von Hans-Georg Hering
Unter dieser Maßgabe etablierte sich Mitte der 1950er-Jahre in unserem Nachbarort Markersbach ein Dienstleistungsunternehmen, dessen guter Ruf noch heute vielen sicher in Erinnerung geblieben ist.
Nachdem der damalige Besitzer der Markersbacher „Niedermühle“, Kurt Herzog, 1930 verstorben war, übernahm dessen Sohn Johannes Herzog den Familienbetrieb und führte die Sägemühle weiter.
Mitte der 1950er-Jahre schien die Auftragslage der Schneidemühle nicht mehr die Beste gewesen zu sein, so dass J. Herzog als zweites Standbein 1956 auf dem Gelände der Mühle noch eine Wäscherei einrichtete.
Am 1.Januar 1962 stellte die Sägemühle mit zuletzt nur noch fünf Beschäftigten endgültig ihren Betrieb ein.
Mit den um 1960 schon in der Wäscherei beschäftigten 20 Angestellten gründete der Unternehmer Herzog nun die später weithin bekannte „Landwäscherei Herzog“, welche schon 3 Jahre später mit dem in der damaligen DDR etwas geltenden Ehrentitel „Betrieb der ausgezeichneten Qualitätsarbeit“ geehrt wurde.
Da die staatlichen Stellen in der DDR mit solchen Gunstbezeugungen für private Unternehmen damals nicht gerade sehr freigiebig waren, konnte sich die Firma Herzog in Markersbach auf diese Ehrung schon „etwas einbilden“! Von hier wurden täglich zwei Tonnen schrankfertige Wäsche ausgeliefert, nach der Verstaatlichung und Erweiterung 1974 steigerte man diese Menge auf 3,6 Tonnen. Kunden der Landwäscherei Herzog waren Ferienlager, Hotels, Gaststätten und Kurhäuser, aber auch viele private Haushalte.
Annahmestellen betrieb die Firma in Heidenau 3 Stück, in Pirna, Langenhennersdorf und Berggießhübel. In den 1960er Jahren gab es auch zeitweise eine Annahmestelle in Rosenthal. Diese befand sich im einstigen „Herrenhaus“ des ehemaligen „Großen Gutes“ Nr. 41 und wurde von Frau Erika Vater betrieben. (Heute Nr. 30)
Um diese Dienstleistung in Rosenthal kam es zeitweise zu Irritationen, wie ein erhaltenes Schreiben vom November 1963 aufzeigt. In diesem vom Rosenthaler Gemeinderat an den Vorstand der damaligen dortigen DFD-Ortsgruppe (DFD = Demokratischer Frauenbund Deutschlands) gerichteten Schreiben ging es um folgendes Problem (Zitat Beginn): „Betr.: Wäsche-Annahme im Dienstleistungsverfahren durch die Fa. Herzog
Wie uns durch die Firma Herzog mitgeteilt wird, entspricht gegenwärtig die Inanspruchnahme der Wäscherei durch unsere Hausfrauen nicht den anfangs gestellten Forderungen und Erwartungen. Sollte eine derartig geringe Beteiligung und Inanspruchnahme auch in Zukunft bestehen bleiben, sieht sich die Firma Herzog gezwungen, ihre Annahmestelle in Rosenthal wegen ungenügender Auslastung und demzufolge unzureichender Rentabilität wieder einzuziehen.
Wir möchten Sie heute und hiermit auf diesen Umstand hinweisen und darum bitten, daß sie auf unsere Hausfrauen Einfluss nehmen, damit sie ihre Wäsche, soweit das wirtschaftlich für einen Teil unserer, vor allem berufstätigen Frauen vorteilhaft ist, zur Wäscheannahmestelle bringen. Diese Annahmestelle ist ja erst auf vielseitigen Wunsch unserer werktätigen Frauen und Mütter eingerichtet worden und wir können deshalb nicht verstehen, weshalb davon gegenwärtig in so geringem Maße Gebrauch gemacht wird“
Rat der Gemeinde, Kopprasch, Bürgermeister
(Zitat Ende)
Dieser unbefriedigende Zustand schien sich in der Folgezeit etwas verbessert zu haben, denn im September 1964 erklärte sich die Landwäscherei Herzog bereit, ihre Rosenthaler Wäscheannahmestelle wenigstens einmal im Monat anzufahren, auch mit der Gemeinde Bielatal wurde deswegen Rücksprache genommen. Eine solche Annahmestelle wurde daraufhin im hinteren Teil des damaligen Gemeindeamtes an der Bielataler Talstraße eingerichtet, betreut von Frau Ilse Rüger vom Brausenstein (spätere Gemeindebotin).
Die Markersbacher Landwäscherei bestand bis zum Ende der DDR.
Seit 1999 werden die einstigen Wäschereigebäude von der bekannten Klempner- und Installationsfirma Karl Hartlepp GmbH genutzt, welche aus Langenhennersdorf nach Markersbach übersiedelte.
(Quellen: A. und Prof. S.Fischer: Geschichte der Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel, Teil 10 – Markersbach, 2012, weitere Quellen im Text erwähnt)