Wieder einmal brachte eine Entrümpelungsaktion einen überraschenden Gegenstand zutage – meinen alten Puppenstubenherd –, an den sich viele Erinnerungen knüpfen. Der Herd stammte von meiner Mutter und ist somit über 100 Jahre alt. Er wurde mit Spiritus befeuert und hatte drei Kochstellen. Als Kinder wurden wir angewiesen, mit großer Vorsicht zu arbeiten. Mit meiner Freundin Renate begannen wir, zahlreiche Gerichte – von der Tütensuppe über Spiegelei bis hin zu kleinen Thüringer Klößen mit Bratensoße – voller Begeisterung zuzubereiten. Hier lagen die Anfänge meiner Kochkünste.
Als unsere Kinder in den 70er-Jahren in das Puppenküchenalter kamen, kaufte ich ihnen einen modernen Elektropuppenherd. Zu meiner Enttäuschung reichte die Leistung der Kochplatte gerade so für Tütensuppen.
Als ich nach der Wende für unsere Enkelin eine Puppenküche kaufen wollte, war ich begeistert vom Angebot: farbenfroh, umfangreiches Zubehör, Herd mit Backröhre, Geschirrspüler, Lichter und Sound – einfach überwältigend. Auf meine Frage nach der Leistung der Kochplatten – schließlich sollten ja mehr als Tütensuppen gekocht werden – erhielt ich einen verständnislosen Blick der Verkäuferin und die Frage: „Was meinen Sie mit Leistung?“ Nach meiner Erklärung erwiderte sie: „Das ist doch alles nur zum Spielen und nicht funktionstüchtig.“ Ich bedankte mich und verließ das Geschäft mit 100 € im Portemonnaie, die ich NICHT ausgegeben hatte.
Zum Glück haben unsere Kinder und unsere Enkelin auch ohne einen funktionstüchtigen Puppenherd kochen gelernt.
U. Folta