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Ausgabe 36/2018
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Gäste aus Übersee und ein neues Bauprojekt

www.kleinwachau.de - Interessierte Zuhörer in den Werkstätten des Epilepsiezentrums Kleinwachau: Die zwölf Managerinnen und Manager besuchten die Einrichtung in Radeberg, um soziale Verantwortung in Unternehmen kennenzulernen

Weit gereiste Gäste empfing das Epilepsiezentrum Kleinwachau in der vergangenen Woche. Die zwölf Managerinnen und Manager aus Vietnam durchlaufen in Dresden gerade ein Fortbildungsprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums. Dessen Ziel ist es, Geschäftskontakte zwischen deutschen und vietnamesischen Firmen herzustellen und mögliche Kooperationen sowie Erfahrungsaustausch zu generieren. Neben wirtschaftlichen Aspekten geht es bei der Fortbildung auch um die Verantwortung der Arbeitgeber für die Beschäftigten selbst. Soziale Verantwortung von Unternehmen also. Und so bekam die Gruppe aus Vietnam im Epilepsiezentrum Kleinwachau Einblicke in die Arbeit für und mit Menschen mit Behinderungen. Sie besuchten die Werkstätten für behinderte Menschen und lernten das Konzept der Inklusionsfirma „paso doble“ kennen. Denn gerade das Zusammenspiel der Inklusionsfirma mit den Werkstätten ist eine Besonderheit des Epilepsiezentrums.

„Unser Ziel ist es, Menschen zu fördern und zu fordern, damit sie die Bestätigung bekommen, gebraucht zu werden“, sagt Hubertus Schreiber, der Leiter der Werkstätten in Kleinwachau. „Bei uns steht nicht die Behinderung im Vordergrund, sondern der Mensch.“ Und diese Botschaft kam bei den Managern aus Übersee auch wirklich an. Besser als jede Hochschul-Vorlesung zum Thema soziale Verantwortung.

Derweil laufen auf dem Gelände in Kleinwachau die Vorbereitungen für ein weiteres wichtiges Projekt des Epilepsiezentrums auf Hochtouren. In wenigen Tagen beginnen die Bauarbeiten für das sogenannte Tannenhaus. Anfang Oktober soll der erste Spatenstich stattfinden. Gebaut wird ein Wohnheim, in dem Menschen mit Behinderungen leben können. Alles komplett barrierefrei und aktuellsten Standards entsprechend. Insgesamt sollen in dem Haus 40 Appartements entstehen. Die Wohnungen sind für die Betreuung von schwerst mehrfachbehinderten Menschen ausgelegt. Weitere fünf Plätze mit je einem Einmann-Appartement im Untergeschoss sollen der Kurzzeit-Betreuung vorbehalten sein. Hier können nach Fertigstellung zum Beispiel behinderte Menschen aufgenommen werden, wenn deren Eltern oder Angehörige in den Urlaub fahren.

Gebaut wird der zweigeschossige Flachbau schräg gegenüber vom Fachkrankenhaus für Neurologie, dort, wo schon früher ein „Tannenhaus“ stand, weswegen auch dessen Name übernommen werden soll. Das alte Tannenhaus wurde im September 2009 abgerissen. Das Gebäude - mehr eine Baracke - wurde 1976 bis1979 erbaut, um Wohnraum für die Mitarbeiter zu schaffen. So beherbergte das Haus viele Mitarbeiter-Familien, in den letzten Jahren auch Bewohner. Aufgrund der schlechten Bausubstanz und der Belastung durch Asbest entschied man sich für den Abriss, um so den Boden wieder begrünen zu können. Doch nun entsteht auf der Fläche zwischen der Förderschule und dem Krankenhaus des Epilepsiezentrums nach einem Entwurf der Firma PlanKonzept GmbH ein neues Tannenhaus. Mit den Plänen für das neue Tannenhaus reagiert das Epilepsiezentrum auf den Umstand, dass auch seine Klienten älter werden. Durch den Neubau wird eine Lücke vor allem für ältere Menschen mit Epilepsie und schweren Behinderungen, die zum Ende ihres Lebens extrem pflegebedürftig sind, geschlossen. Durch die unmittelbare Nähe des Krankenhauses ist die medizinische Betreuung gewährleistet, die sie jederzeit nutzen können. Außerdem stehen ihnen die Freizeit- oder Therapieangebote des Zentrums offen. Mehr als fünf Millionen Euro wird das Vorhaben kosten. Schon im ersten Quartal 2020 soll der Bau stehen.

Doch nicht nur internationale Gäste und große Bauvorhaben bestimmen gegenwärtig das Leben in Kleinwachau. Am Sonnabend, dem 22. September, lädt das Epilepsiezentrum Kleinwachau wieder zum traditionellen Kaffeeklatsch ein. Nach gemütlichem Kaffeetrinken in der Cafeteria fordert der Tanzverein „Stolp(n)er Folk" in der Kirche zum Tanz auf. Dabei werden Volkstänze gezeigt und gemeinsam getanzt. Zu schwungvoller traditioneller Musik gibt es ganz einfache Anleitungen. Dazu sind auch ungeübte Tänzer herzlich willkommen und werden am Ende des Nachmittages staunen, wie viel Freude gemeinsames Tanzen macht. Der Eintritt ist frei.

Red