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Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft für die Stadt Neusalza-Spremberg
Ausgabe 2/2026
Gemeinde Dürrhennersdorf
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In der Geschichte unseres Dorfes geblättert

Der Websaal 1989

Der 30m hohe Schornstein fällt

Die Geschichte der Weberei in Dürrhennersdorf

Teil 8

Gerade zu dieser Zeit stand die ganze Produktionsstätte, da große Kälte den gesamten Betrieb lahmlegte (kaum Kohle). Die Weberinnen mussten damals einige Wochen im Werk 2 Schönbach arbeiten. Der Betrieb wurde nur noch so beheizt, dass die Anlage nicht einfror.

Nun kamen die ersten ausländischen Arbeiter in unseren Betrieb. Als erstes kamen Kubaner, die hier als Weber, Mechaniker und auch in vielen anderen Tätigkeiten in der Textilindustrie ausgebildet wurden. Einige kamen damals direkt von den Kampfeinsätzen der Kubaner in Angola hier her. Später kamen auch Mosambikaner, die alle im Vierjahresrhythmus ausgewechselt wurden. Den letzten ausländischen Arbeitern wurde dann im Sommer 1989 gekündigt. Teilweise lief fast eine gesamte Schicht mit Ausländern. Viele von ihnen wohnten in Wohnheimen in Schönbach und in Neusalza-Spremberg. Für viele von ihnen war das Leben in Europa neu, aber bald fühlten sie sich heimisch und wurden zu Kollegen, an die man sich vielleicht heute noch erinnert. Durch die Geburt der Tochter Sylvia im November 1981 beendete Frau Christina Hölzel ihre Tätigkeit als Produktionsstättenleiterin und begann nach dem Babyjahr im Hauptbetrieb Neusalza-Spremberg in der Produktionsleitung zu arbeiten.

Herbert Clemens, der schon die letzte Zeit mit Frau Hölzel den Betrieb leitete und Produktionsstättenleiter von Neusalza-Spremberg war, wurde in Dürrhennersdorf eingesetzt. Auch er kam aus Schönbach.

Zuerst nur tageweise, später übernahm er die Produktionsstätte ganz. Die Rekonstruktion der Produktionsstätte 2.5 Dürrhennersdorf wurde im IV. Quartal 1984 begonnen. Die Utas-Webautomaten wurden bis Jahresende demontiert und verschrottet. In den Monaten Oktober bis Dezember wurden von den Meistern, Mechanikern und den Schlossern der Produktionsstätte an zehn Wochenenden, mit Unterstützung der Kollegen aus Schönbach, 50 neue russische STB-Webautomaten ausgepackt, in den Websaal gebracht, entkonserviert und für den Probelauf vorbereitet. Diese neuen Greiferband STB-Webautomaten kamen aus dem russischen Novosibirsk. Sie waren ein Liezensbau der Schweizer Firma Sulzer Rüti. Zwei russische Monteure Sergej Rodionow und Alexander Seliwanow unterstützen unsere Meister beim Aufbau. Unter den bei uns aufgestellten STB Webautomaten befand sich auch der 1.000. STB-Webautomat, der von der damaligen Sowjetunion an die Oberlausitzer Textilbetriebe geliefert wurden. An mehreren Wochenenden in den Monaten Januar und Februar 1985 wurden die restlichen 24 Webautomaten in unserer Weberei aufgestellt. Bis zum 31.März 1985 wurden alle Maschinen montiert und mit Ketten belegt, bis zum 30. April 1985 war der Probebetrieb auf allen 74 Webautomaten abgeschlossen. Die Stoffbreite die sie herstellten war breiter, und es mussten auch keine Schussspulen mehr aufgesteckt werden, da der Schuss direkt von großen Kreuzspulen gezogen wurde. So entfiel der Arbeitsgang, das erst das Garn von Kreuzspule auf Kanetten gespult wurde. Diese an den Webautomaten durch Spulenaufstecker aufgesteckt wurden und nach dem sie leer waren eingesammelt wurden. Auch mussten Fadenreste von den Kanetten abgewickelt werden um auf sie dann wieder zu verwenden.

Ab Mai 1985 liefen die Webautomaten auf Dauerbetrieb. Aus gesundheitlichen Gründen, aber auch altershalber schied Herbert Clemens im Frühjahr 1986 aus dem Betrieb aus. Nun übernahm Frau Renate Kanich aus Beiersdorf die Leitung des Betriebes. Während ihrer Leitungstätigkeit wurde sehr viel umgebaut. So wurde der Websaal gefliest, der Fahrstuhl gebaut, der Hof betoniert, die Schuppen massiv erneuert, die Schlosserei umgebaut, eine Elektrikerwerkstatt eingebaut und die Klimaanlage erneuert. Auch wurde der Ausbau der neuen Büroräume mit der neuen Warenschau, dem Meisterraum und der Prophylaxe fertiggestellt. Im Sommer 1989 kam sie von einem Besuch aus der BRD nicht wieder.

Kurz hintereinander kamen als Leiter ein Herr Hampel aus Lauba, 4 Wochen ein Herr Dresler aus Oppach und zuletzt ein Herr Holfeld aus Beiersdorf. Ab Ende Oktober liefen nur noch bei einigen Webstühlen die Ketten ab und die Weber und Mechaniker mussten die Webstühle reinigen.

Am 08. November 1990 war der letzte Arbeitstag. Die Weber wurden zuerst nach Schönbach umgesetzt, Mechaniker und Schlosser wurden auf Kurzarbeit Null gesetzt.

Teile wurden in der ABS, Arbeitsbildung und Strukturgesellschaft Sitz in Neusalza-Spremberg zusammengefügt. Einige der Mechaniker und Meister waren dann von Mai 1991 auf 0 und dann als ABM beschäftigt. Da die STB-Webautomaten an eine türkische Firma verkauft wurden, die sie auch hier abbauten, wusste man nun das es mit der Weberei nicht mehr weitergehen wird. Die in Schönbach stehenden STB Webautomaten wurden einfach verschrottet. In der Zeit von 01.01.1992 bis 1996 gehörte die Immobilie zur TGO Textil GmbH mit Sitz in Zittau. Der Betrieb wurde bereinigt bzw. entkernt. 1993 bis zur Fertigstellung der neuen Produktionshalle der Klaus Riedel GmbH mietete man einen Teil des Betriebsgebäudes. Klaus Riedel ließ in der ehemaligen Vorbereitung Produktionsteile schweißen. Auch war eine Farbgebung bzw. Lackiererei untergebracht. Da Bemühungen einer eventuellen Rückführung oder eine Übernahme nicht fruchteten wurde die Immobilie einer Immobilienverwaltung der Treuhand in Leipzig übertragen.

Das Gebäude und Gelände verfiel immer mehr. Nun bemühte sich die Gemeinde die Immobilie zu erwerben und mit Hilfe von Fördermitteln zu Renaturieren. Der Abriss begann im Juli 2007. Als der Schornstein gesprengt wurde (21.08.2007), beendete es eine Geschichte der Weberei in unserem Ort. Zwei Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise, die Mangelwirtschaft der DDR hatte der Betrieb überstanden, aber der Weg in die Wiedervereinigung Deutschland, was ja auch ein Sprung von der sozialistischen Planwirtschaft zur weltweiten Marktwirtschaft war, beendete nun ein Industriezweig nicht nur bei uns im Ort. Viele verschiedene Aspekte spielten dabei eine Rolle. Heute ist auf dem Gelände des Betriebes ein Baubetrieb angesiedelt und 3 Baugrundstücke wurden von der Gemeinde erschlossen. Zwei Wohnhäuser sind nun schon auf dem Gelände gebaut. Ein Baugrundstück ist zurzeit noch frei.

Hartmut Klinger

Schluss