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Mitteilungsblatt Radeberg - Ihre Heimat- und Bürgerzeitung
Ausgabe 10/2020
Aus Städten und Gemeinden
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Historische Kulturlandschaften im Keulenberggebiet: 5. Pferche und Triftwege

Viehtrift, Zugang Pferch Vogelberg

Durchwandert der neugierige Naturfreund den Keulenbergwald, so entdeckt er zwischen den hochgewachsenen Stämmen vielerorts Lesesteinwälle und Trockenmauern meist entlang der Besitzgrenzen. Die Anlagen erscheinen zunächst etwas mystisch und hatten durchaus neben der Grenzmarkierung auch andere Funktionen. Das Vieh stand nur im Winter im Stall. Ansonsten ging es tagsüber mit einem Dorfhirten auf Futtersuche in den Wald, wo es sich mit den großen Raubtieren Bär, Wolf und Luchs den Lebensraum teilte. Die verschiedenen Pferche zur besseren Sicherung der Tiere im nächtlichen Wald waren wohldurchdacht gesetzt. Sie befriedeten früher kostbare Waldwiesen, meist mit kleinen Fließgewässern oder Quellen und einem Waldsaum aus masttragenden Baumarten. Die Trennung von Wald, Weide und Feld, wie wir sie heute kennen, gibt es erst frühestens seit dem 19. Jahrhundert.

Der 1995 durch den Verein Naturbewahrung Westlausitz wiederhergestellte Pferch Mühlwiese ist eine von Trockensteinmauern eingefasste Waldwiese mit einer Quelle und masttragenden Huteeichen und vereinzelten Buchen. Mehrere Pferche finden sich im Landschaftsraum zwischen Keulenberg und Vogelberg. Einige kleinere sind nur noch in Resten erkennbar und die Wiesen längst aufgegeben.

Die Viehtrift ist ein historischer Begriff und beschreibt einen Weg, der zum Viehtrieb genutzt wird. Im Juristisch-praktischen Wörterbuch aus dem Jahr 1793 von Sebastian Adam Krafft ist die Begrifflichkeit auf Latein wohl definiert: actus minus plenus als unvollständige Trift, wo man entweder nur fahren oder treiben durfte oder actus plenus als vollständige Trift, auf der man beides zugleich tun konnte. Im Keulenbergwald wurden Trifte insbesondere als Zuwegung für die Pferche angelegt.

Wer die Waldbilder zu lesen vermag, entdeckt viele Hinweise und kulturhistorische Zeugnisse ihrer Geschichte seit der Besiedlung der Landschaft im 13. Jahrhundert im Zuge der Ostkolonisation. Oft haben diese Spuren Jahrhunderte überdauert. Den heutigen Anforderungen an landwirtschaftlichen Verkehr auf großer Fläche mit schwerer Technik und der modernen Holzabfuhr scheinen sie nicht mehr gewachsen. Wo immer möglich und nicht nur in den Schutzgebieten, sollten diese Kulturschätze der Landschaft erhalten bleiben.

Entschlüsseln Sie doch die Waldbilder auf einer Picknicktour durch das sommerliche Keulenberggebiet!

Sebastian W. Klotsche mit Infos von Dirk Synatzschke und Cornelia Schlegel, www.medien-scheune.de/keulenberg,