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Rosenthal-Bielataler Dorfblatt
Ausgabe 8/2026
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„Alles für das Land“ – Vor 70 Jahren: Rosenthal erhielt ein KONSUM-Landwarenhaus

22. Juli 1956 – Rohbau des KONSUM-Landwarenhauses (Mit Kutsche Bäckermeister William Fischer)

KONSUM-Umsatzwertmarken, eingeführt am 1. Januar 1954

von Hans-Georg Hering

Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums der Eröffnung des KONSUM-Landwarenhauses Rosenthal im Spätsommer 1956 soll zu Anfang ein kurzer Excurs in die KONSUM-Geschichte stehen – notwendig deshalb, da ich in verschiedenen Gesprächen feststellen musste, dass bei der heutigen jüngeren Generation oft die Meinung auftritt, der KONSUM sei eine Erfindung der DDR aus ihre Anfangszeit!

Deshalb hier zu Beginn meines Rückblickes eine diesbezügliche Richtigstellung:

Die Anfänge einer konsumgenossenschaftlichen Bewegung reichen zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts und nahmen ihren Anfang auch nicht in Deutschland – der erste KONSUM-Laden wurde am 21. Dezember 1844 in der kleinen Stadt Rochdale nahe dem englischen Manchester eröffnet! Dieser erste Laden ist heute als Museum zu besichtigen.

Von da ab begann diese Genossenschaftsbewegung ihren Siegeszug durch Europa – in Sachsen gründete sich in Chemnitz 1850 ein erster „Spar- und Consumverein“. 1920 gab es in Deutschland schon über 1000 KONSUM-Genossenschaften mit Millionen von Mitgliedern.

In Hermsdorf oder Reichstein wurde Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrh. eine erste „Consum“-Verkaufsstelle erwähnt.

Nach dem II.Weltkrieg eröffnete die KONSUM-Genossenschaft Kreis Pirna am 1.Mai 1946 eine erste sogenannte „Verteilungsstelle“ mit der Nr. 36 in Bielatal A (Hermsdorf) Nr. 36! Die Erlaubnis wurde erteilt zum Verkauf von Lebensmitteln, Spirituosen und Branntwein sowie gewerblichen Gebrauchsgütern. (Heute Talstraße 17)

Erste Leiterin dieser neuen Einrichtung war ein Fräulein Annelies Güttler, ihr folgte 1950 Rudolf Höhle als Verkaufsstellenleiter. 1961 erfolgte die Umwandlung in eine Textil-Verkaufsstelle mit der Nr. 542.

Weitere KONSUM-Läden öffneten in den Folgejahren in Bielatal, so im ehemaligen Lebensmittelgeschäft Luger an der Bergstraße, gleich daneben die KONSUM-Fleischerei (ehem.Rehn/Hauswald), an der Talstraße Nr. 24 neben dem HO-Geschäft ein kleiner, vorher privater Textilladen. In Reichstein, damals noch OT C, in der einstigen Fleischerei Hantzsch und ein Lebensmittelgeschäft im ehemaligen Gasthaus Hille.

Auch das Örtchen Raum erhielt sein KONSUM-Lebensmittel-Lädchen.

In Rosenthal gab es noch Mitte der fünfziger Jahre mehrere über den gesamten Ort verteilte, meist private kleine Geschäfte und Läden – hier hatte der KONSUM noch nicht Fuß gefasst.

Einkaufs- und Versorgungseinrichtungen in Rosenthal um 1954/55:

1.

Lebensmittel, Getränke im Gasthaus „Fosthaus“, Fam. Mehnert

2.

Lebensmittel, Genußmittel im Gasthof „Zur Linde“, Fa. Müller

3.

Schuhhandel Käte Preibisch

4.

BHG-„Bauernladen“

5.

Fleischerei Max Kleind

6.

Bäckerei Martin Rumpelt

7.

Nahrungs- und Genußmittel, Drogen, Häberlein/Knöschke am Dorfplatz

8.

Lebensmittel, Kurt Bernhard

9.

Gärtnerei, Kurt Hering

10.

Bäckerei, Willi Fischer gegenüber Freibad

11.

Fleischerei, Willy Kaiser

12.

HO-Lebensmittel im ehemaligen Gasthaus Rockstroh

1953/54 fassten die Gemeindevertreter unter Bürgermeister Ewald Stange den Entschluss, den Bau eines zentralen „Landwarenhauses“ anzugehen.

Verhandlungen mit dem KONSUM wurden aufgenommen, zumal dieser auch schon Interesse bekundet hatte – als eventueller Standort wurde das Flurstück Nr. 19 a in der Ortsmitte vorgesehen, welches Gemeindebesitz war und auf dem das ohnehin zum Abriss vorgesehene sogenannte „Kutzner-Häus’l“, ein altes Haus aus dem 18. Jahrhundert, stand. (Haus-Nr. 54).

1953 stellte der Leiter der Rosenthaler Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG) Fritz Müller, den Antrag, auf diesem Gelände für das beengte Provisorium im Hinterhaus der Wirtschaft von Arno Damm am Beginn des „Mühlweges“ ein neues BHG-Gebäude mit Büro, Wohnung und Lager zu errichten. Die Gemeinde lehnte dieses Ansinnen wegen angeblich zu erwartender „hoher Staubbelastung“? ab. (Da war der Landwarenhausbau wahrscheinlich schon vorgesehen.)

Stattdessen bekam dann der „KONSUM-Genossenschaftsverband Kreis Pirna EGMBH, Konsumgenossenschaft Königstein“, den Zuschlag.

Am 12.01.1956 teilte der KONSUM dem Rosenthaler Gemeinderat in einem Schreiben mit (Zitat): „Die Projektierung des Objektes ist nunmehr abgeschlossen. Der Rat des Kreises Pirna hat dem Baugeschäft Kaiser (Inh. Kurt Sattler) die Durchführung des Baues zugewiesen“ (Zitat Ende)

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Baugenehmigung für das „Bauvorhaben – Neubau eines „Landwarenhauses in Rosenthal, Flur Rosenthal, Flurstück Nr. 19 a auf Grund des Bauantrages vom 13. Januar 1955“ wurde am 14. Februar 1956 erteilt aber. „Die Zuteilung von Baustoffen ist nur im Rahmen der dem Rat des Kreises zugeteilten Kontingente möglich“.

Der an der Zufahrt zu Grundstück Kurt Küchler oberhalb der geplanten Baustelle gelegene Kohlenlagerplatz und Ausgabestelle sollte eventuell verlegt werden, falls dies die Hygiene-Inspektion fordern sollte (Staubbelastung!) Wie wir wissen, konnte diese Kohlenausgabestelle noch viele Jahre weitergenutzt werden.

Der „Kohlen-Claus“ aus Königstein/Hütten, welcher hier eine Ausgabe- und Auslieferungsstelle betrieb, wird den älteren Rosenthalern noch in Erinnerung sein.

Die Projektierungs- und Bauzeichnungen wurden 1955 von dem Dresdener Architekten Dipl.Ing.R. Jahn eingereicht und von der Staatlichen Bauaufsicht beim Rat des Kreises Pirna bestätigt und für eine „Ingebrauchnahme für zulässig erklärt“.

Und so konnte im März 1956 der Bau des Großobjektes in Rosenthal im Rahmen des „Nationalen Aufbau-Werkes“ (NAW) beginnen.

Zuvor musste ein quer über das Grundstück verlaufender Graben verrohrt werden, für die geplante Einleitung der „Hausschmutzwässer“ in den Dorfbach bedurfte es noch einer besonderen wasseramtlichen Erlaubnis, auch der Bau eines „Fettabscheiders“ wurde „ausdrücklich vorbehalten“.

Der am Sonntag, dem 22.Juli 1956 durchgeführte große Festumzug anlässlich der 600-Jahr-Feier von Rosenthal führte schon am Rohbau des künftigen Landwarenhauses vorbei.

 

 

 

 

 

 

Ende August oder Anfang September 1956 war es dann endlich soweit – die moderne ländliche Einkaufsstätte konnte von den Rosenthalern in Besitz genommen werden.

 

 

 

 

Neben der rechts vom Eingang befindlichen Lebensmittelverkaufsstelle konnten die Kunden im linken Gebäudeteil Textilien, Haushalt- und Industriewaren, Kleider, Schuhe und Bücher erwerben, auf Bestellung auch elektrische Geräte wie Waschmaschinen und Kühlschränke, auch Fahrräder und sogar Mopeds.

 

 

 

  

 

(Quellen: Gemeindearchiv; Chronik über Rosenthal, Band IV (Hering), mündliche Auskünfte)