Davor hatte ich keinen Namen, ich war einfach da.
Ein Schatten zwischen Mülltonnen, ein lautloser Schritt durch nasse Straßen. Ein hungriger Blick im Morgengrauen. Ich war ein Streuner, einer von vielen. Einer, den niemand sieht.
Ich habe gefroren, habe gehungert, habe gelernt, dass jedes Geräusch Gefahr bedeuten kann, dass jede Nacht ein Kampf ist. Und dass mein Körper mir keine Ruhe lässt.
Da war immer dieser Drang – immer – unaufhörlich. Nicht Hunger, nicht Kälte. Etwas Tieferes.
Ich musste los – immer weiter – immer suchen – immer kämpfen.
Ich wollte nicht kämpfen – aber ich musste. Für ein Revier, für ein Weibchen….
Für etwas, das ich selbst nicht verstand. Und so habe ich gekämpft, bis aufs Blut, bis zur Erschöpfung!
Meine Ohren wurden zerrissen, meine Krallen herausgerissen.
Meine Haut trägt Narben wie Erinnerungen an jede einzelne Nacht. Meine Pfoten brennen bei jedem Schritt. Und trotzdem ging ich weiter. Weil ich nicht anders konnte. Immer wieder dieser Drang. Ich konnte nicht mehr – aber ich musste.
Bis zum heutigen Tag, an dem alles anders wurde.
Ich wurde eingefangen. Ich hatte große Angst. Doch ehrlich?
Mein Körper war so müde, dass es mir fast egal war, was passiert.
Dann wurde alles schwarz. Als ich wieder aufwachte, war es warm.
Zum ersten Mal seit… ich weiß nicht wann. Es roch nicht nach Gefahr. Es war ruhig.
Mein Körper tat weniger weh und vor mir stand Futter. Einfach so – für mich!
Ich war im Tierheim. Zwei Menschen standen da. Sie sahen mich an. Sie wirkten erleichtert, gleichzeitig traurig und wütend. Nicht auf mich – auf das, was ich erlebt habe.
„Warum kastriert man nicht“, sagte einer leise. „Warum verstehen die Menschen nicht, wie viel Leid sie verhindern könnten“.
Ich wusste nicht genau, was das bedeutet, aber ich spürte es. Etwas hat sich verändert.
Dieser Druck … ist weg, diese Unruhe ... verschwunden.
Mein Körper gehört endlich mir, ich muss nicht mehr kämpfen. Nicht mehr suchen, kann einfach sein.
Kastration bedeutet nicht nur, dass ich keinen Nachwuchs mehr zeugen kann, sondern:
| - | weniger Kämpfe |
| - | weniger Verletzungen |
| - | weniger Krankheiten |
| - | weniger Streunen, weniger Hunger |
| - | weniger Leid |
Für mich. Für andere Kater, für alle, die sonst so leben müssen wie ich.
Ich bin Mufasa und heute bin ich zum ersten Mal nicht nur am Leben, heute habe ich eine Chance zu leben.
Bitte sorgt dafür, dass es nicht noch mehr von uns gibt, die erst durch so viel Schmerz gehen müssen, um gerettet zu werden.
Kastration rettet Leben – jeden Tag.
Tierschuzverein Aue-Schwarzenberg und Umgebung e. V.