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Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft für die Stadt Neusalza-Spremberg
Ausgabe 4/2026
Gemeinde Dürrhennersdorf
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In der Geschichte unseres Dorfes geblättert

Hermann Wilhelm Plusch

Der Gedenkstein der Weidegenossenschaft

Ein Denkmal für den Gründer der Weidegenossenschaft

 

 

Am Ortsausgang Richtung Ebersbach steht auf den Weideplätzen ein Denkmal. Es wurde für den Begründer der Weidegenossenschaft Hermann Wilhelm Plusch aufgestellt. Da dieses Denkmal sich auf den Weideplätzen befindet ist es wenig bekannt. Hermann Plusch ist am 15. 05. 1864 in Oberfriedersdorf geboren. Mit seinen Geschwistern bewirtschaftete er das Bauerngut in Friedersdorf, Dürrhennersdorfer Straße 11. Zusammen mit Reinhard Wünsche Sandgrubenbesitzer, genannt Sand Wünsche, aus Ebersbach gründete er die Weidegenossenschaft in Dürrhennersdorf. Möglich wurde die Gründung durch den Verkauf des Kraftschen Gutes an die Stadt Löbau. Oskar Schwär schreibt dazu in seiner Chronik „Lebensgeschichte eines Dorfes"

„Um dieselbe Zeit, da Löbau vom Rittergut den Bergwald kaufte, kam auch das Kraftsche Gut an die Stadt. Es ist das Gut, auf dem 1844 J. Chr. Friedrich Pursche die obere Mahlmühle einrichtete. Am 20. Dezember 1901 wurde dieser Kauf für 67500 Mark abgeschlossen.

Löbau hatte, um seinen Wassermangel zu beheben, im Sommer 1901 durch Regierungsbaumeister Gleitsmann auf den an der Bahn gelegenen Grundstücken des Kraftschen Gutes die Ergiebigkeit der Quellen und die Beschaffenheit des Wassers untersuchen lassen. Er hatte einen Probeschacht und Beobachtungslöcher angelegt und das Wasser eisenfrei befunden. Danach stellte der Chemiker Dr. Jonscher in Zittau zwar einen geringen Eisengehalt fest, hielt aber das Wasser auch als Kesselspeise für die Benutzung in den Färbereien und Bleichereien geeignet. So erwarb die Stadt das Gut.

Im Sommer 1902 begann die Dresdner Firma Manicke Nachf. die Erd- und Rohrlegungsarbeiten. Die ganze Dorfstraße entlang wurde ausgeschachtet, die langen schwarzen Rohre lagen da. Solch reges Arbeitsleben im ganzen Dorfe hatten wir noch nicht gesehen. Erstaunen erregte es, dass die Leitung nicht durch den Höllengrund, sondern über den Berg gelegt wurde! Die Quellwiesen liegen 360 Meter über dem Meeresspiegel, die Straße nach Großschweidnitz erreicht nach der Abzweigung der Lawalder Straße aber nur die Höhe von 335 Meter. Als unsere Dorfstraße wieder frei und eben war, arbeiteten die Kolonnen noch in Großschweidnitz und auf der Strecke über den Nonnenberg, wo der Hochbehälter gebaut wurde, in die Stadt hinein. Ein Jahr dauerte die Herstellung dieser Leitung.

Die Löbauer hatten aber keine ungetrübte Freude an dem Wasser, das ihnen der Boden des Dürrhennersdorfer Gutes spendete! Es enthielt, wie sich bald zeigte, soviel Eisen, dass es für wichtige Betriebe wie die der Bier- und Mineralwässerbereitung, Papierherstellung, Färberei und Wäscherei ungeeignet war. In den Leitungsrohren entstand Algenschlamm, der es verunreinigte. Eine Reihe von Brunnen lag in Torf und Moor und das hatte man nicht genügend berücksichtigt. Es blieb nichts übrig, als auf dem Höhenrücken zwischen Bahnstrecke und Straße weitere Bohrungen vorzunehmen und das stark eisenhaltige Wasser der Moorbrunnen nach dem Bache abzuleiten. Später, 1910 und 1913, legte man wieder neue Brunnen an. Das Wasser war teuer geworden. Das Kraftsche Gut und die Anlage hatten zusammen einen Aufwand von über 300 000 Mark erfordet.

Und noch immer war es nicht ganz einwandfrei! 1904 war schon eine Probe – Enteisungsanlage geschaffen worden. Sie enthielt einen Backsteinriesler und einen Sandfilter. Das durch diese Anlage gegangene Wasser hatte nur einen so geringen Eisengehalt, dass es für alle Zwecke taugte.

Das Kraftsche Gut war kein Bauerngut mehr. Auf seinen Fluren richtete eine Weidegenossenschaft Dauerweiden ein. Ein neues und schönes Bild, wie sich die bunten Rinder und die braunen Pferde über die grünen Flächen bewegten. Die Mühle blieb. Der Türstock trägt Namenzeichen des Gründers und die Jahreszahl. Ein Bäcker betreibt darin sein Gewerbe (Nickol Bäcker und später Natschke Bäcker, jetzt das Wohnhaus der Fam. Goltzsche am Weidegut 3).

Der Gutsbesitzer Kraft aber baute sich ein neues Haus, wo zwischen Pfarrberg und Pfeifermühle die Dorfstraße den Bach überquert. Es hatte hier ein schönes dörfliches Haus mit Holzstube gestanden. Eines Vormittags brannte es ab." Es war Wiedemanns Haus.

Hermann Plusch starb am 08.02.1935 in Friedersdorf. Die Jungviehweide ist für viele heute noch ein Begriff. Und die älteren unter uns können sich auch bestimmt noch an den Weideschimmel erinnern der bis nach 1945 noch im Weidegut war. Am 8. Januar 1960 beschlossen die Gemeindeverordneten der Gemeinde Dürrhennersdorf einstimmig, den Pachtvertrag mit der Weidegenossenschaft Oberfriedersdorf fristlos zu kündigen und die Nutzung der ca. 40 Hektar Weideland der LPG „Oberlausitz" zu übertragen.

Hartmut Klinger