In der vom Pegauer Organisten Köhler geschriebenen Chronik gibt es gleich mehrere Beispiele dafür: „Am ersten Advent Sonntage 1708 trat der kalte Winter ein und hielt beständig an bis nach Ostern 1709 und sind an allen Orten Menschen, Vieh und Wild erfroren, es lagen überall Krähen und andere Vögel, so in der Luft erfroren, der Schnee lag Mannes hoch.“ Das können wir uns kaum vorstellen, eine Kälte, dass die Vögel in der Luft erfrieren.
„Anno 1740 ist der große Kälte Winter gewesen...und von 8. Januar bis zum 12. Januar so eine große Kälte gewesen, dass viele Menschen auf den Straßen erfroren, ja die Vögel in der Luft, Ratten und Mäuse in Häusern sind tot gefunden worden ... und die Kälte ist weit über der von 1709 gewesen.“
Aber schon für das Jahr 1748 ist wieder zu lesen:
„...den 13. März war so eine große Kälte, dass die Vögel in der Luft erfroren.“
Das war aber alles nichts gegen die große Hungersnot, die Anfang der siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts über das Borna-Geithainer Land hereinbrach. Das Unheil deutete sich zunächst ganz sachte an. „Dieses Jahr von 1769 bis 1770 sind die Winter Früchte von Felde, durch den kalten Nachwinter und Nässe, weil im März das Feld keine Decke von Schnee gehabt, weggekommen ... dass die meisten haben müssen umackern ... Gott behüte uns für Hunger.“ Die Nahrung wurde zusehends knapp, wegen der ausgebliebenen Ernte konnten „viele bloß Gersten Brot“ backen, auch „sind viele Diebstähle geschehen, indem das Brot, Holz und alles teuer gewesen, und mancher Müßiggänger nicht will arbeiten, und sich aufs stehlen verlegte.“
Dem Carsdorfer Michael Schmidt, „ansonsten Born Michel genannt...wurden den 14. Januar abends um 8 Uhr 18 Rinder- und Schweinebraten, nebst 4 Gänsen aus dem Bachhause in seinem Garten gestohlen, weil er den 15. hat wollen Hochzeit seiner Tochter aus richten...“ Wie man sieht, waren die irdischen Güter zu jeder Zeit unterschiedlich verteilt, und es sprach sich unter den Gaunern herum, wo es etwas zu holen gab.
Aber da war nicht nur der harte Winter. Ein Unglück kommt selten allein. Da war am 11. August 1771 „so ein starker Sturmwind, dass er die Gerste, Hafer und Weizen auf dem Felde Ausschlag, und Bäume mit der Wurzel aus der Erde riss.“
Der Chronist Köhler bringt es auf den folgenden Nenner: „1771 und 1772 ist so große Hungersnoth in allen Ländern, sonderlich bey uns in Sachsen gewesen, dass sich auch die Menschen auf den Schind-Anger (Herrenwiese) an Aß und Luder vergriffen; und solches weg geholet, eingesalzen und gegessen, ja auf dem Felde die Kraut Strünke gegeßen, Baumrinden abgenaget um den Hunger zu stillen, darauf denn zuletzt Mord und Todschlag erfolget, dass niemand auf der Straße sicher reisen können, und in allen Städten Diebe und Spitzbuben eingezogen worden.“ Es muss schlimm gewesen sein, denn der Chronist quittierte seine Eintragung mit den Worten: „Gott wende doch ferner die Plage von uns ab.“
Es schien, als sei die ganze Weltordnung durcheinandergeraten. Während die Menschen ob vorangegangener Missernten die allergrößte Not litten, der Abdecker sich beschwerte, „dass des Nachts das Luder vom Schind-Anger weggeholet, und vor Hunger von Leuten gefressen würde ...“, da hatten im Februar 1772 „die Vögel, Raben, Elstern, Sperlinge schon Junge gehabt“.