von Karl August Kühn – Mädchenschullehrer und Kirchner allhier
„Am 17. Februar beging Herr Stempelimposteinnehmer Friedrich August Füßel sein 50jähriges Bürgerjubiläum und erhielt bei dieser Gelegenheit das hiesige Ehrenbürgerrecht, sowie nachträglich den 5. April die zum K. S. E. B. O. gehörige Medaille in Gold. Derselbe, ein Enkel der Marie Magdalena geborenen Luther, vom Reformator Dr. Martin Luther abstammend, ward geboren den 17. März 1782, war von 1804 – 14 Kavallerieverpflegungsgeldeinnehmer, von 1805 – 11 Schulgeldeinnehmer, von 1809 – 33 Kammerschreiber, von 1809 – 34 Personensteuer-, von 1815 – 30 Tranksteuer- von 1815 bis jetzt Stempelsteuer-Einnehmer, 1830 Revisor des Stadtschuldentilgungswesens, 1832 Wahlmann zum 1. constitutionellen Landtage, von 1833 – 48 Stadt-Rendant und Sportel-Einnehmer, von 1842 – 48 Stadtgerichtsassessor, vom 12. Oktober 1806 (wo die ersten französischen Truppen in Pegau einrückten) bis zu den Schlachten 1813 Verdeutscher auf dem Rathause und Vermittler vielfacher Streitsachen mit dem Militär; verhinderte, dass das 1807 in der Gottesackerkirche errichtete fliegende französiche Lazareth ein stehendes ward; steuerte im Mai 1813 wenigstens momentan der hiesigen Brotnoth durch Aussendung des hiesigen Juden Gabriel in versteckter gelegene Dörfer zum Brotaufkaufen usw. „Viele Streitigkeiten habe ich geschlichtet, und viele Truppen, die nach und nach hier ihren Rasttag halten wollten, durch höfliche Vorstellung der hier herrschenden Armut veranlasst, noch bis Leipzig zu marschieren.“ Auch als Historiograph hat er durch seine unermüdliche Aufsuchung sorgfältige Sammlung und mit gewissenhafter Treue vollzogene Abschrift aller Urkunden, welche die Geschichte Pegaus betreffen, der Stadt wesentliche Dienste geleistet. So nach Sachsens Beitritt zum Zollverein, wo eine seiner Abschriften das Vorhandensein er vergeblich gesuchten Urkunde von 1417 (über die Verleihung des Rechts, Brückengeld zu erheben) nachwies, deren Auffinden dadurch ermöglichte und der Stadt das jährlich gegen 800 Thlr. betragende Brückengeld rettete. – Eben so 1839, wo die Abschrift eines alten verloren gegangenen Aktenstücks unserm Pegau die glänzende Feier des 4. August (als Tag der Einführung der Reformation hier) möglich machte. 1806 legierte er der Knabenschule 50 meißnische Gulden und 1854 der Armenkasse 15 Thlr. – 1849 schrieb er eine Broschüre über Wiprechts Burg bei Groitzsch. – Möge auf sein langes und durch die unermüdliche Thätigkeit bezeichnetes Tagewerk ein langer heiterer Lebensabend folgen!“
(Letzter Ehrenbürger in Pegau wurde am 24.03.1995 der Arzt Dieter Weigelt)