Titel Logo
Peitzer LandEcho - Beilage: Amtsblatt für das Amt Peitz mit seinen Gemeinden
Ausgabe 7/2026
Nichtamtlicher Teil
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Zum dramatischen Kriegsende in Preilack

Mein 100. Beitrag im „Peitzer Landecho“ zur Regionalgeschichte beginnt mit der Bitte an alle Leser, die die folgende Darstellung ergänzen oder korrigieren können, es mich wissen zu lassen.

Für eine Ortschronik sammelt der Preilacker Herr Marius STAPKE seit zwei Jahren Zeitzeugenberichte, Dokumente und sichtet in Archiven Quellen. Ich unterstütze ihn.

Zum dramatischen Kriegsende in Preilack

sind meine gesammelten Daten lückenhaft und widersprüchlich:

Anfang April 1945 lebten in Preilack mit den Einwohnern, Ostarbeitern, Wehrmachtsangehörigen und Einquartierungen aus bombardierten deutschen Großstädten etwa 300 Menschen. Außer einer Schreibstube der Wehrmacht und einer Werkstatt, in der Sprengzünder hergestellt wurden, gab es keine militärischen Ziele. Man wusste von den Erschießungen, Vergewaltigungen und Plünderungen in Ostpreußen aus der Propaganda, von Flüchtlingen und von deutschen Soldaten, die beim Kampf gegen Partisanen eingesetzt waren und gleiches getan hatten. Die Front lag noch hinter der Neiße, als konkrete Vorbereitungen zum Schutz vor allem der Frauen, des Großviehs und von Wertsachen begannen.

Glücklicherweise waren die Preilacker nicht den Aufforderungen des Ortsvorsitzenden der NSDAP Förster LAUCK zur Flucht gefolgt. Der Flüchtlingszug aus der Cottbuser Vorstadt von Peitz wird im Kessel von Halbe unter vielen Opfern versprengt werden und der später aufgebrochene Flüchtlingszug der 50 Ottendorfer kehrte schon nach wenigen Tagen zurück. Die ersten Preilacker waren im Krieg gefallen und im Ort waren zwei Frauen aus Köln bei einer Zielübung mit der Panzerfaust tödlich verunglückt.

Vor allem herrschte Angst, als der April 1945 mit dem Ostersonntag begann. Den Verkehr auf den Straßen dominierten immer mehr Flüchtlinge vor der herannahenden Front und Militärbewegungen. Neben einer motorisierten SS-Streife, die Peitz und die umliegenden Orte Drehnow, Turnow und Preilack noch bis zum 23. April kontrollierte, waren auch in Preilack Männer zum Volkssturm einberufen, die den öffentlichen Raum zur Verteidigung vorbereiteten. So waren an der Chaussee nach Guben um das Grundstück von Tischlermeister Bubner Schützengräben ausgehoben und Langholzbarrieren auf der Chaussee und der Dorfstraße vorbereitet. Zudem wurde die Malxe angestaut und in den nächsten Tagen die Laßzinswiesen nördlich von Peitz überschwemmt.

Als am 18. April die ersten Panzer der 1. Ukrainischen Front die Spree bei Neuhausen überquerten und Marschall I.S. KONEW seinen vorgeschobenen Gefechtsstand im Schloss Neuhausen eingerichtet hatte, folgte der Kampfauftrag (Direktive Nr. 00215) nach Norden in Richtung Berlin. In Vorbereitung zu dieser Richtungsänderung des Vormarsches der Roten Armee begann am 19. April der Artilleriebeschuss und der Einsatz von 10 Fliegerdivisionen im Raum Cottbus mit täglich bis 1200 Einsätzen bis 24. April.

Preilack traf es besonders am 20. April, als von der Gollitza kommend 6-7 einmotorige Flugzeuge auf dem Weg nach Drachhausen Bomben auf das Dorf warfen. Der 47-jährige Bauer Wilhelm SCHUPPAN, der noch schnell die Gummiräder von seinem Wagen sichern wollte und dabei von Bombensplittern verletzt wurde, kam in das Cottbuser Krankenhaus, wo er am 9. Mai, dem ersten Tag nach dem Krieg, seinen Verletzungsfolgen erlag. Treffer hatten mehrere Scheunen in Brand gesteckt. Eine Bombe, die das Dach des Hauses von Wilhelm BUBNER durchschlug und im Küchentisch stecken blieb, richtete als Blindgänger keinen größeren Schaden an. Ein Spezialkommando entfernte sie. Löscharbeiten der Freiwilligen Feuerwehr wurden vom Beschuss aus Bordwaffen der Schlachtflieger mit einem roten Stern behindert. Dem Beschuss erlag auch zwei Tage später auf dem Weg zur Arbeit im Stellwerk des Peitzer Bahnhofes der 61-jährige Eisenbahner Heinrich SONKE im Wäldchen am Ortseingang von Peitz. Auch der 70-jährige Arbeiter Julius WERNER erlitt tödliche Verletzungen durch Bombensplitter.

Einen Tag nachdem seine Scheune arg beschädigt worden war, hisste Bauer SCHULZ auf ihr eine weiße Fahne. Nach dem Willen der SS-Streife sollte er erschossen werden. Das konnte wahrscheinlich dank des Eingreifens der Volkssturmleute Wilhelm SCHMETTOW und Wilhelm SOYDT, die mit Karabinern ebenfalls Streife liefen, verhindert werden, weil sich auch bereits die deutschen Wehrmachtseinheiten aus Peitz und Umgebung in Richtung Lieberose zurückzogen. So waren am 22. April nur noch Wlassowsoldaten im Ort, die Frauen belästigten.

Eine SS-Einheit der Wehrmacht hatte die Brücke an der Präsidentenmühle über dem Präsidentengraben gesprengt und die von drei 18-Jährigen eines Spezialtrupps bereits gelegten drei Minen mit Druckzündern an der Straße zwischen der Mühle und Preilack wurden scharf gestellt. Cottbus war bereits von der Roten Armee eingenommen und die Wehrmacht hinter die Spree in den Spreewald gedrängt. Ein weiterer Luftangriff auf Preilack am 23. April setzt drei Scheunen (Nr. 2, 3 und 96) mit Leuchtspurmunition in Brand.

Am 24. April, als Peitz erneut unter Beschuss lag und auf dem Festungsturm in der Mittagsstunde die weiße Fahne gehisst wurde, löst eine Bauerfamilie aus Jänschwalde auf der Flucht nach Drehnow an der Präsidentenmühle die erste Mine aus. Von den Menschen und zwei mitgeführten Kühen blieb nichts übrig. In den tiefen Krater hätte man ein Haus stellen können. Die Rote Armee erreichte Burg und Byhlen und kam bei Ratzdorf über die Neiße und nahm Guben ein. In der Nacht zum 25. war auch in der Ortslage Preilack an einem Lichtmast an der Chaussee eine weiße Fahne angebracht. Am Morgen erreichen zwei Rotarmisten als Spähtrupp mit Fahrrädern den Ort und kontrollierten auf der Straße Flüchtlinge. Viele Frauen verstecken sich im benachbarten Wald. Ein Bauer mauerte das vorbereitete Versteck für seine Tochter fertig. Im Wald wurden auch Wertsachen vergraben und Vieh versteckt.

Gegen 11 Uhr staut sich eine Kolonne der 287. Schützendivision der Roten Armee an der gesprengten Brücke über dem Präsidentengraben über die Ortslage Preilack hinaus. Beim Passieren an der Kolonne vorbei nach vorne löste der Wagen des Generals I. N. PANKRATOW die Mine mit Druckzünder aus. Die gewaltige Explosion forderte neben dem General und Stabsoffizieren weitere Opfer. Leichenteile und Uniformreste waren in den Bäumen und bis auf das Dach der entfernten Schule verstreut. Der Motorblock durchschlug ein Scheunendach. In Preilack hatte die Druckwelle viele Fensterscheiben zertrümmert.

Tischlermeister Wilhelm BUBNER, der umgehend seinen 16-jährigen Enkel Heinz in den damaligen Wald hinter der Scheune ins Versteck schickte und dann am Brunnen blutenden Soldaten half, wurde in einer ersten Reaktion der Russen mit Männern und Frauen aus den umliegenden Häusern geholt. Sie sollten an seiner Tischlerei erschossen werden. Darunter waren auch Frau HOPPENZ, Herr NEUMANN aus der Nr. 2 und Frau LAUSCH, die auf Besuch war.

Der Tross der Roten Armee, der den Ort sonst nur gestreift hätte, musste sich neu ordnen und verblieb einige Stunden im Dorf. Es kam zu Plünderungen und wilden Angriffen und Versuchen zu Vergewaltigungen. Letztere konnten dank der Hilfe von Ostarbeitern, die im Dorf menschlich behandelt worden waren, und wendisch sprechenden Preilackern, die das verhasste Deutsch ersetzte, verhindert werden.

Mit dem Befehl zum Weiterzug über Turnow nach Lieberose und Burg kam auch der Befehl, in Peitz ein Tribunal abzuhalten. Die Anzahl der Preilacker, die mitgenommen wurden, teilweise an einem Panjewagen angebunden waren und an der Einmündung der Turnower Dorfstraße in die Straße nach Lieberose mit einem kleinen Tross nach Peitz abbogen, schwankt bei den Zeitzeugen der dritten Generation zwischen 2 bis 17 Personen. Als gesichert gelten die namentlich erwähnten. Ob die Preilacker nur auf den Stufen zum Hotel „Stadt Frankfurt“ gesessen haben und einzeln in der Gaststube verhört wurden oder ob ein Militärtribunal öffentlich am Hoteleingang abgehalten wurde, ist auch ungeklärt. Vielleicht trifft auch beides zu und nur das Urteil Tod durch Erschießen für den 67-jährigen Wilhelm BUBNER und die 39 -jährige Frau Charlotte LAUSCH erfolgte auf der Treppe vor dem Hotel. Das Urteil wurde gegen 16 Uhr im Drehnower Wäldchen neben dem sogenannten Heideluch, auf dem damals die Häuser der Bauern BÖSCHOW, RINZA und SMETH standen und der heute landwirtschaftlich genutzt wird, an der Straße von Turnow nach Drachhausen vollzogen. Bauer BÖSCHOW suchte und fand die beiden Erschossenen am Abend.

BÖSCHOW sprach am nächsten Morgen den Drehnower Bauer KUBLICK an, der gerade Mist auf seinen Acker fuhr. Wahrscheinlich brachten beide die Leichen zur Kiesgrube neben dem Drehnower Friedhof. Andere Drehnower benachrichtigten die Familie BUBNER in Preilack. Gegen Abend wurden unter Beteiligung von Heinz BUBNER die Leichen nach Preilack geholt.

Preilacker Männer mussten die Bombentrichter und Schützengräben zuschaufeln und die dritte Mine entschärfen. Friedrich GLODE, Wilhelm LEHMANN und FRIEDOW zogen an einem etwa 20-30 Meter langen Seil die dritte an der Chaussee angebrachte Mine in eine gegrabene Sohle. Bei ihrer Explosion blieben hinter einem Erdwall alle unverletzt, waren aber danach noch eine gewisse Zeit taub. Mit Rotarmisten wurde die gelungene Arbeit mit Wodka gefeiert.

Am 09.05.1945 verkündet der russische Stadtkommandant auf dem Peitzer Markplatz den Waffenstillstand.

Zeitzeugenaussagen, erst recht aus zweiter und dritter Generation, sind nur bedingt belastbar. Daher sind alle Leser gebeten, ihnen bekannte Quellen, Dokumente oder Bildmaterial zum Frühjahr 1945 in Preilack, die zum Sachverhalt oder Illustration beitragen können, oder Hinweise aus der eigenen Familiengeschichte verfügbar zu machen, weil dieses Thema für die noch zu schreibende Chronik von Preilack nicht abgeschlossen ist.

Bitte suchen Sie den Kontakt direkt oder telefonisch Peitz 22193.

Freundeskreis Peitzer Regionalgeschichte Dr. Friedrich Bange