Kläranlagen zählen zu den größten Energieverbrauchern einer Kommune – häufig sind sie sogar die größten Einzelverbraucher überhaupt. Die Prozesse der Abwasserreinigung sind insgesamt sehr energieintensiv, besonders die Belüftung der biologischen Reinigungsstufen ist ein ordentlicher Energieschlucker. Der Energieverbrauch der Verbandskläranlage in Zschortau lag im Jahr 2025 bei rund 213 Megawattstunden (MWh). In den letzten Jahren ist der Energiebedarf durch die Erweiterung des Entsorgungsgebietes (Gewerbegebiete Seehausen I und II) um ca. 10 % gestiegen.
Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, einen Teil des benötigten Stroms selbst zu erzeugen. Bereits im Jahr 2022 beauftragte der Abwasserzweckverband daher eine Machbarkeitsstudie. Diese sollte die wirtschaftlich sinnvollste Auslegung einer Photovoltaikanlage für den Standort KA Zschortau ermitteln. Das Ergebnis empfahl eine Kombination aus Dach- und Freiflächenanlagen auf dem Gelände des Klärwerkes mit einer Gesamtleistung von rund 160 Kilowattpeak (kWp) sowie einen Batteriespeicher mit einer Speicherkapazität von 80 Kilowattstunden (kWh).
Auf die Ausschreibung des Projektes im September 2025 gingen sechs Angebote ein. Den Zuschlag erhielt die Firma baro Solar GmbH aus Eilenburg.
Von Januar bis Mai 2026 wurden die Solarmodule des deutschen Herstellers Heckert Solar auf den Dächern der Kläranlage und in der Freifläche montiert. Der installierte Speicher der deutschen Firma SMA Solar Technology ist mit seinen 89 kWh Speicherkapazität sogar größer als ursprünglich geplant. Auch an die Installation einer Ladesäule für Elektrofahrzeuge wurde gedacht.
Die Anlage wird künftig rund 180 MWh Strom pro Jahr erzeugen. Mithilfe des Batteriespeichers können etwa 56 % davon direkt auf der Kläranlage genutzt werden. Der nicht vor Ort benötigte Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist und direktvermarktet.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor des Projekts war die umfassende Unterstützung durch die Firma baro Solar GmbH. Neben der technischen Umsetzung begleitete das Unternehmen auch die zahlreichen administrativen Schritte von der Registrierung im Marktstammdatenregister über die Abstimmung mit dem Netzbetreiber bis hin zur Vorbereitung der Direktvermarktung des eingespeisten Stroms.
Mit der neuen Photovoltaikanlage macht die Kläranlage Zschortau einen wichtigen Schritt in Richtung Energieeffizienz und Nachhaltigkeit und stärkt gleichzeitig die Unabhängigkeit von den Entwicklungen am Energiemarkt.