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Peitzer LandEcho - Beilage: Amtsblatt für das Amt Peitz mit seinen Gemeinden
Ausgabe 8/2026
Nichtamtlicher Teil
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Zur Geschichte vom Bärenwinkel / Die Hugorinna

Abb. 1: Erlenwald bei Maust, Foto vom 07.06.2026

Abb. 2: Der Bärenwinkel, 1724 nach einer Grundrisskarte von Heyno. Andr. Graeven

Einst war der Bärenwinkel südöstlich bei Preilack ein mit Erlen bewaldetes tiefer gelegenes Sumpfgebiet, das auch Bären durchstreiften. Der letzte Bär soll dort 1797 erschossen worden sein. In größeren Wasserlachen auf morastigem Grund lebten Fische, die nach Hochwasserwochen der Malxe verblieben waren. Vergleichsweise glich der Bärenwinkel dem Wäldchen, das rechter Hand am Weg von der Maustmühle liegt, bevor er ins Dorf abbiegt. Allerdings war der Bärenwinkel enger mit jungen Erlenstangen besetzt und Wasserlachen gab es nicht nur nach stärkeren Regenfällen. Damals sprach man von Elsen, die auch noch weit um Radewiese im Jänschwalder Bruch standen, ehe es dort die Laßzinswiesen wurden.

 

 

Als 1770 der Preußenkönig Friedrich der Große der Neumärkischen Regierung in Küstrin befahl, den Viehbestand im Amt Peitz zu erhöhen und neben den beiden Hutungen, dem Fuchsluch bei Drachhausen und dem Hupalenz bei Heinersbrück, auch den Bärenwinkel bei Preilack zu separieren und meliorieren, brach ein jahrzehntelanger Streit zwischen dem Amt Peitz mit der Gutsschäferei zu Turnow, den Gemeinden Preilack, Turnow und der Stadt Peitz über den Besitz (Dominium fundi) und die Hütung im Bärenwinkel und seine Größe aus.

Im Peitzer Amtsbuch von 1554 wird der Bärenwinkel als ein bei Preilack gelegenes Gebiet beschrieben, dessen Länge 74 Ruthen und dessen Breite 42 Ruthen beträgt. Das wären 3 108 Quadratruthen oder etwa 23 Morgen. Auch wenn die oft als Längenmaß verwendete Ruthe je nach Ort und Zeit zwischen 3,50 bis 4,95 Meter lang war, verstand man unter dem Bärenwinkel zweihundert Jahre später ein größeres Gebiet zwischen den Preilackschen Wiesen im Norden, der Preilackschen Straße nach Peitz im Osten, dem Peitzer Stadtfeld im Süden (das die Hüfner aus Turnow nutzten) und einem Acker vom Preilacker Bauern PETRIK im Westen.

 

 

1770 gibt der verwaltende Oberförster LAMPMANN zu Tauer die Größe des Bärenwinkels mit 23 312 Quadratruthen a 16 Fuß an. Es ist nach übereinstimmender Meinung der Hüfner aus Turnow und Preilack die niedere Heide am Wege von Peitz nach Preilack bis zu den Wiesen am Dorf Preilack, die Sagora genannt. 1771 wird der Bärenwinkel mit einer Größe von 26 312 QR a 16 Fuß oder mit 175 Morgen ausgemessen. Da sind wahrscheinlich die beiden Pferdekoppeln an der alten Ziegelei (die Lieberoser Vorstädter nutzten) und die südlich von Preilack (die Preilacker Hüfner nutzten) mit eingerechnet gewesen. 1777 wird für den Bärenwinkel eine Größe von 112 Morgen 87 Hufe angegeben. Da diese Angabe auf eine neue Messung des Teichinspektors SCHADE zurückgeht und auch zehn Jahre später in den Regierungsunterlagen für die geplante Melioration ausgewiesen ist, hat nach der Peitzer Festungszeit der Bärenwinkel diese Größe gehabt.

So verschieden die Größenangaben für den Bärenwinkel waren, blieben auch die Besitzverhältnisse und Nutzungsrechte umstritten. Vor dem Dreißigjährigen Krieg gehörte der Bärenwinkel allein der Peitzer Herrschaft als Lehen des Kurfürsten von Brandenburg. Preilacker Untertanen durften ihn nur im Winter zum Aufsammeln von Totholz betreten. Seit dem 17. Jahrhundert wurde er von der Forstdomäne Tauer verwaltet. Diese hat aber wegen der schlechten Qualität selbst kein Holz entnommen. Peitzer Adlige konnten aus ihm Deputatholz entnehmen.

Obwohl der morastige Boden oft unter Wasser stand und mageren Graswuchs hatte, wurde der Bärenwinkel nach dem Dreißigjährigen Krieg zunehmend als gemeinsame Hutung Preilacker Bauern genutzt, weil sie nicht ausreichend Hutungsflächen hatten. Insbesondere auf seinem etwas höher gelegenen südlichen Gebiet hüteten noch friedlich miteinander auch die Turnower Hüfner und spätestens Anfang des 18. Jahrhunderts auch Bürger aus der Lieberoser Vorstadt von Peitz.

Im August 1770 untersuchte eine „Kommission der Gemeinheits-Separation im Kottbus‘schen Kreis“ den Bärenwinkel und die benachbarten Hutungsflächen. Die autorisierten Kommissare waren Herr Ritter VON PANNWITZ auf Tranitz, der Hauptmann VON KLEIST auf Kahren und Landrat GENTZKOW aus Kolkwitz. Sie dokumentierten, dass die Preilacker Bauern und Turnower Hüfner seit Generationen ohne Streit ihre Schafe und Rinder im sumpfigen Bärenwinkel unter schlechten Voraussetzungen hüteten und Peitzer aus der Lieberoser Vorstadt die Wiese an der Ziegelei als Pferdekoppel nutzten. Den Grund im Bärenwinkel mit dem abgenutzten Graswuchs haben die Kommissare so tief und mager gefunden, dass „man ohne Mitleid das Vieh im Morast gestellt, kaum ansehen können“.

Bei näherer Untersuchung hat sich aber gezeigt, dass diese Lauweide abgegraben und über Drachhausen zum Abfall gebracht werden kann. Ein Hauptgraben vom Bärenwinkel durch die Turnower Lauen zum Fuchsluch bei Drachhausen mit einer Länge von 1 500 Ruthen a 16 Fuß (etwa 6 km) und von dort bis zur Malxe mit einer Länge von 1 000 Ruthen (etwa 4 km) würde ausreichend Gefälle haben und eine Breite von nur 8 – 10 Fuß (2,40 – 3 m) bedürfen. Wenn man die Ruthe für 6 Silbergroschen veranschlagt, würde dieser Abzugsgraben 200 Taler kosten. Eindeutig stellt die Kommission fest: ohne Abgrabung wird die angestrebte Verteilung der gemeinen Hütung von wenig Nutzen sein, auch nicht in Absicht der besseren Kultur zum Getreideanbau den gewünschten Effekt haben, da die Nässe und der sumpfige Grund im Wege stehen.

Bisher wurde alles Vieh gemeinsam durcheinander getrieben. Von einer Separation versprach sich die Verwaltung eine Erhöhung des Viehbestandes. Aber ohne Melioration blieb eine von der Kommission bis ins Detail nach dem Viehstand ausgearbeitete Separation aussichtslos. Zudem widersprach der Peitzer Kriegs- und Amtsrat GIESEL kompromisslos dem Besitzanspruch des Magistrats der Stadt Peitz und warf der Kommission vor, die Gutsschäferei in Turnow überhaupt nicht berücksichtigt zu haben, denn der Bärenwinkel sei ein eigenes Hutungsgebiet und gehöre nicht zur Turnower Lau, wie die Turnower Hüfner des Magistrats behaupten. So erhielten lediglich die Preilacker Hüfner 1771 ein Drittel des Bärenwinkels separiert. Dieser lag in Ortsnähe zur gemeinsamen Hütung. Dazu wurden zwei Grenzpfähle gesetzt, die im Bärenwinkel die Hütung der Preilacker Bauern aus dem Amt Peitz von der Hütung der Turnower Hüfner und Lieberoser Vorstädter trennte, die alle dem Peitzer Magistrat unterstanden. Der größere Teil des Bärenwinkels wurde also nicht separiert, weil die Besitzverhältnisse weiter kompliziert wurden, als sich herausstellte, dass Hüfner aus Turnow seit 1701 für ihre Hütung im Bärenwinkel einen Zins an die Peitzer Kirchengemeinde zahlen. Der Kirchenvorsteher FISCHER bestätigte dies. So blieb auch die im königlichen Auftrag angedachte Melioration des Bärenwinkels über die Turnower Lau nach Drachhausen vorerst in den Akten und die wendischen Bauern von Preilack mussten weiterhin ihr Vieh in der Hugorinna unter sehr ungünstigen Bedingungen hüten.

Fortsetzung folgt

Friedrich Bange
Freundeskreis Peitzer Regionalgeschichte