In vielen Jeßnitzer Haushalten hängt jetzt das erste Blatt unseres Geschichtskalenders mit dem alten „Kühlen Morgen“, den niemand mehr in dieser Form gesehen hat. Trotz verschiedener Namen und Besitzverhältnisse war er für uns Jeßnitzer immer der „Kühle Morgen“, an den sich viele Erinnerungen knüpfen.
Diese Gaststätte mit ihrem Vereinsraum, der Gaststube und dem Saal mit Bühne war ein kulturelles Zentrum unserer Heimatstadt. Vereine und Parteien führten hier Versammlungen, Ausstellungen und Bälle durch. Die BSG Chemie Jeßnitz, Abteilung Turnen, lud jedes Jahr am Karfreitag zum Schauturnen ein, und die Jeßnitzer Schulen zu gut besuchten Aufführungen.
Ich persönlich erinnere mich an das Märchen „Schneewittchen“, das wir mit unserer Klassenlehrerin Frl. Sacher mit viel Eigeninitiative in der 4. Klasse im Jahr 1958 einstudierten und auf der Bühne aufführten. Ebenso erinnere ich mich an die Szenenfolge „Jeßnitzer Weihnacht“ unter der Regie von Lehrer Hoffmann. In der Kulisse des Jeßnitzer Marktplatzes ließ er als Herr Wind die Schneeflocken tanzen und hauchte im Spielzeugladen den Puppen Leben ein. Das abschließende Gedicht „Die zwölf Lichter“ enthielt die Zeile:
„7. Licht, du leucht der Einheit – Deutschlands Einheit leuchte Licht.“
Aufgrund dieser Zeile wurde das Gedicht später nicht mehr rezitiert. Bis wir die Einheit erleben durften, sollten noch viele Jahre ins Land gehen.
Aber auch der erste Ball, den ich mit meinen Eltern besuchen durfte, fand im „Kühlen Morgen“ statt. Als die Beatles-Welle auch die kleineren Orte der DDR erreichte und die „Shatters“ aus Leipzig im Aussehen und in der Besetzung die Beatles imitierten, strömten wir im Alter von 15 bis 16 Jahren hierher zum Twist-Tanzen.
So hat sicher jeder Jeßnitzer Erinnerungen an dieses Haus. Wenn Sie diese teilen möchten oder sogar Fotos besitzen, kommen Sie doch zu einer unserer Zusammenkünfte. Wir treffen uns jeden Monat am zweiten Mittwoch um 18 Uhr in unseren Vereinsräumen, Hauptstraße Ecke Schlossstraße.