betriebsleitung des öfteren zum Vertragsgericht nach Dresden vorgeladen wurde. Die Kunden des Betriebes hatten sich beschwert, dass die abgeschlossenen Verträge nicht eingehalten wurden und demzufolge auch sie ihren Verpflichtungen nicht nachkommen konnten. Dem Vertragsgericht konnten seitens der Betriebsleitung alle Unterlagen beigebracht werden, weshalb die Verzögerungen eingetreten waren. Eine Vertragsstrafe wurde nie ausgesprochen. Dies alles führte aber zu viel Mehrarbeit und war auch obendrein mit großen Mehrkosten verbunden. Anfang des Jahres 1972 wurde die alljährlich stattfindende Gesellschafterversammlung einberufen, an der sämtliche Gesellschafter und deren Vertreter, sowie die Staatsbank Zittau teilnahmen. Im Verlauf der Rechenschaftslegung wurden auch die immer größer werdenden Schwierigkeiten von der Betriebsleitung dargestellt. Von allen Beteiligten wurde der Beschluss gefasst, den Betrieb in „Volkseigentum“ überführen zu lassen. Das sollte dazu dienen, die Belegschaft an all den Vergütungen (Vorteilen) der VEB’s teilnehmen zu lassen und auch der Betriebsleitung eine leichtere Arbeitsweise zu ermöglichen, vor allem aber, um den Betrieb zu erhalten. Nach dieser Gesellschafterversammlung wurde nun wochenlang daran gearbeitet, den Betrieb einzuschätzen und den festgelegten Verkaufswert an die Gesellschafter – anteilig – auszuzahlen. Die feierliche Überführung in Volkseigentum erfolgte am 01.05.1972. Der Betrieb wurde dem VEB Lautex-Werk Neusalza-Spremberg zugeordnet. Bis zum Jahre 1974 wurde nun aus der K.G. eine VEB Weberei und Rauherei Dürrhennersdorf und ab dem Jahre 1975 wurde sie als VEB Lautex Neusalza-Spremberg, Produktionsstätte 3.3.3.Dürrhennersdorf, geführt.
Im Jahre 1976 und zwar am 15. März schied Frau Kunert auf eigenen Wunsch, im Rentenalter von 60 Jahren, aus dem Betrieb aus. Ab dieser Zeit leitete Herr Hans Rolle als Produktionsstättenleiter den Betrieb. Er war schon viele Jahre hier als Technischer Leiter, später als Prokurist tätig. Da sich der Gesundheitszustand von Herrn Rolle immer mehr verschlechterte, führte er eine neue Produktionsstättenleiterin in die Leitung des Betriebes ein. Hans Rolle, der in Kottmarsdorf lebte, war unheilbar an Kehlkopfkrebs erkrankt. Er verstarb am 10. Januar 1987. Christina Hölzel ( David) geb. Matzke aus Schönbach begann ihre Tätigkeit als Produktionsstättenleiterin bei uns in Dürrhennersdorf im Februar 1979. Damals hieß der Betrieb „Oberlausitzer Textilbetriebe, Teilbetrieb Neusalza-Spremberg / Produktionsstädte 2.5.
Fortsetzung folgt!