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Mitteilungsblatt Radeberg - Ihre Heimat- und Bürgerzeitung
Ausgabe 27/2019
Aus Städten und Gemeinden
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Tschernobylkinder zu Gast

Wie seit nunmehr zehn Jahren fanden die „Tschernobylkinder“ im Haus der Apostolischen Gemeinde Radeberg für drei Wochen kostenfreie Aufnahme. Durch den großartigen ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder und Helfer des Radeberger Tschernobylvereins an den Wochentagen und der Familien, die „Gastkinder“ zur Übernachtung und Einbeziehung in ihr Familienleben an den Abenden und am Wochenende beherbergten, konnte viel Freude bereitet werden. „Geteilte Freude ist doppelte Freude“, das konnten alle Beteiligten erleben. Denn die Art und Begeisterung der jungen Leute aus Weißrussland/Kreis Buda-Koschelewo im Gebiet Gomel bei den Angeboten und besonders beim Abschlussfest an der alten Turnhalle an der Pulsnitzer Straße gingen zu Herzen.

Wie viel Zeit und persönlicher Einsatz erforderlich ist, den Kindern solche erholsamen Tage mit guten und hilfreichen Erinnerungen zu ermöglichen, kann nur erahnen, wer versucht, sich mit der Arbeit des Vereins vertraut zu machen. Da waren es nicht nur das Frühstück und die Vesper, die in der Apostolischen Gemeinde organisiert und gereicht wurden. Auch ein Blick in das Programm der Aufenthaltszeit zeigt, wie viele Gespräche, Abstimmungen, Einsatzstunden, teilweise Überzeugungsarbeit und viele Spenden erforderlich waren, um für jeden Tag den Kindern ein niveauvolles und hilfreiches Angebot machen zu können. Neben den Ausflügen auf die Burg Stolpen, in das Hallenbad nach Neustadt, in die Sächsische Schweiz mit Besuch der Bastei und einer Dampferfahrt auf der Elbe, zu Dynamo, dem Zoo in Dresden und einer Aufführung der Felsenbühne Rathen gab es auch Gelegenheit, die Stadt Radeberg und ihre Bürger kennenzulernen. So wurden beispielsweise ein Stadtrundgang mit Besuch des Rathauses organisiert, es ging zum Hoffest in Seifersdorf, zum Verein Wunderland und ins Freibad in Radeberg sowie Wachau. Die Kinder erlebten eine Wanderung durchs Hüttertal, erlebnisreiche Stunden auf der Kegelbahn beim RSV und ein Konzert im Altenheim. Aber auch für Körper und Geist wurde einiges getan. Da wären u.a. die Behandlungen durch die Kinderzahnheilkunde in der Uniklinik sowie die Teilnahme von elf jungen Leuten am Unterricht des Humboldt-Gymnasiums Radeberg zu nennen.

Was hat es gebracht? Für die Organisatoren und Helfer neben einer stressigen Zeit Genugtuung und gute Erinnerungen. Für die Gastkinder hoffentlich eine spürbare (und messbare) Verbesserung ihres Allgemein- und Gesundheitszustandes, denn nach wie vor ist die Strahlenbelastung in der Heimat noch groß. Aber auch die Erinnerung an gastfreundliche Menschen und an das, für ihre Verhältnisse, schöne und reiche Sachsen. Und für alle gilt nach diesen Tagen: Sich mit den Verhältnissen in Weißrussland bekannt zu machen, kann helfen, selbst dankbarer und zufriedener zu werden. Und nicht zuletzt ein großes Danke allen Mitbürgern, die wie die „Tschernobylis“ heute noch Zeit, Geld und Kraft für andere selbstlos investieren.

Gert Loose/Foto: privat