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Ausgabe 50/2017
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Diese Wünsche erfüllt nicht der Weihnachtsmann

Zwei Präsidenten – eine Hoffnung: mehr Anerkennung und Wertschätzung für die Ehrenamtlichen in den Sportvereinen. Torsten Pfuhl (Kreissportbund – l.) und Ulrich Franzen (Landessportbund) hoffen auf positive Ergebnisse, die aus der Wunschzettelaktion der Vereine des Landkreises Bautzen resultieren. Foto: ku

Einen Wunschzettel – zumeist an den Weihnachtsmann – zu schreiben oder zu malen bleibt den Kindern vorbehalten. Die Kleinen haben in den vergangenen Wochen fleißig zu Papier gebracht, wovon sie schon länger träumen – Puppe oder Eisenbahn, heute wahrscheinlich eher interaktives Stofftier oder Spielekonsole. Ob die Wünsche dann wirklich erfüllt werden können, liegt wohl kaum am Weihnachtsmann, sondern am Geldbeutel der Eltern und Großeltern. Selbst wenn es nicht das Traumgeschenk ist – etwas unterm Weihnachtsbaum für strahlende Augen sollte jedes Kind finden. Wunschzettel ganz anderer Art spielten seit dem Spätsommer bei zahlreichen Sportvereinen des Landkreises Bautzen eine gewichtige Rolle: „Schreiben Sie mir einen Wunschzettel“ war am 9. August das Angebot des Bundesinnenministers Thomas de Maizière während des Ehrenamtforums beim Thonberger SC, an dem über 200 Vereinsvertreter teilnahmen, um an diesem Abend über ihre aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu sprechen. Nach dem Aufruf des Kreissportbundes, einen Wunschzettel zu formulieren, nutzten die Sportvereine des Landkreises diese Möglichkeit ihre Herausforderungen, Nöte und Meinungen mitzuteilen. Etwa 30 Vereine gaben ihre eigenen Wunschzettel ab. Außerdem wurden im Rahmen der Regionalkonferenzen Punkte angesprochen und diskutiert, die unbedingt aus der Sicht der Vereine auf die Wunschzettel gehören. So sind sich Sportbund-Präsident Torsten Pfuhl und Geschäftsführer Lars Bauer ziemlich sicher, einen breiten Querschnitt aus den Meinungen der Vereine abbilden zu können: „Es haben sich kleine, mittlere und große Vereine aus dem gesamten Landkreis beteiligt“, so Torsten Pfuhl.

Gemeinsam mit dem Präsidenten des Landessportbundes Sachsen Ulrich Franzen wurden die Themen der Wunschzettel, geordnet nach der Zuständigkeit auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, den regionalen Medien kürzlich vorgestellt. So fordern die ehrenamtlichen Funktionäre auf Bundesebene eine Erhöhung der Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale sowie die Einführung eines Rentenpunktesystems für ehrenamtlich Aktive. Nach Meinung der Sportvereine schöpfen insbesondere Übungsleiter die steuerfreie Übungsleiterpauschale aus, die bei einer Erhöhung weitere Einsatzmöglichkeiten im Übungs- und Trainingsbetrieb schaffen kann. Vor allem fehlt es aber dem Ehrenamt an Wertschätzung ihrer Arbeit. So bestehe die Vision von einem Rentenpunktesystem für ehrenamtlich Aktive, das als staatliche Anerkennung und Wertschätzung dienen könnte.

Auf der Ebene des Freistaates darf man sich nun Gedanken über den Bildungsurlaub oder eine Bildungsfreistellung machen. 14 Bundesländer haben dazu bereits eine gesetzliche Grundlage. Sachsen und Bayern bilden die Ausnahme. Bisher müssen ehrenamtlich Engagierte für Aus- und Fortbildungsmaßnahmen entweder Urlaub nehmen oder an Abend- und Wochenendlehrgängen teilnehmen, um notwendige Qualifizierungen für ihr Ehrenamt zu erhalten.

Eine neue Willkommenskultur für das Ehrenamt wünscht sich der Kreissportbund vom Landkreis Bautzen. Die Wünsche der ehrenamtlich Engagierten auf Kreisebene sind sehr vielfältig – natürlich geht es dabei auch um problematische Situationen in den Sportstätten oder die Angst um den Fortbestand einer Schwimmhalle. Ein Dankeschön gesagt, finanzielle Entlastungen für die Vereine beschlossen oder auch unbürokratische Wege in der alltäglichen Vereinsarbeit aufgezeigt, das könnten erste Ansätze sein. Der Kreissportbund regt hier einen gemeinsam erarbeiteten Maßnahmenkatalog an, der im Ergebnis die Grundlage sein soll, wie im Landkreis Bautzen weiter eine ehrenamtsfreundliche Willkommenskultur geschaffen werden kann. Auch die Fortschreibung der Sportförderrichtlinie für den Landkreis Bautzen müsse so schnell wie möglich erfolgen.

Wertschätzung und Anerkennung ehrenamtlichen Engagements fängt aber schon im Verein selbst an. Er ist eine Solidargemeinschaft und benötigt das Mitwirken vieler. Vereinsmitglieder nehmen dabei die Leistung des Sporttreibens in Anspruch, die durch den Vorstand, die Übungsleiter und die Helfer im Ehrenamt erbracht werden. Sie sind damit die „Kümmerer“ im Vereinsleben, denen meist ein Dankeschön von den Vereinsmitgliedern als Motivation ausreicht.

Die Briefe an die Verantwortlichen der drei Ebenen wurden am 6. Dezember verschickt. Welche Reaktionen und vielleicht auch bereits Ergebnisse diese Forderungen an die Politik einbringen, soll am 25. Mai auf dem nächsten Kreissporttag vorgestellt werden. Dann kann auch gefeiert werden, denn 2018 wird der Kreissportbund Landkreis Bautzen zehn Jahre alt – sind die ersten Wünsche der Sportvereine bis dahin in Erfüllung gegangen, kann das sicher eine richtig tolle Sause werden.

ku, Red.