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Amtsblatt der Stadt Wettin-Löbejün mit den Ortsteilen
Ausgabe 2/2026
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Internationale Carl-Loewe-Gesellschaft

„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“

Sehr geehrte Leserinnen und Leser des Amtsblattes,

Sie alle kennen dieses Sprichwort. Sehr oft erkennen wir an den Nachfahren, was sie von ihren Vorfahren mit auf den Weg bekommen haben.

Bei Carl Loewe war das nicht anders. Ohne seine Eltern, so unterschiedlich sie in ihrer Art gewesen sein mögen, wäre er nicht zu dem großen Meister der romantischen Musik geworden.

Dazu lohnt sich ein Blick in seine Selbstbiographie. Dort schreibt er selbst über die Abendstunden in der Wohnstube: „Wenn … die Mutter … still geworden war und mich fester an ihre Kniee drückte, dann pflegte ich auch zu bitten: ‚Mama, nun spiele noch etwas,‘ dann nahm sie lächelnd die Violine, mit der mein Vater in der Schule den Gesang leitete, und spielte auf ihr die schönsten Melodien. Ach wie diese Melodien sich mir aussen im Mondschein belebten. Nie hatte sie Unterricht im Violinspiel gehabt, doch sang ihr Ton mir so tief in das Herz hinein!“

Loewes Tochter Julie hat aus dem Gedächtnis einige Zeichnungen mit Bleistift zu Papier gebracht. Sie sind im Original im Carl-Loewe-Museum anzuschauen. Die Zeichnung hier zeigt das Leben im Wohnzimmer der Familie. Die Mutter deckt den Tisch. Der Vater genießt mit einem Pfeifchen den Feierabend. Und der junge Carl trägt wohl vor, was er am Tag gelernt hat.

Und weiter heißt es in Loewes Aufzeichnungen: „Die Mutter war sehr ernst, nie lustig, aber stets gleichmässig liebevoll, dabei geschäftig. Der Vater dagegen war oft verstimmt und launig, besonders in der frühen Morgenstunde. Späterhin und für den übrigen Theil des Tages wurde er munter, ja lustig. Während ich ihm in der Morgenstunde nichts recht machen konnte, … ging er heiter zu Tisch und sprach viel über seinen glücklichen Hausstand. Am Nachmittage ging er auf das Feld, wo er witzig und scherzend, mit Kraft und Fleiss im Schweisse seines Angesichts arbeitete.“

Und mit dem Anbruch des Abends wendete sich das Blatt abermals: „Mit dem Abend … kam des Papas rosenfarbene Laune; er erzählte viel aus seiner Jugend, nie ohne für uns die gehörige Nutzanwendung zu ziehen, und entfaltete dabei eine grosse Lebensklugheit. Um diese Zeit rauchte er die einzige Pfeife, die er sich am Tage gestattete“.

Viele wichtige Erfahrungen und Werte haben die Eltern Eleonora und Andreas ihrem Sohn Carl mit auf den Weg gegeben. Das war die Basis, auf der er sich zu einem großen Komponisten, Musiker und Lehrer entwickeln konnte.

Die Mutter Eleonora (geb. 1752) war die Tochter eines Windmüllermeisters aus Kaltenmark. Der Vater seines Vaters Andreas (geb. 1747) war Grenadier und hatte 1746 die Tochter eines Salpetersieders aus Könnern geheiratet. Die Eltern heirateten 1775 in Löbejün. Ihnen wurden in den ersten zwanzig Jahren ihrer Ehe zwölf Kinder geschenkt. Einige von ihnen starben allerdings schon kurze Zeit nach ihrer Geburt. Beide Eltern starben im Jahr 1826, also vor 200 Jahren, in Löbejün. Die Mutter am 8. Januar, der Vater am 1. Dezember.

Dr. Henry Joachim Kühn, anerkannter Heimatforscher und ehemaliger Ehrenpräsident unserer Gesellschaft, hat das alles und noch viel mehr in seinen Schriften über Carl Loewe sorgfältig recherchiert und aufgezeichnet.

Lassen Sie sich herzlich einladen, sich im Carl-Loewe-Museum auf die Spuren des großen Sohnes unserer Stadt zu begeben.

Im Auftrag des Präsidiums der Internationalen Carl-Loewe-Gesellschaft
Frieder Badstübner
Vize-Präsident