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Amtsblatt Stadt Pegau und Gemeinde Elstertrebnitz
Ausgabe 3/2020
Stadt Pegau
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Pegauer Begebenheiten

von Guntram Riedel

Fleischermeister Bruno Pfau in Pegau bekannt zumachen hieße Eulen nach Athen zu tragen. Sein in der Nachkriegszeit gutgehender handwerklicher Fleischereibetrieb befand sich in der Bahnhofstraße.

B. Pfau war unter den Pegauer Einwohnern als lauter, grober und mürrischer Zeitgenosse bekannt. Mit seinem täglichen beleidigenden und unsachlichen Umgangston traf er oft seine Arbeiter, Kunden und Nachbarn. Den allermeisten Pegauern war bekannt, dass der Fleischermeister seine fasst allabendlichen freien Stunden in der Festung (Gaststätte „Stadt Straßburg“) am Stammtisch bei der Wirtin Lina verbrachte. Dort wurden dann, wie auch heute noch an den Stammtischen üblich, Probleme der Zeit lautstark zur Sprache gebracht.

An einem Wochentag in den endfünfziger Jahren betraten 4 Pegauer Arbeitskollegen aus dem Werk Böhlen von der Mittelschicht kommend, die Festung (umgänglich in Pegau für die Gaststätte -Stadt Straßburg -), auf ein Feierabendbierchen. Das Gasthaus war fast leer. Nur der spärlich beleuchtet runde Stammtisch war noch mit 6 oder 7 Personen besetzt. Wir vier Böhlener Kollegen setzten uns an einen Tisch gleich um die Ecke an der Eingangstür. Mit dem sofort servierten Bier in der Hand, lauschten wir in das schon über Zimmerlautstärke gehende Gespräch am Stammtisch. B. Pf. führte meist das Wort. Wiederreden oder einmischende Worte hörte man von der Stammtischrunde selten. Grund dafür waren die Schnaps oder Bierrunden, die B. Pf. ein ums andere mal für seine Mitstreiter kommen lies. Plötzlich kam wiedereinmal sein oft gebrauchter Schlachtruf, - Was Krupp in Essen ist, ist Pfau’s Bruno im Saufen-. Und eine nächste Bierrunde rollte an den Stammtisch.

Plötzlich kam vom Fleischermeister ein Ruf, der mehr ein Befehl war, quer durch die Gaststätte. Jungs, kommt mal her. Gemeint waren wir zwei jüngeren an unserem Tisch. Jungs, begann er noch mal, ihr geht jetzt zu meiner Frau und verlangt 3Brat-, 2 Blut- und 2 Leberwürste. Wir wendeten kurz ein, dass es doch nicht ginge, es sei doch schon kurz vor 24 Uhr, und ...,aber weiter kamen wir nicht. Er schnitt uns das Wort ab und sagte,- erzählt nicht so viel Mist, haut ab und kommt bald wieder. Wortlos machten wir uns auf den Weg in Richtung Fleischerei, rechts um die Ecke in der Bahnhofstraße. Schnell waren wir dort, denn der Weg belief sich ja nur auf etwa 300 Meter. Dort angekommen klopften, wir an das uns angegebene Fenster. Frau Pfau öffnete nach einer Weile, nahm unsere ‚Bestellung‘ entgegen und reicht uns bald die Würste aus dem Fenster. Zurück in der Gaststätte teilte Meister Bruno die Wurst in ordentliche Stücke und jeder durfte sich bedienen.