Titel Logo
Mitteilungsblatt - Ihre Heimat- und Bürgerzeitung im Landkreis Bautzen
Ausgabe 29/2017
Titelseite
Zurück zur vorigeren Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe
-

Rödertalbienen setzen Höhenflug fort

Die Zuschauer in Großröhrsdorf können sich ab September auf Erstliga-Handball mit den Rödertalbienen freuen. Die ungarische Rückraumspielerin Izabella Nagy, hier beim Ansatz zum Sprungwurf, wird dann auch wieder in der Mannschaft stehen. Foto: Verein (Archiv)

Zu Wochenbeginn versetzte eine Nachricht die Handball-Fans in Großröhrsdorf und Umgebung in helle Aufregung und seitdem summt und brummt es mächtig gewaltig im „Bienenstock“: Die Rödertalbienen spielen in der kommenden Saison 2017/18 in der ersten Bundesliga. Auch wenn die Freude über den Aufstieg des Tabellendritten der zweiten Frauen-Bundesliga riesengroß ist, so kam die Überraschung doch nicht ganz so unverhofft. Der mit 1,3 Millionen Euro verschuldete HC Leipzig hatte am Sonnabend Insolvenz anmelden müssen und der HC Rödertal rückt nun für den sechsmaligen deutschen Meister in die Bundesliga nach – und das dank einer „Rolle rückwärts“. Als die Rödertalbienen vor knapp einem Monat mit Platz drei den Aufstieg in die Beletage geschafft hatten und die Lizenz für die 1. Bundesliga erhielten, vollführte der Verein noch einen Rückzieher. Wirtschaftliche Gründe waren es, die den „Bienen“ den Höhenflug verwehrten. Nachdem im März die Lizenzunterlagen für die 1. Liga eingereicht wurden, fehlten dem Verein 20.000 Euro zur Bürgschaft von 50.000 Euro. „Dieses finanzielle Risiko wollten wir damals nicht eingehen und deshalb konnten wir den Aufstieg nicht wahrnehmen“, erklärte HCR-Präsident Andreas Zschiedrich in einem MDR-Fernsehinterview. „Aber jetzt ist die Situation eine andere. Es hat sich einer unserer Hauptsponsoren bereit erklärt, für die Bankbürgschaft die nötige Sicherheit zu geben und uns auch finanziell zusätzlich unter die Arme zu greifen.“

Bei aller Freude über den Aufstieg sind die Probleme für den HCR nicht kleiner geworden. „Wir hatten von vornherein zwei Prämissen für das Unternehmen 1. Liga: die finanzielle Sicherheit und die Absicherung des sportlichen Kaders“ erklärt der Vereinspräsident. „Nachdem der erste Teil geklärt ist, beginnt die harte Arbeit bei Teil zwei – wir konnten schließlich bisher bestimmte Verträge, beispielsweise mit Spielerinnen, nicht abschließen." Nach dem Zwangsabstieg des HC Leipzig verhandeln die Rödertalbienen nun mit einer Handvoll HCL-Spielerinnen. Fünf bis sechs Erstligaspielerinnen aus der Messestadt sind im Gespräch. Noch diese Woche sollen die Verträge unterschrieben werden. Langfristig wollte der HC Rödertal zum Juniorpartner des HC Leipzig werden. Es war angedacht, 2018 in die erste Liga aufzusteigen. Jetzt sind die Großröhrsdorfer vom Aufstieg überrascht worden und setzen sich den Klassenerhalt als Ziel. Dazu muss der Kader noch gehörig aufgestockt werden. Dem neuen Trainer Karsten Knöfler, der Karsten Moos „beerbt“, stehen von den bisherigen Stammspielerinnen (Stand diese Woche) Jurgita Markeviciute, Ann Rammer, Lisa-Marie Ostwald, Izabella Nagy, Grete Neustadt, Sarolta Selmeci, Kathleen Nepolsky, Egle Alesiunaite, Angelika Luberecka, Sandra Szary und Tammy Kreibich zur Verfügung.

Die Rödertalbienen setzen mit dem Schritt nach oben ihren Höhenflug fort. Am 1. März 2009 wurde der Handballclub Rödertal gegründet. Der HSV 1923 Pulsnitz übertrug dem HCR für die Saison 2009/10 sein Spielrecht in der Verbandsliga Sachsen, Staffel Ost. Es folgten der Aufstieg von der Oberliga Sachsen in die Mitteldeutsche Oberliga 2010, der Aufstieg in die 3. Liga 2012, der Aufstieg in die 2. Bundesliga 2013 und nun der Aufstieg in die erste Liga.

Eine weitere wichtige Frage für das „Abenteuer 1. Liga“ ist der Spielort der Bundesliga-Heimbegegnungen. Seit September 2014 ist die neu errichtete Sporthalle Großröhrsdorf das Domizil der Bienen. „Und das soll sie künftig zum großen Teil auch bleiben“, schiebt Andreas Zschiedrich Überlegungen, in einer Dresdner Ballspielarena vor mehr Publikum spielen zu können, vorerst einen Riegel vor. „Unsere Halle ist ein Schmuckstück, wenn auch ein kleines. VIP-Räume und Catering sind ganz okay, nur mit der erforderlichen technischen Ausstattung für die Medien müssen wir uns noch einiges einfallen lassen. Mit 1.000 Zuschauern sind wir ganz schön eingeengt. In der 2. Liga hatten wir einen Zuschauerschnitt von rund 550. In der 1. Liga werden es wohl acht bis neunhundert sein. Sollten auf lange Sicht jedoch mehr als 1.500 Tickets pro Heimspiel abgesetzt werden können, wäre diese Spielstätte für ausgewählte Partien nach wie vor denkbar.“

EG