von Hans-Georg Hering
Erstellt von 1837–1848 erschien im Verlag Schmidt in Dresden ein bis heute beeindruckendes geschichtliches Werk – die später so genannte „Alte Sächsische Kirchengalerie“ in 15 Bänden. Der uns hier interessierende Band IV wurde 1840 herausgegeben und beinhaltete „Die Inspektionen Pirna, Altenberg und Dippoldiswalde als fünfte Abteilung“.
Daraus hier nun einige unsere Orte betreffende Auszüge, verfasst vom damaligen Hermsdorfer Schullehrer Franz Eduart Gautsch (Zitat Beginn):
Hermsdorf – in einer romantisch schönen Gegend am Eingang des Bielergrundes. Auf seinen Anhöhen, namentlich vom Bernhardstein sowie von der Jacobshöhe aus, genießt man die reizvollsten Aussichten in das schweizerische Hochland unseres Vaterlandes. Hermsdorf selbst liegt westlich 3 Std. von der Ephoralstadt Pirna, nördlich 1 ¼ Std. von der Festung Königstein. Und 1 ½ Std. südwestlich vom Parochialdorfe Langenhennersdorf, östlich grenzt es an das Dörfchen Reichstein, von welchem es nur durch die zwischen beiden Dörfern hinfließende Bielbach getrennt ist, südlich an das Hammergut Neidberg und Brausenstein.
Hermsdorf soll in früheren Zeiten Hermannsdorf genannt worden sein. Wie viele Orte unseres Vaterlandes litt es auch viel im 30jährigen Kriege, namentlich durch die Schweden und ist der Sage nach, bis auf zwei Wirte entvölkert worden; jedoch nach den Kirchenbüchern läßt sich dieses nicht nachweisen.
Hermsdorf besteht gegenwärtig aus 38 Hausnummern, als: 8 Begüterten, 27 Häuslern, 1 Schulhaus, 1 Gemeinde- und Spritzenhaus und dem Rittergute mit seinen Nebengebäuden, unter dessen Gerichtsbarkeit es gehört. Die Seelenzahl beläuft sich auf 255. Außer dem herrschaftlichen Wohnhause und dem an der Tetschner Straße neu erbauten Gasthause, zeichnet sich kein Haus besonders aus, selbst das Schulhaus, welches vor 18 Jahren erst neu aufgeführt wurde, ist keinesfalls der Zeit und dem Zweck entsprechend eingerichtet. Die Schule wurde erst im Jahre 1815 neu gegründet, obgleich man im Jahre 1774, laut Ephoralakten, damals schon das Bedürfnis verspürte.
| Die Lehrer, die ihr zeitens vorstanden, sind | |
| 1. | R. Knorr, ein weißenfelsischer Seminarist vom 1815–1817 |
| 2. | Müller, von Pirna, von 1817–1822 und |
| 3. | Franz Eduart Gautsch, von Pirna, seit 1822 hier angestellt. |
Legate oder sonstige Vermögen besitzt die hießige Schulkasse nicht. Die Anzahl der Schulkinder beläuft sich gegenwärtig auf 132. Das Schulgeldfixum ist auf 170 Taler festgestellt worden, wovon jedoch der Lehrer von Hermsdorf dem jetzigen Kirchschullehrer zu Langenhennersdorf jährlich 12 Taler als Äquivalent abtreten muß. Eingeschult nach Hermsdorf sind:
| a) | das aus 53 Hausnummern bestehende, Dorf Reichstein, ganz an Hermsdorf anstoßend; ein schriftsäßiges Hammergut, seit längerer Zeit mit dem Rittergut Hermsdorf vereinigt |
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| Vormals befand sich hier eine Eisenschmelzhütte mit Hammer, nur aus 3–4 Häusern bestehend. Als dieses Werk einging, ist nach und nach das dazugehörige Feld, so wie neu urbar gemachter Waldboden, in kleine Wirtschaften verteilt und bebaut; so das man jetzt wo früher nur Wald und Heide wuchsen, freundliche Häuser und Gärten erblickt. Obschon fast zu jedem Hause einige Scheffel Feld gehören, so werden sie doch nur für Häusler gerechnet, und jetzt sind größtenteils alle Holzmacher in den nahen Staatswaldungen. Daher sich auch hier 1 königl. Revierförster und 1 Unterförster befinden. Die Seelenzahl gibt man mit 320 an. |
| b) | Das Hammergut Neidberg, an der Bielbach gelegen, unweit Hermsdorf unterm Amte Pirna, in einem kesselartigen Tale, daselbst der so beliebte Bielgrund seinen Anfang nimmt Es hatte früher einen Hochofen mit Eisenhammer, welcher aber, schon vor mehr als 70 Jahren eingegangen ist. Ferner hat es eine nicht unbedeutende Ökonomie, auch Waldungen und Schäferei; 1 im Jahre 1792 neu erbauten Eisenhammer, dessen Fabrikate oft sehr weit ins Ausland versendet wurden, 1 Hufschmiede, 1 Mahl- und Schneidemühle mit holländ. Graupengange. Hier bei dieser Mühle führt ein Weg nach der Schweizermühle hin. |
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| Die Seelenzahl beträgt ungefähr 20 und |
| c) | Das kleine, aus 11 Häusern bestehende Dorf Brausenstein, ganz von Herrschaftlicher- und Staatswaldung eingeschlossen. |
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| Zu jedem dieser Häuser, deren Besitzer Handarbeit betreiben, gehören einige Scheffel Wald und Feld. |
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| Diese Örtchen gehört zur Gemeinde Hermsdorf und unter die dasige Gerichtsbarkeit. |
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| Brausenstein zählt mit den 2 unten im Bielgrunde befindlichen Häusern, welche auch nach Hermsdorf eingeschult sind, und wo besonders das Füssel‘sche kleine Hammergut mit etwas Feld-, Wiesen- und Waldboden zu bemerken ist und unter die Gerichte zu Langenhennersdorf gehören, ungefähr 60 Seelen. (Zitat Ende) |
Eine Nachbemerkung: Von 1900–1914 erschienen beim Verlag Strauch in Leipzig 25 Bände einer „Neuen Sächsischen Kirchengalerie“.
Der 1837 herausgegebene originale I. Band der alten „Kirchengalerie“ erzielte z.B. bei einer Auktion um 2000 einen Preis von 1400 €.