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Rosenthal-Bielataler Dorfblatt
Ausgabe 4/2026
Klatsche
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Erinnerungen an den DDR-„Landfilm“ in Rosenthal und Bielatal

von Hans-Georg Hering

 

Die zum zweiten Mal nach 1990 erfolgte öffentliche Film-Vorführung im „Kulturpalast" Rosenthal am 7. März diesen Jahres soll hier Anlass sein, uns an die Vorführung des sogenannten „Landfilmes" in der Zeit der DDR in unseren Orten zu erinnern.

Diese Ära oder Tätigkeit des „Landfilmes" in der 1949 gegründeten DDR begann schon 1951.

Die ländlichen Gegenden sollten möglichst auch an den Segnungen filmischer Kultur teilhaben. Die Wochenschau „Der Augenzeuge" übernahm die Verbreitung der sozialistischen Propaganda auf dem Lande vor jedem Hauptfilm.

So wurden zu Beginn der 1950er Jahre erste mobile Trupps mit entsprechender Vorführtechnik auf die Dörfer entsandt.

 

Dies wurde im Allgemeinen von der ländlichen Bevölkerung gern und positiv aufgenommen, brachte es doch eine Abwechslung und Bereicherung in den dörflichen Alltag, der ja meist mit kulturellen Angeboten nicht so reich gesegnet war.

 

  

Wie erwähnt, wurden zu Beginn der 1950er Jahre Filmvorführtrupps, 1953 noch „Brigaden" genannt, in die Dörfer entsandt‘.

Für Rosenthal und Bielatal war damals der Trupp 2, Vorführer ein Herr Hirsch, zuständig – dienstags in Rosenthal und mittwochs im Ort Bielatal waren die Filmvorstellungen. 17 Uhr Kindervorstellung und 20 Uhr das Programm für Erwachsene.

Im Laufe der Jahre änderten sich natürlich die Vorführungstermine mehrmals.

Die Filmvorführungen fanden in dafür geeigneten Räumlichkeiten unserer Orte statt:

In Rosenthal auf dem damals noch vorhandenen Saal des „Erbgerichtes", in der kalten Jahreszeit ab 1959/60 auch im neu ausgebauten sogenannten „Kulturraum" im Erdgeschoss.

In Bielatal wurde auf dem Saal des Gasthofes Reichstein und im Winter in einem Nebenraum der Gaststube vorgeführt.

In den 1970er und achtziger Jahren auch in der Aula der Bielataler Schule bis zu deren Schließung.

 

 

Ab Beginn der 1960er Jahre betreute der für unsere Orte zuständige Trupp 2 mit Vorführer „Mäcky" Steinkraus die Kino-Vorstellungen – sicher ist dieser noch einigen älteren damaligen Kino-Besuchern in guter Erinnerung.

 

 

Auch ein Herr Gräfe war vertretungsweise als Vorführer tätig – aber „Mäcky" war wohl der am nachhaltigsten, weil beliebt, in Erinnerung verbliebene Filmvorführer. Wenn am frühen Nachmittag das Auto mit dem Anhänger, in welchem die Kisten mit Filmprojektoren, Lautsprechern, Leinwand, Stativen und weiterem Zubehör verstaut waren, vor dem „Erbgericht" oder dem Gasthof Reichstein vorfuhr, waren ältere Kinder bestrebt, möglichst beim Aufbau der Vorführtechnik mithelfen zu können.

Auch das Umspulen der Filme von Hand war eine begehrte Tätigkeit, deren Vergabe meist eifersüchtig überwacht wurde – war es doch üblich, dass diese Leistung mit Eintrittsgeld-Erlass honoriert wurde.

Manchmal kam es vor, dass der Film vor nur einer Handvoll Zuschauern gezeigt wurde, auch fielen Vorstellungen mangels Publikum ganz aus, aber selten.

Doch oft waren die Säle auch „proppevoll", vor allem bei „Highlights" aus westlicher Produktion. Jean Marais, Jean Paul Belmondo, Brigitte Bardot, Gina Lollobrigida, Claudia Cardinale, Louis de Funès und Gary Cooper waren neben vielen anderen die Stars der späten 1950er und sechziger Jahre.

Bei Filmen mit ihnen waren die Kino-Vorführungen auch in Rosenthal und Bielatal immer gut besucht. Plakate an den vielen hölzernen sogenannten „Anschlagtafeln" in den Ortsbereichen informierten eine Woche oder 14 Tage vorher über die nächsten geplanten neuen Filme.

In den Kindervorstellungen, Eintritt 0,25 Pfennige! waren damals besonders die wunderschönen sowjetischen Märchen- und Zeichentrickfilme, aber auch die aus einheimischer DEFA-Produktion und Märchen-Filme aus der ČSSR beim kleinen Publikum sehr beliebt.

Natürlich war man bestrebt, zum gesehenen Film auch das entsprechende Filmprogramm, Preis 0,10 Pfennige zu ergattern – „Mäcky" sorgte meist für ein gutes Angebot dieser Blättchen.

Auf diese Weise sind bei mir im Laufe meiner Rosenthaler Kino-Zeit, so um die 1000 Programme des „VEB DEFA-Progress-Filmvertriebes" zusammengekommen, die meisten befinden sich noch heute in meinem Besitz.

Regelmäßig konnte man über viele Jahre diese „Filmprogramme" sogar über die Post abonnieren, Vierteljahrespreis 3,20 Mark der Notenbank, später Mark der DDR. Für Sammler dieser bunten Blättchen eine feine Sache. Die ersten Filmprogramme in den 1950er Jahren hatten noch das kleine Format A5, später dann durchgehend die doppelte Größe A4.

Gern blättere ich noch heute ab und zu in diesen Programmheften – sind sie doch Erinnerung an schöne gemeinsame Filmerlebnisse im Rosenthaler „Erbgericht".

Auch im „WISMUT"-Jugendlager am Schleifersberg fanden während der Hauptbelegungen in den Sommermonaten im Rahmen der alljährlichen „Sommerfilmtage" Vorführungen des Landfilmes statt.

Nach der sogenannten „Wende" 1989/90 wurde natürlich auch, wie so vieles andere, diese einst beliebte und bis zum Schluss trotz der übermächtigen Fernseh-Konkurrenz gern angenommene Dienstleistung des „VEB Progress-Filmvertriebes" für die ländlichen Gemeinden „abgewickelt" – also liquidiert.

Die letzten Landfilmvorstellungen mit „Mäcky" Steinkraus konnten unsere Einwohner noch im Sommer 1990 erleben – dann fiel auch hier „die letzte Klappe" endgültig.

Doch die Erinnerung an vergnügliche, spannende oder aufwühlende Kino-Erlebnisse in Rosenthal und Bielatal konnte man uns damit nicht nehmen!