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Ausgabe 30/2017
Im Blick
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Beim „Zorn der Götter“ nicht nur vor Eichen – vor allen Bäumen weichen

Der Himmel zieht sich zu, es stürmt und blitzt und donnert. Gewitter sind keine Seltenheit in diesen Tagen. Foto: Archiv

Ein Blick nach oben verheißt nichts Gutes: Dunkle Wolken ziehen auf, die Luft ist schwül und erste Blitze zucken über den Himmel – ein Gewitter ist im Anmarsch. Noch vor wenigen Jahrhunderten dachten die Menschen dann, die Welt würde untergehen. Sie hätten den Zorn der Götter auf sich gelenkt und würden nun für ihre Sünden bestraft. Nicht umsonst ist der Blitz die wichtigste Waffe des Göttervaters Zeus.

Heute wissen wir es zum Glück besser. Bei einem Gewitter trifft eine Warmfront auf eine Kaltfront. Wenn Luftfeuchtigkeit und Luftverwirbelungen dazukommen, ist das Unwetter perfekt. Eine logische, meteorologische Erscheinung also. Trotzdem melden sich bei Gewitter unsere Urinstinkte: Was tun, wenn man draußen von einem Unwetter überrascht wird? Die richtigen Verhaltensweisen bei Gewitter.

Das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden, lässt sich durch einige Grundregeln minimieren. Der Blitz, der zur Erde niederfährt, ist eine elektrische Ladung, die einen Spannungsunterschied zwischen der Gewitterwolke und der Erde darunter ausgleicht: 100 Millionen Volt können das sein, und beim Einschlag fließt für den Bruchteil einer Sekunde ein Strom von rund 30.000 Ampere. Der Blitz schlägt vorzugsweise in die höchste Erhebung ein: Darum sollte der Wanderer bei Gewitter Felder oder Wiesen möglichst verlassen, um nicht selbst die höchste Stelle darzustellen. Genauso fatal kann es sein, sich unter einen Baum zu retten: Schlägt der Blitz in den Stamm ein, kann die Spannung überspringen, oder dem vermeintlich Sicheren fallen Äste auf den Kopf. Der alte Spruch über die zu suchenden Buchen und die Eichen, vor denen man besser weichen solle, stimmt so übrigens nicht. Besser ist es, davon auszugehen, dass der Blitz überall einschlagen kann. Besonders gefährdet sind alleinstehende Bäume.

Wichtig ist es auch, bei Gewitter Abstand von Metall zu halten: Zwar ziehen Fahrräder, Handys, Skistöcke und Geländer den Blitz nicht extra an, wenn er aber dort einschlägt, dann leiten Metallgegenstände den Strom besonders gut weiter – das kann zu massiven Verbrennungen führen.

Gefährlich im Freien ist aber nicht nur der Blitz, der einen direkt trifft, sondern auch der Einschlag in die nähere Umgebung. Im Boden wird der Strom nämlich gut weitergeleitet. Wer im Freien von einem Gewitter überrascht wird, sollte sich daher nie flach auf den Boden legen, sondern immer in die Hocke gehen, die Beine möglichst dicht zusammenstellen. Mehrere Personen, die zusammen im Gewitter unterwegs sind, sollten dabei möglichst Abstand zueinander halten.

Am besten aber schützt ein festes Gebäude mit Blitzableitern – nur vor Leitungen sollte man sich dort in Acht nehmen und nicht unbedingt gerade duschen. Draußen ist auch das Auto sicher: Es bildet einen sogenannten „Faradayschen Käfig“, in dem der Strom durch die Metallkarosserie in den Boden fließt, ohne die Insassen zu verletzen.

Schon beim ersten Donnergrollen heißt es, raus aus dem Wasser. Der Kopf bildet im Wasser den höchsten Punkt im Umkreis und ist ein sehr wahrscheinliches Ziel für den Blitz. Es gibt außer Laufen und Schwimmen noch einige andere Sportarten, die bei Gewitter besonders gefährlich sind: Reiten zum Beispiel. Zum einen sitzt man auf dem „hohen Ross“ sehr exponiert für den Blitz. Zum anderen hat das Pferd eine sehr große Schrittspannung. Statistisch gesehen ist allerdings Golfen, zumindest in den USA, die gefährlichste Sportart, wenn es blitzt und donnert: Jeder fünfte Blitztote dort hat den Schläger geschwungen und dabei einen Einschlag kassiert.

Allerdings ist die Chance, selbst einen unmittelbaren Blitzschlag relativ glimpflich zu überstehen, gar nicht so schlecht: Paradoxerweise kommt uns da gerade die enorme Stromstärke des Blitzes zu Hilfe, die über den Widerstand des Körpers eine so hohe Spannung aufbaut, dass der Blitz den Abstand zum Boden überbrücken kann und nur über die Körperhülle rast – die Haut ist zudem ein besonders guter elektrischer Leiter.

Millionen Blitzeinschläge treffen täglich die Erde, fünf bis sieben Deutsche sterben jährlich daran – ein vergleichsweise geringes Risiko, zu dem ähnlich viel Pech gehört wie Glück zu einem saftigen Lottogewinn. Deutlich mehr Menschen aber werden durch Blitze verletzt. Darum sollten Sie das Schicksal nicht herausfordern: Wer zwischen Blitz und Donner gerade noch langsam bis zehn zählen kann, ist dem Gewitter schon so nahe, dass er sich schleunigst davor in Sicherheit bringen sollte.

Red.