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Ausgabe 23/2019
Im Blick
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Theatersommer lädt ein auf die Sonnenallee

Mit dieser Clique geht „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ dieses Jahr beim Bautzener Theatersommer die Post ab. Dicke Freunde in Ostberlin im Schatten der Mauer sind Wuschel (István Kobjela), Brille (Stephan Siegfried), Micha – Michael Kuppisch (Richard Koppermann) und Mario (Jurij Schiemann – v.l.).

Genau zwei Wochen vor der Premiere für den 24. Bautzener Theatersommer fanden am 6. Juni die ersten Proben in den noch nicht ganz fertigen Kulissen im Schlosshof der Ortenburg statt. Theater-Intendant Lutz Hillmann freut sich schon auf die 35 Vorstellungen „seiner“ Sonnenallee, denn er verspricht, diese Zeit der DDR 30 Jahre nach dem Mauerfall auf humorvolle und auch ein wenig ironische Art darzustellen, aber „keineswegs als minderwertige Zeit, weil sie für die jungen Leute damals auch erlebnisreich war und viele Abenteuer zu bieten hatte.“ Ja, vom Alter her gesehen war es in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre Hillmann selbst, der in der DDR als Heranwachsender lebte – seinen zum Teil viel jüngeren Schauspielern kann er da sicher von vielen Erlebnissen berichten… Hillmann möchte von dieser Zeit gern auch selbstbewusst zeigen, dass „nicht alles Gelbes Elend und Stasi war“. So erzählt er in der Bautzener Fassung „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ – nach dem erfolgreichen Roman von Thomas Brussig und dem umjubelten Film von Leander Haußmann – von einer verrückten Zeit, in der Auflehnen, Musik und lange Haare bei jungen Männern – wie der Clique um Micha Kuppisch – ein Muss waren. Es sei wohl schon eine Art Geschichtsbuch entstanden – die Älteren werden sich erinnern, für junge Besucher wird einiges neu sein und in dem Ausruf gipfeln: „Das ist heute kaum vorstellbar.“ Genau dieses Spannungsfeld muss das diesjährige Theatersommerstück bedienen, da ist sich auch Ausstatter Miroslaw Nowotny sicher: „Es wird zwei Arten Zuschauer geben – für die einen zeigen wir Bekanntes, für die anderen viel Neues.“ Damit beide Seiten das Set mit dem Leben in Ostberlin im Schatten der Mauer verstehen, wird die Mauer erst im Laufe der Vorstellung mit all ihren Konsequenzen errichtet. Dann liegen 400 Meter der Sonnenallee eben im Osten und 4,5 Kilometer im Westen Berlins.

Und genau „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ in Berlin, Hauptstadt der DDR, spielt diese Komödie, als es noch Abschnittsbevollmächtigte der Volkspolizei, verborgene Westmusik und den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze gab. Micha Kuppisch ist Schüler und wohnt genau dort in Ostberlin, wo das längere Ende der Sonnenallee im Westen liegt, wo der Klassenfeind ist. Aber Osten hin, Westen her – das wichtigste für Micha sind seine Freunde, Westmusik und Mädchen – wie Miriam, die unbeschreibliche, unerreichbare Schulschönheit. Mit dem kritischen Blick der Jugend schauen Micha und seine Clique auf die sie umgebende, grotesk anmutende Erwachsenenwelt zwischen Elternhaus, Schul- und FDJler-Leben, Grenzposten, Stasi und Westverwandtschaft. Auf der Suche nach dem eigenen Platz im Leben müssen sie wählen zwischen Anpassung und Selbstbehauptung, Liebe, Freundschaft und Verrat. Und natürlich – wie könnte es beim Bautzener Theatersommer auch anders sein – gibt es auf der Bühne wieder viel Musik und Tanz. Tasso Schille und die Mauersegler sorgen mit Live-Musik für den richtigen Sound zwischen „Als ich fortging“ und „Get It On“.

Die 35 Vorstellungen von „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ finden zwischen dem 20. Juni und 28. Juli statt, Premiere ist nächsten Donnerstag, 19:30 Uhr. Von den fast 35.000 zur Verfügung stehenden Tickets – 998 Zuschauerplätze gibt es bei jeder Aufführung – waren in der ersten Juniwoche bereits 23.000 verkauft. Nur ein Drittel ist also noch übrig – die deutlich günstigeren Vorverkaufspreise gelten bis zum 19. Juni. Theater und Burghof sorgen wieder gemeinsam für die gastronomische Betreuung der Besucher – „dem Stück und der Zeit etwas angepasst“, so hieß es. Wie in den vergangenen Jahren bemüht man sich beim Bautzener Theatersommer um die Barrierefreiheit: So findet am Freitag, dem 28. Juni, 19:30 Uhr für Blinde und Sehbehinderte eine Vorstellung mit Audiodeskription statt. Am 20. Juli, 15 Uhr, gibt es eine Vorstellung, die es besonders gehörlosen und hörschwachen Zuschauern ermöglicht, dem Spiel auf der Bühne mit Unterstützung von zwei Gebärdendolmetscherinnen zu folgen.

Last but not least finden auf der Bühne des Theatersommers die 14. Bautzener Burgfilmnächte statt. Fünfmal sind dienstags, 21:30 Uhr (bei schlechtem Wetter im Burgtheater) deutsche Filme zu erleben. Den Anfang macht Andreas Dresens preisgekrönter Streifen „Gundermann“. Es folgen „NVA“, der DDR-Klassiker „Sieben Sommersprossen“ sowie „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ und „Adam und Evelyn“.

ku