Aufnahme um 1900 – erste Zollstation von 1823 – 1885. Rechts unten befand sich die Zollstube.
Zollstation von 1885 – 1903
Königlich-sächsisches Nebenzollamt II. Klasse Rosenthal, erbaut 1903
Neues Zollhaus Rosenthal, erbaut 1938, 1940/41
von Hans-Georg Hering
Der angestrebte Verkauf des „Alten Zollhauses“ an der Königsteiner Straße Nr. 107 (alt 90 c) durch die Gemeinde Rosenthal-Bielatal veranlasste mich, doch einmal die Historie der Zoll-Einnahme und ihrer Gebäude vergangener Zeiten in Rosenthal „unter die Lupe“ zu nehmen.
Wie der erste Ortschronist von Rosenthal, Lehrer Kurt Baumert, für seine Chronik ermittelte, bewegte sich der Durchgangsverkehr von sächsischem Gebiet ins Böhmische in unserer Region in zunehmendem Maße schon im 1.Drittel des 19.Jahrhunderts auch durch das damalige Rosenthal.
Dadurch sah sich die königlich-sächsische Zollbehörde veranlasst – um diesen Warenverkehr unter Kontrolle zu bringen und zu besteuern – im Grenzort Rosenthal eine erste Zollstationeinzurichten.
Deshalb wurde im Jahre 1823 vom Hauptzollamt in Pirna in einem Bauernhaus (der heutigen Gehrisch-Schmiede, damals Haus-Nr. 63) eine erste provisorische Zollstation – ein sogenanntes „Beigeleite“ – eingerichtet.
Dieses Gebäude wurde wahrscheinlich deshalb ausgewählt, weil es günstig an der Einmündung der 1816 erbauten „Winterleithe“ in die damalige alte Dorfstraße und dem Beginn des „Mühlweges“ gelegen war. Jeder, der mit Fuhrwerk aus Böhmen kam oder nach Böhmen wollte, musst dann dort den fälligen Zoll entrichten und sich legitimieren.
Dieses erste „Zoll-Beigeleite“ bestand in diesem Gebäude bis 1885.
Im gleichen Jahr erwarb der Schmiedemeister Robert Gehrisch diese Wirtschaft und richtete dort eine Schmiedewerkstatt ein.
Die Zollstation musste deshalb verlegt werden – man entschied sich für das Haus Nr. 65 b schräg gegenüber der nunmehrigen Schmiede, als damaliger Besitzer wurde ein Wilhelm Böttcher, Zolleinnehmer, genannt. (Heute Adamowicz, Königsteiner Straße 85)
Doch auch dieses Provisorium entsprach bald nicht mehr den Erfordernissen – zu klein, zu beengt – so dass sich die königlich-sächsische Zollverwaltung zu einem völligen Neubau in Rosenthal entschloss.
Als Standort dieses neuen Zollhauses wählte man logischerweise ein Flurstück an der 1864 neugebauten „Schneeberger Straße“ südlich außerhalb des Ortes. Ursprünglich war dieser Neubau noch weiter südlich in Grenznähe zur damaligen österreichisch-ungarischen Grenze der Habsburger Monarchie vorgesehen, aber man entschied sich dann doch für einen übersichtlicheren und gut einsehbaren Platz in Ortsnähe.
Der Architekt Paul Ehmig erhielt den Auftrag, Entwürfe für diesen Neubau zu erstellen.
Einige seiner Entwürfe haben sich im Landeshauptarchiv Schwerin im Nachlass dieses Architekten erhalten, gezeichnet im Februar 1901.
Einige Kopien dieser Entwürfe wurden dem Chronisten in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt.
Nach Fertigstellung dieses imposanten „Nebenzollamtes II. Klasse im Jahre 1903 diente dieses Gebäude dann seiner Zweckbestimmung bis Ende 1938
Eine alte Beschreibung vermerkt, dass in den Jahren ab 1918 nach Gründung eines tschechischen Staates umfangreiche Pass,- Devisen- und Warenkontrollen an den Zollhäusern in Rosenthal und Schneeberg oft erhebliche, manchmal stundenlange Aufenthalte verursachten.
Nach dem erzwungenen und erpressten „Anschluss“ des Sudetenlandes an Nazi-Deutschland im Oktober 1938 entfielen die einstigen Zollstationen beiderseits der einstigen Landesgrenze.
So dienten die noch vor der Besetzung 1938 neu erbauten sogenannten „Zoll-Assistenten-Häuser“ in Rosenthal neben dem „Alten Zollhaus“, vor der Ottomühle (heute Ottomühle Nr. 6, alt Nr. 124 b) und am Ortsausgang von Raum Richtung Markersbach (heute Nr. 14) nur noch kurze Zeit ihrem vorgesehenen Zweck, dann hatten diese „Zollhäuser“ als Kontroll- und Zolleinnahmestationen ausgedient.
Der Begriff „Einnahme“ aber verblieb noch viele Jahre im Sprachgebrauch der Rosenthaler als Kurzbezeichnung für die einstigen Zollhäuser „Altes“ und „Neues Zollhaus“, damals Nr. 90 d, heute Nr. 108. (z.B.: „Ich wohne auf der Einnahme“)