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Amtsblatt Stadt Pegau und Gemeinde Elstertrebnitz
Ausgabe 1/2026
Heimatkundliches
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Pegauer Heimatblätter Nr. 18 (1932)

Noch einmal Pegauer Originale

„Die Ausführungen über Gessi und Schafmuthe in Nummer 14 der Pegauer Heimatblätter waren außerordentlich interessant.“

Es wäre dazu vielleicht noch folgendes zu bemerken: Julius Zimmermann-Gessi war durchaus nicht arm, sondern er besaß Felder und Wissen auf dem rechten Elsterufer in Pegauer Flur. Seine Schwäche waren Zigarren, er war aber auch mit Zigarrenstummel zufrieden, die er überall auflas und zusammenbettelte. Er saß während der schönen Jahreszeit gern auf einer seiner Marktbänke, die er zum Vermieten auf den Wochenmarkt brachte vor dem Hause an der Ostseite des Topmarktes, jetzt Frankeplatz, in dem er wohnte und gab jedem, den er begrüßte die Hand. Leider wurde diese Gutmütigkeit von den Jungen und namentlich von den Soldaten, von denen damals in Pegau zwei Schwadronen garnisonierten, schlecht gelohnt, indem Gessis Hand nicht losgelassen wurde. Bei dieser stürmischen Begrüßung wurde er oft von der Bank weggezogen oder kippte gar mit derselben um. Später wurde er gewitzt und lehnte namentlich den Soldaten gegenüber, diese etwas rohe Grußform mit den Worten an: „Aeh gehen sie!“ ab.

Es liegt die Vermutung sehr nahe, das sich aus dieser ständig vorgebachten Redensart allmählich das Wort Gessi, durch Weglassung des dehnenden n herausgebildet hat. Übrigens ist das Wort Gessi bereits aus seiner Bedeutung als Lokalschimpfwort für Pegau herausgetreten. In Groitzsch zum Beispiel ist es auch schon eingebürgert und ich habe oft die freundliche Bemerkung: „Du alter Gessi!“ im Verkehr der Jungen untereinander gehört.

Auch bei Schafmuthe waren neben den Jungens die Soldaten die aktivsten „Mäh“rufer. Eines Tages war es der guten Frau doch zu toll geworden und sie beschwerte sich darüber persönlich bei dem dienst ältesten Rittmeister. Der kannte natürlich die Sache schon lange, hörte geduldig die Klagen an und sagte ihr dann tatkräftige Hilfe zu. Er stellte aber natürlich das Verlangen, das von ihr die Täter namhaft gemacht werden müssten, mindestens müsste sie ein genaue Beschreibung der Täter geben. Damit war sie einverstanden, und auf die Frage, wie denn nun die Soldaten, die „Mäh“ gerufen hatten, ausgesehen hätten, antwortete sie sofort: Balu! Herr Rittmeister!“ Die Karabiniers hatten blaue Uniformen.

Ein Original war auch der alte Kahlert, der auch in dem Hause an der alten Elsterbrücke, in dem sich jetzt die alte Konditorei befindet, ein Posamentengeschäft betrieb. Die Häuser von der Mühlgrabenbrücke bis zum Mohren, dem jetzigen Sparkassengebäude, befanden sich damals in einer eigentümlichen Lage, indem sie weder zu Helbigstraße noch zum Markte gehörten, so daß ihre Stellung im Kataster nicht ganz geklärt war. Hier beschloss nun der alte Kahlert eine Änderung herbei zu führen. Damals war die Brücke über den Mühlgraben noch schmal.

Sie war nach nicht verbreitert, zwischen ihr und dem Rathaus befand sich ein Zwischenraum, über dem zum Rathause eine kleine Brück führte, und der zur Ablagerung von asche diente, die von Zeit zu Zeit abgefahren wurde. Kahlert machte nun eine Eingabe an den Stadtrat, in der er bat, man möchte ihm genau mitteilen, wo er eigentlich wohne. Er habe nun schon so lange pünktlich seine Steuern bezahlt und könne deshalb verlangen, dass er endlich in die Lage versetzt würde, den Standort seines Hauses genau angeben zu können. Er wohne nicht in der Helbigstraße, auch nicht am Marktplatze, und es wäre ihm stets unangenehm, wenn er angeben müsse, dass er gegenüber dem „Aschloche“ wohne, das könnte doch zu sehr unangenehmen Missverständnissen die Veranlassung werden.

Dr. Richter, Groitzsch