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Amtsblatt Stadt Pegau und Gemeinde Elstertrebnitz
Ausgabe 2/2019
Stadt Pegau
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Kegeln in Pegau Teil 1

Eine der beliebtesten und ältesten Freizeitsportarten ist das Kegeln. Es hat seinen Ursprung in Ägypten. In einem ägyptischen Kindergrab fand man 3500 v. Chr. Teile eines Kegelspiels, das dem heutigen ähnelt (Nahada-Kultur Luxor). Zielwurfspiele, wie das Steinzielwerfen sind verwandt und können als indirekte Vorläufer des Kegelns angesehen werden.

In Westeuropa lässt sich die Entwicklung des Kegelns bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Es war als Glücksspiel bekannt, wo hohe Summen verwettet und sogar Hab und Gut verloren wurden. Begleitet wurde das Kegeln mit schlimmen Raufereien und Streitigkeiten, so dass man eingreifen musste und Verbote aussprach. In Deutschland wird in der Chronik der Stadt Rothenburg im Jahre 1157 das Kegelspiel erstmals erwähnt.

1265 wurde erstmals von einer Kegelgilde berichtet. Als nach und nach das Kegelspiel seinen schlechten Ruf als Glücks- und Wettspiel verlor, wurde es Ende des 16. Jahrhunderts als harmloses Unterhaltungsspiel teilweise wieder zugelassen. Nicht nur bei Handwerkern und Bauern, auch beim Hochadel und bei der Geistlichkeit war das Kegelspiel beliebt. Um 1710 soll sich Garten des Hofjuweliers und Hofgoldschmiedes August des Starken (Johann Melchior Dinglinger) in Loschwitz bei Dresden eine Kegelbahn mit Kegelrücklauf befunden haben. 1768 wurden die ersten Regeln für das Kegelspiel bekannt.

Neben den eher “zufälligen„ Kegelwettbewerben an Volksfesten, bei denen jedermann sein Glück versuchen, oder sein Geschick zeigen darf, sind die Kegelklubs die eigentlichen Träger des Kegelns. Meist besteht ein solcher Klub aus einer Gruppe von Gleichgesinnten. Das Kegeln ist entweder Hauptzweck, oder nur schmückendes Beiwerk, doch auch beim sportbeflissenen Klub muss ein rechtes Quentchen Gemütlichkeit vorhanden sein. Die Klubnamen variieren, vom trockenen Namen wie etwa des Versammlungslokals „Kegelclub Sächsischer Hof, „Mittwochskegelclub“ bis zur selbstironischen Devise (z. B. “Schlappe Hacken“).

Es besteht kein Zweifel, dass Kegelklubs im heutigen Sinne erst im 19. Jahrhundert, im “Jahrhundert der Vereine“, zu blühen begannen. Soweit wir aus den spärlich überlieferten Jubiläumsschriften orientiert sind, waren die früheren Kegelklubs Schöpfungen einer mittleren oder gehobenen Schicht. Etwas Geld, die Freizeit und ein geregelter Feierabend wurden vorausgesetzt, was gewisse Berufsgruppen von vornherein ausschloss.

Ein typisches Beispiel eines früheren Klubs war einer unserer Kegelclubs, welcher 1863 einen Tag vor Himmelfahrt gegründet wurde. Er umfasste wahrscheinlich als Gründungsmitglieder am Mittwoch, dem 27.05.1863 Ferdinand Jacob (Klempnermeister), August Hagen (Schneidermeister), August Frenzel (Gärtner), Richard Hofmann (Buchbinder), Karl Opitz (Restaurateur zur Garküche), Karl Gruhn (Markführer) und Ferdinand Frister (Markführer) wahrscheinlich im Schillerschlößchen oder bei Opitz in der Garküche. Eine Niederschrift beginnt mit:„Gekegelt wurde nur im Sommerhalbjahr. Jeden Oktober hörte das Kegeln auf, dafür wurde ein sechsbeiniger Schafkopf gespielt. Das erste Mal bei Opitz in der Garküche. An Steuern wurden monatlich 5 ngr (Neugroschen) gesteuert, wovon die Beleuchtung und der Kegeljunge bezahlt wurden.“ Eine blumige, weitere Niederschrift des Stadtschreibers und Archivars Gottlieb Pinselbarth beginnt mit: „Pegau im Maien dem 28.ten, Mittwoch, anno 1863. An selbigem Tage, hatten sich Männer zusammen gefunden in der Bierschänke, die da heißet Schillerschlößchen. Am Stammtisch! Ehrbare Bürger, Handwerker, Krämer und Ackerbauer.“ Lange Jahre hieß der Club „Mittwochskegelclub“ im Schillerschlößchen. Mit dem Einzug in die Kegelbahn war es nur noch „KC 1863“.

Das Klubprogramm enthielt neben einen Kegelabend pro Woche und Turnieren mit befreundeten Klubs ein jährliches Auskegeln so wie eine Anzahl gesellschaftlicher Anlässe wie Ausflüge, Bälle, Bankette usw. Die Jubiläumsschrift von 1923 ist ebenso mustergültig wie humorvoll abgefasst. Für jetzige Verhältnisse stellt sie in mancher Hinsicht eine Fundgrube dar, so liest man etwa: „Unser Stiftungsfest fand am 23. Mai statt. Die Tafel war wieder schön vorgerichtet von unser Frau Schiller und bot uns an diesem Abend Schnitzel und Spargel, wofür 9.500 M entrichtet wurden. Gestiftet wurde anlässlich dieses Festes von den Frauen eine neue Kugel, von den Kegelbrüdern Hötzsch und Schlegel 2 Torten, die unseren Frauen ein gefundenes Fressen war.“

Fortsetzung im nächsten Amtsblatt

Ulrich Temmler
Schatzmeister
SV 2000 Pegau e. V.