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Mitteilungsblatt - Ihre Heimat- und Bürgerzeitung im Landkreis Bautzen
Ausgabe 23/2018
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Freiwilliges Soziales Jahr ist ein Gewinn

Jennifer Schneider, Rico Leuschner, Carolin Mesech und Nick Neumann (v. l.) sind vier von jährlich etwa 100 FSJ-lern, die über das Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit einen Freiwilligendienst absolvieren. Sie berichten im Mitteilungsblatt von ihren Erfahrungen

Schule vorbei, endlich – und jetzt? Auch in der Region beantworten viele junge Leute nach ihrem Abitur oder dem Realschulabschluss diese Frage mit: ein freiwilliges Jahr absolvieren, um Abstand von der Schule zu gewinnen und den Fokus für den weiteren Lebensweg zu schärfen. Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich im sozialen Bereich zu engagieren und dabei berufliche Erfahrungen zu sammeln. Neben der Arbeit in den Einsatzstellen ist ein wichtiger Bestandteil des FSJ die pädagogische Begleitung zur Unterstützung, Qualifikation und Bildung der Freiwilligen. Vier junge Erwachsene aus dem Landkreis Bautzen haben jetzt während eines Seminartages bei ihrem FSJ-Träger, dem Netzwerk für Kinder und Jugendarbeit in Bischofswerda, dem Mitteilungsblatt von ihren Erfahrungen in den vergangenen Monaten erzählt.

Jennifer Schneider aus Bautzen ist in der Behindertenwerkstatt auf der Bautzener Edisonstraße im Förder- und Betreuungsbereich eingesetzt. Die 19-Jährige wollte in diesem Jahr nach ihrem Abitur unbedingt mit behinderten Menschen arbeiten, da man im Alltag nur selten ganz dicht mit ihnen in Kontakt käme. Und die Arbeit mit Menschen hat Jennifer als Passion für sich entdeckt. Schon in der Schulzeit hatte sie ihren Studienwunsch im Kopf, der sich jetzt bestätigt habe: Psychologie. Die Hilfe für die Psyche des Menschen käme ihrer Meinung nach heute in der Arbeitswelt leider oft zu kurz. Aber auf diesem Bereich den Menschen helfen zu können, das wäre genau das Richtige für sie. Das FSJ-Jahr sei für dieses Ziel absolut kein Lückenfüller: „Nach der Schule für eine gewisse Zeit weg zu sein vom Lernen, das macht für mich absolut Sinn.“ Doch nach dem Sommer soll es mit dem ganz sicher anspruchsvollen Psychologie-Studium losgehen, am besten in einer großen Stadt fern der Heimat. Auch wenn sich Jennifer Schneider in einer Jugendgruppe ihrer Heimatstadt für ein gerade für junge Leute attraktiveres Bautzen eingesetzt hat, möchte sie jetzt der Spree für die nächsten Jahre den Rücken kehren und in Hamburg studieren. Die Weichen dafür seien alle bereits gestellt, eine Rückkehr danach aber keineswegs ausgeschlossen.

Nick Neumann hat sich nach seinem Abitur am Goethe-Gymnasium Bischofswerda auch für ein FSJ entschieden. Für ihn wird es im Anschluss ebenfalls zum Studium gehen, aber da es mit einem Jahr im Ausland nicht klappte, sollte es trotzdem eine Auszeit von Schule und Lernen geben. So hat der 19-Jährige über das Netzwerk eine Stelle in der Freizeit- und Begegnungsstätte seiner Heimatstadt erhalten, denn mit Kindern und Jugendlichen wollte er unbedingt arbeiten. Jetzt sieht er diesen Schritt als „gute Entscheidung“ und ist sich auch bei der Studienrichtung sicher: Nick Neumann möchte in Leipzig Grundschul-Lehramt studieren, am liebsten mit dem Hauptfach Sport, um „mit den Kindern gemeinsam bei gegenseitigem Respekt und Vertrauen etwas zu erreichen.“ Dass er das in seiner FSJ-Zeit schon geschafft hat, beweisen diese Worte einiger Kinder aus der Freizeit- und Begegnungsstätte: „Du kannst nicht gehen, dann kommen wir nicht mehr.“ Das macht schon ein bisschen stolz und traurig zugleich – der junge, sehr kommunikative Mann hat Spaß bei dem, was er tut. Da fällt der Abschied immer schwer.

Carolin Mesech aus dem Hoyerswerdaer Ortsteil Bröthen ist 20 Jahre alt. Ihre FSJ-Stelle ist beim Lausitzer Handball-Verein Hoyerswerda angesiedelt. Dort unterstützt sie von Montag bis Donnerstag die Arbeiten in der Geschäftsstelle und ist am Freitag bei der Grundschul-Handball-AG dabei. Carolin Mesech hat in den vergangenen Monaten über sich selbst herausgefunden, dass sie durchaus für Büroarbeiten zu haben ist, was sie vorher gar nicht gedacht hätte. Folgerichtig wird es in diese Richtung weitergehen, denn sie hat bereits ihre Lehrstelle als Immobilienkauffrau bei den LebensRäumen eG in der Tasche. Auch da wird Kommunikation mit Menschen an erster Stelle stehen – wie jetzt bei ihrem FSJ im Sportverein.

Rico Leuschner kommt aus Radeberg und absolviert sein FSJ im Seniorenzentrum Pulsnitz in der Altenpflege. Der 17-Jährige gibt offen zu, dass ihm die Arbeit zunächst nicht ganz leicht fiel – der enge Kontakt zu den Senioren wie bei der Morgen- und Grundpflege oder der Hilfe beim Baden war neu und ungewohnt. Allerdings hat sich der junge Mann mittlerweile gut eingefuchst in diesem Metier, unterhält sich gern mit dem einen oder anderen und wird akzeptiert. Für sich selbst nimmt er nach dem Freiwilligendienst mit, dass er einen Teil seiner Schüchternheit abgelegt hat und langsam aus sich herausgeht. Schon am 1. August möchte er jetzt eine Ausbildung als pharmazeutisch-technischer Assistent in Dresden beginnen. Das ist zum Glück nicht so weit weg, denn so kann Rico Leuschner seinem Hobby weiterhin treu bleiben. Wenn er davon erzählt, wie viel Freude ihm das Trommeln beim Radeberger Spielmannszug und die Ausbildung der Nachwuchstrommler bereitet, dann ist von Schüchternheit nichts mehr zu spüren und die Augen leuchten.

So klingen also vier verschiedene Sichten auf ein bald zu Ende gehendes FSJ-Jahr, das Jennifer Schneider, Nick Neumann, Carolin Mesech und Rico Leuschner stellvertretend für viele andere als großen Gewinn in ihrem Leben ansehen. Außerdem hätten sie die regelmäßigen Seminare sehr gut auf den weiteren Lebensweg vorbereitet. Davon werden ganz sicher die nächsten Generationen von FSJ-lern ebenso profitieren.

ku