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Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft für die Stadt Neusalza-Spremberg
Ausgabe 10/2026
Gemeinde Dürrhennersdorf
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Kirche in der Geschichte

Ansicht unsere Kirche um 1850; rechts das Haus des Schulmeisters

In der Geschichte unseres Dorfes geblättert

 

Die Kirche zu Dürrhennersdorf

Teil 1

Wenn man in der Geschichte vieler Ortschaften zurückschaut, so spielt die Kirche eine große Rolle im Leben der Bevölkerung. So auch in unserem Ort Dürrhennersdorf. Nicht nur, dass die Kirche wie in vielen Orten in der Dorfmitte steht, nein um sie drehte sich das dörfliche Leben. In der Kirche wurden die Kinder getauft, später durch die Kirche erzogen. Ihr Lebensweg wurde bestimmt, sie heirateten in der Kirche und wurden auch dort zur letzten Ruhe gebettet. Aber nicht nur religiösen Wert besaß die Kirche. In der Kirche kam die gesamte Gemeinde zusammen. Das Gotteshaus war gleichzeitig ein großes Zentrum, dass alle Einwohner aufnahm, wie sonst kein Haus im Dorf. In der Kirche wurden Verhaltensweisen von Einzelnen getadelt und Auffassungen der damaligen Moral und Ethik gepredigt. Für viele arme Häusler und Landarbeiter war die Kirche Trost und Zufluchtsstätte zugleich. Der Pfarrer war eine Person auf die mit Respekt geschaut wurde. Da er ein studierter Mann war, wurde er in vielen Dingen des Lebens um Rat und Hilfe gebeten. Die Pfarrer von Dürrhennersdorf kannten genau das karge Leben der Einwohner, weil sie selbst ein solches führten. Dürrhennersdorf, Heinrickesdorpp wie es damals hieß, wurde am 01. Mai 1306 (zu Walpurgis) zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Ist aber sicher schon Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet worden. Der Name deutet auf einen Lokator mit dem Namen Heinrich hin. Der Lokator kann als Mittelsmann zwischen Grundherrn und Siedlern bezeichnet werden, der in erster Linie für die Anwerbung zuständig war. Den Aufbau der zu entstehenden Ortsanlage führte er in eigener Regie und Verantwortung durch und verteilte die Aufgaben im Zuge der Urbarmachung. Zu den grundlegenden Aufgaben des Lokators gehörten zudem das Vermessen des zugeteilten Landes und dessen Verteilung an die einzelnen Siedler. Es kann angenommen werden, dass die Dürrhennersdorfer, nach dem sie ihre Wohnstätten und Stallungen aufgebaut hatten, begannen sie eine kleine Kapelle aufzubauen. Sie muss schon 1346 gestanden haben. Denn unter den dreizehn Kirchen, die in diesem Jahre der erzpriesterliche Stuhl Löbau, nach einer Bistumsmatrikel von 1495 – umfasste, befand sich auch die Kirche von Hennersdorf. Wahrscheinlich kam von Zeit zu Zeit ein Kaplan aus der Stadt Löbau heraus, um die Messen zu lesen. Das Erbauungsjahr der alten Kirche ist unbekannt. Es wird jedoch berichtet, dass 1670 am 22. Februar um 1Uhr Mittags die große Glocke herabstürzte. Sie trug die Jahreszahl MCCCCXXIII (1423) und eine Inschrift die besagte, dass die Glocke nicht gekauft war, sondern eigens für die hiesige Kirche gegossen wurde. Dadurch können wir annehmen, dass die alte Kirche vor 1423 gestanden hat. Sie wurde oft umgebaut und erweitert ehe sie 1873 abgerissen wurde.

Im Jahr 1568 wird die Kirche evangelisch. Die Chronik nennt einen geborenen Bernstädter, Johannes Jona, der vorher als Küster, dann von 1554 an als evangelischer Pfarrer in Schönbach gewirkt hatte, als ersten Vertreter der evangelischen Lehre. Er war von Luthers Freund, Bugenhagen, ordiniert worden. Sein Amt trat er 1568 unter dem Patronate der Herren von Gersdorf an und führte es 35 Jahre lang bis zu seinem Tode (1603).

Wie opferbereit die Gemeinde für ihre alte Kirche gewesen ist, geht daraus hervor, dass von 1613 an, wie die Chronik berichtet, größere Reparaturen und bauliche Veränderungen im Inneren der Kirche wie am Turm vorgenommen worden sind. Das Gebäude wurde teilweise in Stein umgebaut, Kirchendecke, Emporen und Chor aus Holz wurden mit biblischen Bildern bemalt. Die Bemalung nahm Hans Georg Kasper aus Bautzen vor. 1615 wurde der Kirchturm neu gedeckt. Im 30 jährigen Krieg 1631, wurde das gesamte Kirchenvermögen von Kroaten geplündert. Von 1645 stammt das älteste Kirchenbuch von Dürrhennersdorf. 1669 wurde der Kirchturm erneut gedeckt und Knopf mit Fahne aus Kupfer aufgesetzt. Der Chor wurde erneuert. Am 22. Februar 1670 fiel die große Glocke herab die im Jahre 1423 gegossen wurde. Am 08.Juli desselben Jahres wurde eine neue Glocke, die in Dresden gegossen wurde, aufgehangen. Sie kostete 101 Taler und 4 Groschen. Am 07. Februar 1679 ist eine Schlaguhr auf die Kirche gesetzt worden. Dafür das der Schulmeister die Uhr stellte wurde ihm die Wiese vom oberen Viebig und zwei Stück Acker, welche er zuvor in Zins gehabt hat, freigegeben. Auch die Herrschaft gab ihm jährlich 6 Groschen, 2 Schock Reisig und 2 Klaftern Holz. Im Jahre 1689 wurde eine neue Kanzel aufgestellt. Nach dem am 12. Februar 1715 durch einen heftigen Sturm Knopf und Fahne vom Kirchturm heruntergerissen worden war, wurde 1719 der Kirchturm erneut neu gedeckt, Knopf und Fahne aus Kupfer wieder aufgesetzt und eine neue Uhr für 50 Taler auf dem Turm angebracht. Der alte Altar wird 1721 abgebrochen.

Hartmut Klinger

Fortsetzung folgt!