Titel Logo
Amtsblatt Stadt Pegau und Gemeinde Elstertrebnitz
Ausgabe 1/2026
Heimatkundliches
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Pegauer Heimatblätter, Nr. 14 (1932)

Pegauer Originale

Ein leider unbekannter alter Pegauer übersandte uns folgende Zeilen:

Die ältesten unter uns werden sich wohl an Julius Gessi erinnern. Vor 50 – 60 Jahren lebte er hier und hieß eigentlich Zimmermann, was vielleicht manche von uns Pegauern gar nicht wussten: es war eben Gessi. Er war etwas schwachsinnig, hatte keine Eltern oder Angehörige mehr. Vielleicht war etwas Vermögen da, denn er war in Privatpflege bei dem Mehlhändler Mansfeld auf dem Topfmarkte. Als ich Kind war, war er ungefähr 40 Jahre alt. Er ging einfach und sauber angezogen, war immer lustig und guter Dinge, unterhielt sich gern mit den Leuten. Dabei brachte er seine Wünsche an: „Vetter, haste nicht eine Zigarre?“ oder „Muhme, gib mir doch eine Tasse Kaffee!“ Sein Taschengeld war wohl gering, er focht sich durch, bekam auch immer etwas. Ein Spaß für uns Kinder war es, wenn die Jungen riefen: „Julius, die Leichenfrau kommt!“ Das konnte er nicht vertragen und rannte fort nach Hause. Sonntags ging er, gewiss auf Geheiß seines Pflegevaters, regelmäßig zur Kirche. Ich erinnere mich, dass er er nach dem Gottesdienst mit dem Gesangbuch zu uns kam und um eine Tasse heißen Kaffee bat. Auf unsere Frage, ob es denn so kalt in der Kirche gewesen sei, erzählte er schlau: „Ich wischte heute morgen meine Stiefel, da rief mein Vater: „Julius mach‘ dass du fertig wirst, es wird gleich eingeläutet!“ Da hab‘ ich in der Eile bloß einen Strumpf angezogen und friere nun tüchtig an die Beine.“ Lachend gab ihm meine Mutter den Kaffee und Gessi trollte heim. Er hat vielleicht das Manöver noch mehrere Male unterwegs versucht. Einen Beruf hatte er wohl nicht gelernt, dazu reichten seine Fähigkeiten nicht aus. Markttags trug er früh Hitschen (kleine Bänke) für die Bauerfrauen auf den Markt. Die Frauen bezahlten 3 Pfennig Leihgebühr dafür.

Noch heute sagt man in Pegau zu einem Dummkopf: Du Gessi!

Das Gegenstück zu dem lustigen Julius war Schafsmuthe (Erdmuthe Schaf), ein altes Weiblein voller Schrullen. Sie hatte einen ganz kleinen Handel mit Kaffeesäcken, Taschentüchern usw., alles die allergeringste Qualität, so dass man froh war, wenn sie nicht sooft kam, ihre Waren anzubieten. Sie hatte ihre ganze Liebe den Katzen geschenkt, deren sie sich mehrere hielt, trotz ihrer geringen Einkünfte. Wenn man ihr nichts abkaufte, wurde sie grob. Gab man aber bei ihrer Anwesenheit der Hauskatze zum Schein einen Klaps, so wurde sie fuchswild: „Nee, solche schlechte Menschen! Zu euch komme ich nicht wieder.“ Wir waren ja froh, wenn sie nicht kam. Ging sie durch die Straßen, so tönte es aus allen Hausfluren und Ecken: mäh! Und das waren oft nicht nur Kinder, die so riefen. Und Schafsmuthe lief schimpfend davon. Sie wurde wegen ihrer Zankerei mehr gehänselt als Gessi.

Und wer von uns Alten hat nicht den alten Herrn Grenzner, der Besitzer oder Verwalter der Untermühle, gekannt mit seiner komischen Redensart: „Itzunner, itzunner, itzunner un weile un äsu!“, die er zu unser aller Gaudium fast in jedem Satz, den er sprach, verwendete.