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Amtsblatt Stadt Pegau und Gemeinde Elstertrebnitz
Ausgabe 5/2026
Heimatkundliches
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Lust zum Fabulieren

“... die warm empfundenen Gedichte Ihrer Frau Gemahlin habe ich mit Dank und Teilnahme an Ihrem schweren Verluste gelesen und bedaure, der Dichterin nicht selbst aussprechen zu können, daß mich ihre Verse sehr wohltuend berührt haben...“ v. Bismarck

Dass der Pegauer Ehrenbürger Otto Fürst von Bismarck dem hinterbliebenen Witwer einer in Pegau geborenen Dichterin diese anteilnehmenden Worte schrieb, geht auf eine langgehegte Brieffreundschaft zurück, die Karoline Kirchner mit dem eisernen Kanzler und auch anderen Persönlichkeiten des damaligen Lebens führte.

Am Freitag den 18. Dezember 1891 erlosch in einem kleinen Häuschen in Eythra ihr Leben. Keine hundert Jahre später verschwand der kleine Ort nördlich von Pegau vollständig infolge des Braunkohleabbaues in der Leipziger Tieflandbucht.

Geboren wurde sie am 27. Oktober 1820 in Pegau.

Ihr Vater war ein allseits beliebter Gastwirt, Gottfried Franke. Der Gasthof des gelernten Böttchers lag in der Leipziger Straße 3 (Brandkataster No.387).

Eigentlich “Zum Europäer“ geheißen, war er besser unter der Bezeichnung

’Zipfelmütze’ bekannt.

 

 

Schlicht und einfach war die Erziehung von Karoline, schlicht und einfach war auch ihr Leben als Frau und Mutter. Von ihrem Vater hat sie wohl das Talent des fabulieren geerbt und so vertrieb sie sich nicht nur die Zeit damit Persönlichkeiten in Gedichtform zu gegebenen Anlässen zu gratulieren, sondern es entstanden neben Brieffreundschaften, den Chats der damaligen Zeit, viele schöne Gedichte und ansehnliche Werke. Ihrer eigentlichen Veranlagung entsprechend, sie war ein paar Jahre am Berliner Schauspielhaus tätig, dort schuf sie auch einige Bühnenstücke.

So die Dramen „Rübezahl“, „Die feindlichen Brüder“ und „Rosenja von Rembach“.

Ferner das Melodrama „ Heliodore“, das Schauspiel „Die Goldmacher“ und das Lustspiel „ Die Hackelstädter“. Weiterhin werden in ihrem Nachlaß genannt zwei vierbändige Romane „ Die Hummelsburger oder die Kreuzzüge der Neuzeit“ und „Der Herr Einnehmer“.

Ihre letzte Dichtung, die in einem Epos den eisernen Kanzler huldigen sollte, konnte sie nicht mehr zu Ende bringen. Der Tod stieß der Nimmermüden 71jährigen das Tintengläschen um.

Nicht allein in der Dichtkunst sah Karoline Kirchner die Erfüllung ihrer Lebensaufgabe. Als treusorgende Mutter und tüchtige Geschäftsfrau in der Leipziger Hutfabrik ihres Mannes, stand sie in einer fast 50jährigen Ehe ihrem Gemahl treu zur Seite. Im Jahre 1887 traf die Greisin der erste Schlaganfall, der ohne Folgen blieb. Ein zweiter Anfall setzte ihrem irdischen Dasein ein Ende.

Eythra und ihr Grab sind nicht mehr vorhanden. Doch von älteren Eythraern hört man, daß es mit einer buntbemalten Glasplatte, die in einem Holzrahmen eingelassen war, geschmückt gewesen sei, darauf stand ein kurzes Gedicht.

 

An den Frühling

Du dämmernd Lächeln stillen Werdens,

Wie bist du meinem Herzen lieb!

Wie wandelt sich das All auf Erden,

Das schwarz und kalt verschlossen blieb.

Die Sonne sendet ihre Strahlen,

Ihr golden Licht erwärmt die Flur,

An Sträuchern, Bäumen, all den kahlen,

Erblickt man ihrer Liebe Spur.

Ach, oftmals mußt’ ich dich bedauern,

Du in der Unschuld Schneegewand,

Du Glöckchen, das durch Winterschauern

Sich still der Erde Schoß entwand.

Ihr seid die lichten Frühlingsboten

Von Hoffnungs-, Frühlingsgrün umsäet,

Wir atmen froh den Gottesodem,

Der uns wie Ostergruß umweht.

O Ostergruß! Beglückte Spende,

Du Auferstehungs-Siegeslust:

Zieh in die Herzen ein und sende

Uns neues Leben in die Brust!

Karoline Kirchner