Die 1853 entstandene frühe Aufnahme des Dresdener Fotopioniers Hermann Krone ist eine der ältesten Aufnahmen aus der böhmischen Schweiz und zeigt den „kleinen Prebischkegel“ (auch „kleine Barbarine“ genannt) am sogenannten „Gabrielensteig“ beim „Prebischtor“
von Hans-Georg Hering
Im Heft Nr. 4/2021 unseres „Dorfblattes“ stellte ich den ersten Teil eines Beitrages des Lehrers Sigfried Störzner, Dresden, welchen er in der „Sächsischen Elbzeitung mit Königsteiner Anzeiger“ im August 1941 veröffentlichte, vor.
Dieser zweiteilige Artikel behandelt die Geschichte der „Barbarine“ am Pfaffenstein. Im „Dorfblatt“ 4/21 ging es um die verschiedenen Namensgebungen für die „Barbarine“ vergangener Zeiten. Heute nun weiteres Wissenswertes um eine der bekanntesten Felsnadeln der Sächsischen Schweiz:
Ein Kuriosum zur Barbarine erregte schon 1904 Aufmerksamkeit: Denn schon ein Jahr vor der Erstbesteigung der Felsnadel 1905 schaute der später weithin bekannte Natur- und Bergsportfotograf Walter Hahn aus Dresden bereits in die Zukunft der Barbarine und schuf eine überaus witzige und skurrile Karikatur des Felsens, die von Überspitzungen nur so wimmelte – heute würde man es daher wohl ein „Wimmelbild“ nennen!
Titel dieses verrückten Bildes: „Die Besteigung der Barbarine im Jahre 1910“
Ein Massenbetrieb skurriler Gestalten am und um den Felsen, alle wollten irgendwie dort hinauf, egal wie und ob sie dazu überhaupt in der Lage waren. Gefahren lauerten überall.
Diese vielen Figuren, die um die Barbarine herumwuseln, sind alle samt schräge Typen. Sogar an die heute angesagte neue Trendsportart „Slackline“ hatte der Visionär Hahn damals schon gedacht – ja selbst ein Luftschiff kam schon zum Einsatz. Auch eine „Knochen- und Schädel- Reparaturwerkstatt war vor Ort!
Den wenigsten unserer Leser dürfte die Tatsache bekannt sein, dass der Name „Barbarine“ und davon abgeleitete Namensformen in der sächsischen und böhmischen Schweiz mehrfach auftauchen und vorhanden sind:
So gibt es eine „Kleine Barbarine“ in den Brandwänden, ebenfalls einen Kletterfels in der Nähe der „Hafersäcke“, desweiteren eine „Barbarine“ oder auch „Urne“ am „Gabrielensteig“ des „Prebischtores“ und schließlich noch die „Winterbergbarbarine“ oder „Mittelwandspitze“ zwischen dem „Frienstein“ und „Kleinem Winterberg“.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass im Böhmischen Mittelgebirge eine Sage kursiert, die der Sage von der „Pfaffensteiner Jungfer“ oder „Barbarine“ ähnelt: Zwischen Tetschen und Großprießen mündet der „Schmitzabach“ bei Tichlowitz in die Elbe. Durch sein enges Tal konnte man zu dem vielbesuchten „Zinkenstein“ mit seinem Berggasthaus hinaufsteigen. In einem kleinen Seitengrunde dieses Baches stand eine 10 m hohe Basaltsäule, die auffallend einer menschlichen Gestalt ähnelt. Das einfache Volk nannte sie „die Babe“ oder „das steinerne Erdbeermädchen“. Es soll eine leichtfertige Dirne gewesen sein, die von der Grußmutter verflucht und in jene Säule verwandelt wurde…
Da schon vor über hunderten von Jahren, wie der Volksmund zu berichten weiß, die jungen Mädchen lieber mit ihren Liebsten hinaus in den Wald statt in die Kirche gegangen zu sein scheinen, fügte Carl Merkel seiner Beschreibung der „Berberine“ folgenden Schluss an (Zitat): „Sollten in unseren Zeiten alle jungen Schönen, die von ihren Müttern in die Kirche geschickt wurden, aber selbige umgehen, zur Strafe in solche steinerne Berberinen verwandelt werden, so würde man in mancher Gegend vor lauter Berberinen kaum mehr fortkommen können!“
Unweit der Pfaffensteiner „Barbarine“ findet sich die Felsgestalt des „Försters“, auch „Försterkopf“ genannt. Sie wird gern von Kletterern bestiegen.
Die Volkssage weiß auch hier zu berichten, dass auch Barbaras Herzallerliebster von der hartherzigen Mutter zu Stein verwandelt wurde. Ein schmucker Försterbursche sei er gewesen, dem zuliebe die Pfaffendorfer Jungfer den Gottesdienst geschwänzt und somit die Mutter hintergangen habe.
„Wenn es allen so sollt‘ gehen –
da möcht‘ ich mal die Förster sehn!“
Da übrigens laut Sage Barbara unter Blitz und Donner zu Stein verwandelt wurde, sei hier erwähnt, dass die „Pfaffensteiner Jungfer“ tatsächlich einmal vom Blitzstrahl getroffen wurde, wie die Chronisten berichten. Und zwar geschah dies‘ im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Der Blitzeinschlag zerschmetterte damals das sogenannte „Handkörbchen“ der Barbarine.
Nun noch einiges Wissenswertes aus der Besteigungsgeschichte der kühnen Felsnadel:
Nach mehreren missglückten Versuchen wurde sie am 19. September 1905 von zwei bekannten Pionieren unseres heimischen Bergsports bezwungen – von dem damaligen Studenten Rudolf Fehrmann aus Dresden, der später den bekannten Kletterführer „Der Bergsteiger im sächsischen Felsengebirge“ verfasste und dem Amerikaner Oliver Perry Smith, einer wahren Hühnengestalt, von der man sich wahre Wundergeschichten erzählte. Mit dieser Bezwingung des Felsens im Jahre 1905 war die erste sportliche einwandfreie Besteigung gelungen.
1921 wurde die 100. Besteigung durchgeführt. Dazu gab es einen tragischen Anlass: Die 99.Führung hatte den Gipfel erreicht und man war bereits wieder am Abstieg, als beim Abseilen dem Ersten das Seil riss und er in die Tiefe stürzte. Es war ein Todessturz, hat doch die Barbarine eine Talseite von 60 m Höhe. Der Verunglückte hieß Srubel und war aus Königstein. Seine Weggefährten oben auf dem Gipfel waren nun ohne Seil und konnten den Abstieg erst antreten, nachdem ein zufällig in der Nähe weilender Bergsteiger zu ihnen aufgestiegen war.
Nach jahrelangem Bemühen der besten sächsischen Bergsteiger glückte am 8.Juli 1924 auch die Durchsteigung der Talseite an der Barbarine. Dieser äußerst schwierige Aufstieg erhielt den Namen „Kesseltürmerweg“ nach dem Club seiner Bezwinger.
(Quelle zu Textbeginn benannt)