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Ausgabe 4/2018
Im Blick
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Sachsens Wetterbilanz 2017: Viel zu warm und vom Sturm zerzaust

Das neue Jahr hatte gerade erst begonnen, da sorgte das Sturmtief „Friederike“ im Januar wie schon im Herbst zuvor „Herwart“ für Orkanschäden in Sachsens Wäldern

Stürme, lokale Starkregen, der 21. zu warme Sommer in Folge oder auch die Spätfröste im April 2017, die auf einen viel zu warmen März folgten, zeigen, dass die Klimaveränderungen auch in unserer Region immer spürbarer werden. Sichtbar würden diese Auswirkungen sowohl am unmittelbaren als auch am mehrjährigen Witterungsverlauf, so das Fazit von Klima-, Wetter-, Umwelt- sowie Land- und Forstwirtschaftsexperten in der vergangenen Woche beim Jahres-Presse-Gespräch „Wetter trifft auf Klima“ in Dresden. Dieser Einschätzung liegt eine gemeinsame Auswertung des Landesumweltamtes Sachsen (LfULG) und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zugrunde. Untersucht wurde einerseits, wie sich die Witterungen und Wetterphänomene in die sächsische Klimadiagnose einordnen lassen und welche Folgen sie andererseits z. B. auf Land- und Forstwirtschaft oder auf den Wasserhaushalt hatten. Als Bezug für die Bewertung dient die Klimareferenzperiode 1961 bis 1990.

Das Jahr 2017 war danach mit +1,3 Grad „viel zu warm“. Niederschlag (+7 Prozent) und Sonnenstunden (+4 Prozent) bewegten sich trotz der leichten Überschüsse im normalen Schwankungsbereich. Differenzierter stellt sich das bei den Jahreszeiten dar. Seit dem Sommer 2013 waren durchgehend alle Jahreszeiten wärmer. Das ist der längste zu warme Zeitraum seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 und dokumentiert das gegenwärtig sehr hohe thermische Niveau. Darüber hinaus hat sich in den letzten drei Jahren aus der Abfolge der Jahreszeiten ein Muster abgezeichnet: Sie waren alle wärmer und mit Ausnahme des Herbstes 2017 auch sonnenreicher. Die anhaltende Trockenheit im Winter und Frühjahr 2016 wiederholte sich 2017. Darauf folgten wieder unwetterartige Gewitter mit Starkregen, Sturm, Hagel und schwülen Wettersituationen in den Sommermonaten sowie ein wechselhafter Herbst.

Jede Jahreszeit hatte ihre Besonderheiten: Der Winter 2016/17 war mit 42 Prozent mehr Sonnenstunden „extrem zu sonnenreich“. Im Frühjahr folgte auf den mit +3,6 Grad „extrem zu warmen“ März ein folgenreiches Spätfrost-Ereignis im April; der Mai war mit 51 Prozent weniger Niederschlag „viel zu trocken“. Der Sommer 2017 war mit +1,6 Grad „viel zu warm“ und hatte eine um 29 Prozent höhere Niederschlagssumme. Damit war der Sommer 2017 das 21. Mal in Folge wärmer und das neunte Mal in Folge niederschlagsreicher. Die Temperatur- und Feuchtebedingungen hatten beispielsweise in Dresden die doppelte Anzahl schwüler Tage zur Folge. Der Herbst war mit minus 22 Prozent „viel zu sonnenarm“ und sachsenweit zu nass. Besonders markant waren die Stürme und die 90 Prozent mehr Niederschlag im Oktober.

Das Sturmtief „Herwart“ am 29. Oktober 2017 überstieg die Widerstandsfähigkeit vieler Bäume. Die Schäden betrafen den gesamten Freistaat Sachsen. Die vergleichsweise günstige Ausgangssituation für den Borkenkäfer kann zusätzliche Probleme verursachen. Hintergrund ist, dass die weitere Entwicklung der Käferpopulation entscheidend von der Witterung zur Schwärmzeit der Käfer im Frühjahr 2018 abhängt. Hieran bemisst sich zugleich die Zeit, die landesweit für die Aufarbeitung des Sturmholzes bleibt. Im besten Fall fährt der Borkenkäfer bis dahin in der Baumrinde mit dem Holz-Lkw aus dem Wald. Durch die Schäden des Sturmtiefs „Friederike“ am 18. Januar 2018 wird das zusätzlich erschwert.

Bei den meisten Kulturen im sächsischen Gartenbau lagen die Ergebnisse um ein Fünftel bis ein Drittel niedriger als die fünfjährigen Mittelwerte. Die Ertrags- und Qualitätseinbußen wurden durch Hagel oder Starkregen, insbesondere aber durch den Spätfrost im April 2017, verursacht. Der für den Weinbau insgesamt positive Witterungsverlauf führte mit rund 26.000 Hektolitern zu einer guten Ernte. Die voraussichtliche Gesamternte 2017 ist etwas geringer als im Vorjahr aber deutlich höher als der Durchschnitt der letzten Jahre. Der Flächenertrag wird voraussichtlich bei durchschnittlich 53 Hektoliter pro Hektar liegen.

Für die Landwirte war das durchschnittliche Ertragsniveau für Winterraps 2017 enttäuschend niedrig. Witterungsbedingte Schäden traten infolge des Spätfrost-Ereignisses im April, der Frühjahrstrockenheit im April/Mai sowie durch Hagel und Starkregen mit Windböen im Sommer auf. Dagegen konnten für Kartoffeln und Zuckerrüben die jeweils zweitbesten Hektarerträge seit 1991 in Sachsen erzielt werden. Die durchschnittlichen Erträge für Winterweizen, Sommer- und Wintergerste in Sachsen waren 2017 niedriger als in den drei Vorjahren, lagen jedoch über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Letzteres gilt auch für Silo- und Körnermais.

In den Monaten Mai, Juni, Juli traten eine Reihe von kleinräumigen Starkregen-Ereignissen in Sachsen auf, die teilweise zu kleinräumigen Hochwassern führten. Lokal können die Folgen solcher Starkregen überaus beträchtlich sein, so wie bei dem verheerenden Ereignis vom 14. Mai 2017 im Bereich Spitzkunnersdorf/Leutersdorf in der Oberlausitz. Speziell für solche kleinen Einzugsgebiete baut das LfULG derzeit ein neues Hochwasserfrühwarnsystem auf. Darüber hinaus entwickelt es im EU-Projekt RAINMAN entsprechende Konzepte für ein verbessertes Risikomanagement in der Pilotregion „Oberlausitz“. Hierzu sollen künftig auch Ergebnisse aus dem jüngst gestarteten Forschungsvorhaben des LfULG zu konvektiven Niederschlägen beitragen. Die Grundwassertrockenheit der letzten beiden Jahre hat sich 2017 durch mehr Niederschläge leicht entspannt.

Der dritte milde Winter in Folge hatte positive Auswirkungen auf die Luftqualität in Sachsen. Nach 2015 und 2016 wurde auch 2017 der Tagesgrenzwert für Feinstaub PM10 an allen sächsischen Luftmessstationen eingehalten.

Red.