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Ausgabe 29/2017
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Cybermobbing – Was tun gegen Terror im Netz?

Rufschädigende und verleumderische Einträge in Social Media-Kanälen sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Insbesondere bei Jugendlichen ist das sogenannte Cybermobbing ein trauriger Trend, der schwerwiegende psychische Folgen haben kann Foto: PR

Beleidigungen und Ausgrenzungen unter Kindern und Jugendlichen im Netz stellen immer mehr ein großes Problem dar. Cybermobbing ist weder räumlich noch zeitlich begrenzt, Inhalte verbreiten sich extrem schnell und sind nicht kontrollierbar, da sie von Nutzern gespeichert, verändert und an anderer Stelle erneut hochgeladen oder weiterversendet werden können. Die Hemmschwelle beim Cybermobbing ist niedrig, weil die Täter nicht mit der unmittelbaren Reaktion des Opfers konfrontiert werden und oft versteckt im vermeintlichen Schutz der Anonymität handeln, wodurch Betroffene nicht immer wissen, wer hinter den Attacken steckt.

Beim Cybermobbing werden andere dauerhaft und gezielt durch elektronische Medien beleidigt, bloßgestellt und bedroht. Über soziale Netzwerke, Websites und Videoportale oder per Handy werden beispielsweise peinliches Bildmaterial und Gerüchte verbreitet oder Fake-Profile angelegt. Beiträge werden beleidigend kommentiert, über private Kommunikationswege erhalten Opfer Beleidigungen und Bedrohungen. Auch das bewusste Ausschließen z.B. aus WhatsApp-Gruppen einer Schulklasse kann hierunter gefasst werden.

Woran merke ich, dass mein Kind betroffen ist?

Kinder, die betroffen von Cybermobbing sind, können ganz unterschiedlich reagieren: Einige sind eingeschüchtert und ziehen sich zurück, um keine Angriffsfläche mehr zu bieten. Sie nutzen Computer und Internet weniger oder machen das Gerät sofort aus, wenn Eltern und Freunde in die Nähe kommen. Andere reagieren aggressiv oder werden krank.

Viele Betroffene von Cybermobbing ziehen sich sozial zurück, werden zurückhaltender und verschlossener, erzählen weniger von Schule und Arbeit, die Fröhlichkeit verschwindet, leiden unter Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit oder anderen körperlichen Beschwerden, gehen nur noch extrem ungern oder mit Bauchschmerzen in die Schule oder zur Arbeit, schulische oder berufliche Leistungen fallen ab, die Konzentrationsfähigkeit lässt nach oder Interessen verändern sich.

Was können Eltern und Erziehende tun?

Konflikte zwischen Heranwachsenden sind normal. Schwierig wird es, wenn sie online über Beleidigungen und Abwertungen ausgetragen werden. Bei Cybermobbing handelt es sich um ernstzunehmende Attacken, die bei dem Opfer oft seelische Verletzungen verursachen und strafbar sind. Es ist wichtig, dass Eltern sich darüber informieren, aufmerksam sind und Verhaltensregeln im Netz mit ihrem Kind besprechen. Es geht darum deutlich zu machen, welche Folgen Cybermobbing haben kann und dass Kinder und Jugendliche sensibilisiert werden, sich für andere einsetzen. Dabei hilft eine gemeinsame Haltung gegen Mobbing.

  • Respekt vermitteln: Wichtig sind Chatregeln zu vereinbaren, die Netiquette zu achten und respektvoll zu sein.
  • Courage zeigen: Werden andere online gemobbt, können Kinder auch selbst Courage zeigen und sich gegen Hetze aussprechen und für andere einzusetzen.
  • Vertrauensbasis schaffen: Eltern sollten gemeinsam mit ihrem Kind das Internet entdecken und über mögliche Gefahren wie Belästigungen bereits im Vorfeld sprechen.
  • Unterstützung anbieten und Verständnis zeigen: Sensibel und verständnisvoll auf mögliche Veränderungen des Kindes reagieren
  • Ernst nehmen: Kinder müssen wissen, dass sie mit ihren Anliegen ernst genommen werden und Hilfe erfahren.
  • Gemeinsam nach Lösungen suchen: Falls Eltern konkrete Schritte unternehmen wollen, ist es sinnvoll, diese mit dem Kind zu besprechen und es in ihre Lösungssuche einzubeziehen.
  • Nicht bestrafen: Ein Handy- und Internetverbot ist nicht sinnvoll. Cybermobbing ist in der Regel nicht einem Fehlverhalten des Kindes geschuldet.
  • Schule kontaktieren: Hilfreich kann es auch sein, die Schule des Kindes anzusprechen, damit Cybermobbing im Unterricht zum Thema gemacht wird.

Wenn ihr Kind betroffen ist, sollten Eltern Belege über Screenshots (Bildschirmaufnahme) sammeln sowie alle verfügbaren personenbezogenen Informationen und solche, die den Vorfall beschreiben, also etwa Namen oder Nicknames (Spitznamen) der verantwortlichen Nutzer notieren. Sind die Beteiligten bekannt, diese auffordern, die Inhalte zu entfernen. Manchmal ist den Beteiligten nicht klar, dass sie andere verletzen. Löschen die Täter die Inhalte nicht freiwillig, können Eltern dies vom Betreiber fordern, dessen Kontaktdaten über den Hilfebereich oder das Impressum bzw. die Nutzungsbedingungen zu finden sind. Bei schweren Verstößen können Eltern rechtliche Schritte einleiten, ggf. anwaltliche Beratung einholen und die verantwortlichen Nutzer bei der Polizei zur Anzeige bringen.

Wenn ihr Kind an einem Cybermobbing beteiligt ist, sollten Eltern mit ihrem Kind reden und versuchen die Gründe zu ermitteln, warum es andere bloßstellt, ausgrenzt oder beschimpft. Ursachen können Unzufriedenheit oder die Suche nach Anerkennung sein. Sie sollten die Lage des Opfers verdeutlichen und aufzeigen, wie unangenehm diese Rolle ist sowie Alternativen nennen, wie man mit Streitsituationen umgeht. In vielen Fällen ist es ratsam, Kontakt zu Eltern der anderen Täter aus der Gruppe aufzunehmen und zu besprechen, wie das Mobbing beendet werden kann.

Red.