Titel Logo
Mitteilungsblatt Radeberg - Ihre Heimat- und Bürgerzeitung
Ausgabe 26/2019
Titelseite
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe
-

Film ab – das Handwerk kommt ins Kino

Im Rahmen des Projektes „Handwerk mobil“ wird öffentlichkeitswirksam auf das regionale Handwerk durch auffallend gestaltete Pkw- und Buswerbung hingewiesen. Darüber freuten sich bei einer gemeinsamen Präsentation Landrat Michael Harig, Vertreter der Kreishandwerkerschaft und verschiedener Kommunen sowie Filmemacher, die das Projekt „Handwerk im Film“ umsetzen.

Flimmerte auch bei Ihnen während des Kinobesuches in Bautzen oder Hoyerswerda der Azubi von Nebenan im Vorfilmchen über die Leinwand? Wenn ja, dann war das garantiert einer der Spots des Projektes „Handwerk im Film“ der Innungen der Kreishandwerkerschaft (KH) Bautzen. Im Rahmen der Fachkräfteallianz des Landkreises wurden dafür von der Sächsischen Aufbaubank (SAB) Fördermittel im großen Stil zur Verfügung gestellt, denn alle sind sich sicher: So einfach mal mehr als 110.000 Euro für Öffentlichkeitsarbeit für das Handwerk auszugeben ist nicht unbedingt üblich, dessen ist sich auch Kreishandwerksmeister Frank Scholze bewusst. Aber man sei sich sicher: Es müssten neue Wege gefunden werden, um die jungen Leute dort abzuholen, wo sie unterwegs sind. Vorreiter in Sachen Filmdreh waren die Elektrotechniker innerhalb der Kreishandwerkerschaft, die für ihren Beruf mit dem Film „Ausbildung mit Spannung“ warben. Dieser lief seit Anfang 2018 in den Kinos im Rahmen des Werbeblocks vor dem eigentlichen Film und kam sehr gut an.

So waren alle Innungen dafür, diesem Beispiel zu folgen und dieses Mittel der Öffentlichkeitsarbeit ebenfalls für sich zu nutzen. Bäcker und Fleischer entschieden sich jedoch, die bereits produzierten Werbefilme ihrer Zentralverbände nachzunutzen. Ihnen fehlen also der regionale Blick und damit der besondere Pfiff, was fast ein bisschen schade ist. Aber da die Nachnutzungszeit bald abläuft, könnte sich da eventuell auch noch etwas tun… Was die Innungschefs der Bäcker und Fleischer damit auch nicht sammeln konnten, waren die vielen neuen Erfahrungen bei einem solchen Filmdreh, denn was da so für etwa 90 Sekunden geleistet werden muss, ist schon immens. So resümierte auch Sabine Gotscha-Schock, Geschäftsführerin der KH Bautzen, bei der alle wichtigen Fäden für die Produktionen zusammenliefen: „Auch ich habe viel gelernt.“ Dabei wären die Innungen selbst von Anfang an Feuer und Flamme für die Idee gewesen und hätten voll mitgezogen. Aber beispielsweise sei es sehr schwer gewesen, gleich bei der ersten Ausschreibungsrunde interessierte Filmteams zu finden – noch nicht ganz fertig sind nach verschiedenen Verzögerungen deshalb die Filme der Friseure, des Baugewerbes, der Ofenbauer und des Bereiches Sanitär, Heizung, Klimatechnik. Auch laufe die Kinowerbung für die beiden Einrichtungen über eine Firma – dieser Preis müsse dann eben gezahlt werden. „Und Kinowerbung kostet“, das weiß Sabine Gotscha-Schock jetzt auch. Jeder eigentlich fertige Sport wird für die große Leinwand nochmals konfektiert – Kostenpunkt: über 1.000 Euro. Zudem würde alles nach Sekunden abgerechnet: So kostete der 93 Sekunden lange Tischlerfilm, der zwei Wochen lang in allen Sälen in Bautzen und Hoyerswerda ausgestrahlt wurde, über 2.500 Euro. Erschwerend kam hinzu, dass nicht die komplett beantragten Fördergelder flossen, ausgerechnet die ohnehin schon klein geplanten Aufwandsentschädigungen für die an den Filmen beteiligten Firmen und Darsteller fielen hinten runter. Aber immerhin erhielten die Laien-Schauspieler einen Kino-Gutschein, um sich selbst mal über die große Leinwand flimmern zu sehen.

Die Freude dabei sollte groß gewesen sein, denn die Ergebnisse können sich durchweg sehen lassen. So kommt bei den Dachdeckern die letzte Platte auf ganz spektakuläre Art und Weise aufs Dach. Bei den Malern ist zu sehen, dass „Maler auch ein Beruf für Mädchen ist und mehr als Raufaser weiß.“ Die Metallbauer hingegen haben es mit ganz verschiedenen Fertigungstechniken zu tun. Der junge Darsteller im Tischler-Clip kam zu seinem Auftritt über Umwege und war zur Lehrlingsfreisprechung nach der bereits bestellten Kleidung ausgewählt worden – Akteur Nummer eins befand sich da schon auf der Walz. Inzwischen laufen die Werbefilmchen auch auf YouTube und können über die Homepage der Kreishandwerkerschaft oder bei Innungsbetrieben abgerufen werden. Sie sind durchaus ein Renner und sollen natürlich dazu beitragen, den Fokus (wieder) mehr aufs Handwerk zu legen, das ja bekanntlich goldenen Boden hat.

Neben „Handwerk im Film“ heißt ein weiteres Projekt der KH Bautzen „Handwerk mobil“. Dabei wird öffentlichkeitswirksam auf das regionale Handwerk durch auffallend gestaltete Pkw- und Buswerbung hingewiesen – rollende Botschafter für das Handwerk sind sozusagen auf den Straßen der Region unterwegs. Der Pkw ist übrigens ein E-Auto, mit dem die Geschäftsführerin der KH derzeit zu ihren Terminen fährt. Wörtlich zu nehmen ist außerdem die Idee vom „Schaufenster des Handwerks“. Zum Stadtjubiläum 2018 in Hoyerswerda feierte ein solches eine erfolgreiche Premiere. Leider konnte die Aktion dieses Jahr in Radeberg zur 800-Jahr-Feier nicht fortgesetzt werden, da sich keine geeigneten freien Ladenflächen fanden. Der Versuch in Kamenz scheiterte am Nicht-Zustandekommen einer Einigung mit dem Vermieter. Bis Ende des Jahres könnte die Idee vielleicht noch in Bischofswerda umgesetzt werden.

Alles in allem ist es sehr beachtenswert, wie sich die Handwerker der Region ins Zeug legen und so verschiedene Kampagnen mit regionalem Bezug starten. Auch wenn seit 2014 die Zahl der Auszubildenden in den Innungen der KH deutlich gestiegen ist, beklagen sich ganz viele Unternehmen über Nachwuchsprobleme und/oder Fachkräftemangel. Der Bedarf an ambitionierten, jungen Handwerkern ist nach wie vor groß.

ku