Am Sonntag, den 13. September 2026, um 14:00 Uhr ist es endlich soweit: Nach fast 50 Jahren soll das Schweigen der großen Emporenorgel in der Marktkirche St. Nicolai ein Ende haben. Die neue Orgel wird in einem festlichen Gottesdienst geweiht und offiziell in ihren Dienst gestellt. Damit findet ein außergewöhnliches Orgelbauprojekt seinen feierlichen Abschluss.
Die Geschichte der Orgel ist dabei eng mit der wechselvollen Geschichte der St. Nicolai-Kirche verbunden. Im Jahr 1976 musste die Kirchengemeinde unter den politischen Verhältnissen der DDR die Kirche aufgeben. Mit der Kirche verstummte auch ihre Orgel. Vom ursprünglichen Instrument blieb im Wesentlichen der historische Orgelprospekt erhalten. Eine leere Hülle, die über Jahrzehnte an die einstige Orgel erinnerte. Nun wird diese Lücke geschlossen. Hinter dem historischen Prospekt ist in den vergangenen Jahren eine vollständig neue Orgel entstanden. Die Arbeiten der Orgelbaufirma Schönefeld haben aus dem historischen Prospekt wieder ein klingendes Instrument werden lassen. Die neue Orgel wird über 21 Register und rund 1.600 Pfeifen verfügen. Ihr Klaviaturumfang umfasst fünfeinhalb Oktaven. Zusammen mit den Koppeln sowie den Bass- und Pedalpfeifen ergibt sich ein Instrument von beachtlicher Größe. Mechanische Spieltraktur, Windladen und die zahlreichen Trakturen verbinden die einzelnen Teile zu einem Instrument, das künftig wieder den musikalischen Mittelpunkt der Empore bilden wird. In den vergangenen Monaten konnte der Baufortschritt in St. Nicolai Schritt für Schritt verfolgt werden. Der Spieltisch wurde angeschlossen, die Elektrik fertiggestellt und die Trakturen verlegt. Die Orgelmotoren erzeugen bereits den notwendigen Wind, das Schwellwerk lässt sich ansteuern und die ersten Register wurden mit den Windladen und dem Spieltisch verbunden. Mit der Anlieferung der ersten klingenden Pfeifen begann schließlich die entscheidende Phase des Orgelbaus: Die Pfeifen wurden eingesetzt, intoniert und gestimmt.
Ein solches Projekt ist nicht nur eine handwerkliche und musikalische Aufgabe, sondern vor allem ein gemeinsames Werk vieler Menschen, die sich für den Erhalt und die Zukunft der Kirche St. Nicolai engagieren. Mit der Fertigstellung der Orgel wird ein Stück verlorener Geschichte wieder lebendig und zugleich etwas völlig Neues geschaffen.
Der Festgottesdienst wird um 14:00 Uhr von Pfarrer Georg Werther und Superintendent Matthias Porzelle gestaltet. Die musikalische Leitung übernimmt Kantor Julius Jung, der gemeinsam mit weiteren Musikern auch den weiteren Festtag musikalisch prägen wird. Nach dem Festgottesdienst sind die Besucherinnen und Besucher ab 15:00 Uhr zu Kaffee und Kuchen auf die Kirchenwiese am Kirchplatz eingeladen. In dieser Zeit besteht Gelegenheit, die neue Orgel aus nächster Nähe zu betrachten und an einer Orgelführung teilzunehmen. Um 16:00 Uhr folgt ein besonderes „Express-Konzert“ mit verschiedenen Organisten und Musikern. In kurzer und abwechslungsreicher Form soll dabei die klangliche Vielfalt der neuen Orgel vorgestellt werden. Eine Videoübertragung ermöglicht es, das Geschehen auf der Empore auch im Kirchenschiff mitzuerleben. Gegen 17:00 Uhr klingt der Festtag mit einem geistlichen Abschluss aus. Auch danach besteht noch einmal die Möglichkeit zu einer Orgelführung.
Die Orgelweihe ist weit mehr als die Einweihung eines neuen Musikinstruments. Nach fast fünf Jahrzehnten kehrt der Orgelklang an seinen historischen Platz zurück. Der erhaltene historische Prospekt erhält wieder eine klingende Orgel und damit seine eigentliche Bestimmung zurück. Die Kirchengemeinde und der Förderverein St. Nicolai laden alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Oschersleben und der Region herzlich ein, diesen besonderen und für St. Nicolai historischen Tag mitzuerleben.