Die Ernte wurde durch „Drescher“ körperlich mit der Sense eingebracht. Meistens ging die Arbeit früh um 4 Uhr los. Die „Mäher“ trugen große breitkrempige Strohhüte mit Blumengebinde und bunten Bändern. Die Verpflegung befand sich im umgehängten „Kober“(Kowwer, er hopst aus dem Kowwer). Das war ein großer Spankorb mit Stülpe. Bunte Bänder und Sträußchen trugen auch die Pferde am Kopf. Beim ersten Erscheinen der Gutsherrschaft auf dem Feld wurden sie angebunden, das heißt, ein Strauß Feldblumen wurde von den Frauen, die das abgemähte Getreide rappten (rafften), der Herrschaft an den Arm gebunden. Sie mussten sich dann wieder lösen, das heißt süßen Schnaps spendieren, der aus einer besonderen Mischung bestand.
Die Frauen hatten einen Knebel, mit dem sie, die meistens im Winter aus Roggenlangstroh hergestellte Seile, um die Garben befestigten. Die Seile wurden häufig von Kindern ausgebreitet. Der Drusch war Pflegeldrusch im Dreierklapp. Beim Einfahren halfen auch die Meister, sie „langten“, d.h. sie reichten mit einer zweizinkigen Gabel mit langem Stiel die Garben auf die Fuder. Dafür erhielten sie Brote und Getränke.
Soweit die Aufzeichnungen von Friedrich Kranz
Ernte um 1950 aus meinen Kindheitserinnerungen
Was war es für eine Erleichterung als das Korn mit dem Mähbinder geschnitten werden konnte. Von den Frauen wurden Garben gebunden und zu „Stauken“ auf dem Feld zum Trocknen aufgestellt. War das Getreide abgetrocknet, wurde es auf sogenannte Leiterwagen später auch gummibereifte Kastenwagen geladen und eingefahren. Auf dem Anger wurde gedroschen. Schlossermeister Alfred Hause stellte alljährlich seinen dampfbetriebenen Dreschzug (Dampfmaschine, Dreschmaschine, Strohbinder) auf dem Anger auf. Da wo sich heute der Rodelberg befindet. Die mit Getreide beladenen Wagen (Fuhren) standen in langen Warteschlangen, oft vom Anger bis zur Kirche, an. Die Besitzer der Fuhren mussten ständig präsent sein, um nachrücken zu können. Wenn das nicht geschah, gab es oft Streit, weil sich jemand in die entstandenen Lücken vordrängelte. Das Foto zeigt einen Dreschzug, leider den nicht von Schlossermeister Alfred Hause. Die Schlosserei Hause konnte 2015 ihr 150 jähriges Bestehen feiern und wird heute von Lutz Hause weitergeführt.
An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an Lutz Hause, der für die Heimatstube die Metallarbeiten (der Aufsteller) gefertigt und die meisten auch gesponsert hat.
Heimatstube Christine Marschall