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Rosenthal-Bielataler Dorfblatt
Ausgabe 6/2020
Klatsche
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Lampertstein und Kohlberg – erste Erwähnungen in alten Flurnamen

von Hans-Georg Hering

ICH, - der „Kohlberg“..., betitelte der ehemalige Reichsteiner Rainer Dörner, heute wohnhaft als „Allround“–Künstler im Ostseebad Ahrenshoop, einen Beitrag in der Sonderausgabe 2019 der Heftreihe „Robie´s Dorfgeschichten“ des Rosenthal-Bielataler Heimatvereines.

Darin leiht er dem „Hausberg“ der Reichsteiner seine Stimme bei der Schilderung der Vergangenheit des heutigen Aussichtsfelsens östlich des OT Bielatal und lässt ihn Erlebnisse und Episoden aus seiner 90 Milliarden Jahre währenden Geschichte zum „Besten“ geben.

Eine kurzweilige fiktive Zeitreise in die Entstehungsgeschichte unserer Heimatregion.

Wann aber wurde „Lampertsstein“ und sein kleiner Bruder „Kohlberg“, einst „Kleiner Lampertstein“ oder auch „Spitzberg/Spitzstein“ genannt, zum ersten Mal nachweisbar auf Landkarten und in der Literatur erwähnt?

Hier der Versuch einer belegbaren Antwort:

Lampertsstein - Im Laufe der Zeit finden wir auf Wanderkarten diesen Namen in unterschiedlichster Schreibweise – mal mit, mal ohne „s“ hinter Lampert (soll ein Besitzer zu Beginn des 16. Jahrhunderts gewesen sein).

Ein erstmaliger Nachweis dieses Namens findet sich in einer Jagdordnung aus dem Jahre 1512, darin „Lampersteyn“ geschrieben.

1589 „Lamperstein“, 1591 „am großen und kleinen „Lamperßstein“, 1592 „grose lamperßstein“ und „Kleine lampers stein“.

Anfang 17. Jahrhundert „grose lamper stein“, 1705 „an kleinen und großen Lamperstein“, 1714 erstmalig die heutige Schreibweise „Lampertssstein“, um 1730 „Lamper St.“, 1778 „Lampers Stein“, 1782 „Lamper Stein“, um 1817 wieder „Lampertsstein“.

Kohlberg – er erscheint 1705 in einem Dokument als „kleiner Lamperstein“. Auf Skizzen des Markscheiders und Kartographen Matthias Öder 1592 als „Kleine lamperstein“, ein Jahr früher „am großen und kleinen Lamperßstein“. Auf der Öder/Zimmermann´schen Karte Anfang des 17. Jahrhunderts als „Klein L.S.“

Mit dieser Bezeichnung war natürlich der „Kleine Lampertsstein“ gemeint, der höhere (443 m), aber vom Umfang kleinere Nachbar des heutigen „Lampertssteines“ (425).

Man hatte früher ein feines Gespür dafür, dass es sich hier nicht um einen Berg, sondern einen Felsen handelte.

Noch Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der heutige „Kohlberg“ als „Kleiner Lampertstein“ bezeichnet.

Das war im Gegensatz zur heutigen Namensgebung auch verständlich, handelt es sich doch um eine Felskuppe aus Sandstein und nicht um einen Berg im landläufigen Sinne.

Albert Schiffner versucht zwar 1840 einen Kompromiss, in dem er von einem „felsigen Spitzberge“ schreibt, aber ohne die Folgerung, dass der Fels eigendlich folgerichtig „Spitzstein“ heißen müsse!

Der heutige Name „Kohlberg“, welchen zwar SCHIFFNER in seinem Reiseführer 1835 schon erwähnt (Zitat):

„Wir nehmen den Weg ... am Abhange des Großen Eichberges hinauf auf ... oder zwischen den Katz- und Müllersteinen hindurch, quer über das eben erwähnte Nebental und am südlichen Abhange des uns rechts bleibenden „Lamper- oder Lampertssteines“ hin, der auch der „Kohlberg“ heißt ...“ (Teilzitat Ende), wurde aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts populär und setzte sich erst Ende des Jahrhunderts endgültig durch.

Sein Name soll Bezug zur einstigen Holzkohlegewinnung in den Wäldern um Reichstein haben, noch 1883 wurde die Höhe „Spitzberg bei Reichstein“ genannt. (Lehmann, S. 173)

Die zwei heute gern aufgesuchten Felsmassive wurden erst sehr spät touristisch erschlossen. Die Ortsgruppe Schweizermühle und Umgebung des Gebirgsvereines hatte im Jahr 1932 Erschließungs- und Erneuerungsarbeiten in ihrem Gebiet vorgenommen. Zu den wichtigsten Arbeiten gehörte die Erschließung und Begehbarmachung der bis dahin wegelosen Lampertsstein und Kohlberg im Staatsforstrevier Reichstein, welche als Aussichtspunkte hergerichtet wurden.

(Quellen: Alte Reiseführer, „Über Berg und Tals“, 1932, Horst Torke: Historische Flurnamen der Sächsischen Schweiz“, linkselbischer Teil. Pirna 2010)