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Amtsblatt der Stadt Wettin-Löbejün mit den Ortsteilen
Ausgabe 9/2024
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Altstadt Wettin e.V.

Frisches Bier aus der Brauhausgasse 4

Ja, wo denn sonst sollte man das Wettiner Brauwesen wieder aufleben lassen, wenn nicht in der Brauhausgasse. Das Brauen war in Wettin über Jahrhunderte ein wichtiger Erwerbszweig. Der Hopfenanbau ist seit 1286 nachgewiesen, das Malzmachen seit 1457 und das eigentliche Braugewerbe immerhin seit 1476! Seinen Höhepunkt hatte das Brauwesen zwischen 1620 und 1690 mit dem weitberühmten und gepriesenen Keuterling. Und auch danach wurde in Wettin gebraut. Tatsächlich schloss die letzte Brauerei in Wettin erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Gebraut wurde nicht nur in der Brauhausgasse, die übrigens erst nach 1860 so benannt wurde. Vielmehr standen die drei ältesten bürgerlichen Brauhäuser am Markt. Erst mit der Einführung des so genannten Broihans gegen 1730, wurde ein Brauhaus in der heutigen Brauhausgasse errichtet. Dieses Brauhaus stand an der Stelle der heutigen Gelben Schule, die gegen 1831 als streng separierte Knaben- und Mädchenschule errichtet wurde.

Im Gegensatz zum Keuterling und dem Wettiner Braunbier, welche aus reinem Gerstenmalz (und selbstverständlich Wasser und Hopfen) hergestellt wurden, verwandte man für den Broihan Weizenmalz. Diese Biere waren sämtlich obergärig – anders ging es in den damaligen Zeiten nicht, denn für das untergärige Brauen, braucht es konstante Temperaturen um die 5° Celsius.

Und so ist denn auch der jüngste Brauversuch durch den Altstadt Wettin e.V. nur mit freundlichster Unterstützung der obergärigen Hefen (und nebenbei bemerkt durch Förderung durch Revierpionier und Beqisa) gelungen. Ende Mai traf sich eine kleine Gruppe Enthusiasten und braute in der neu eingerichteten Küche der Brauhausgasse 4/5 zwei Biersorten. Die Stammwürze betrug bei Ansatz ca. 14 °Plato. Nach gut zwei Wochen Gärung in zwei 20-Liter Behältern, wurde das Jungbier bei einer Stammwürze von ca. 6° Plato in Flaschen abgefüllt. Seitdem gärt es in den kühlen Kellergewölben der Brauhausgasse 4 nach und produziert neben etwas Alkohol vor allem Kohlendioxid. Und ehe Fragen aufkommen: Selbstverständlich wurde das Ganze auch verzollt! Die Biersteuer ist fast so alt wie das Bier, weshalb wir hier historisch höchst präzise waren.

Eine erste Beprobung des fertigen Produktes im Rahmen des Altstadt Wettin e.V. erbrachte ein durchaus beachtliches Ergebnis. Die leichte Süße spricht für einen unterdurchschnittlichen Alkoholgehalt vielleicht um die 4 Prozent. Der Geschmack wurde einhellig als außerordentlich gut befunden! Seitdem sind nun einige Wochen vergangen und die Nachgärung dürfte langsam zum Abschluss kommen. Und nun die entscheidenden Fragen: Kann man das Bier kosten? - Ja! Wann? - Am Tag des offenen Denkmals (8. Sept. ab 14.00 Uhr). Wo? - Nur in der Brauhausgasse 4/5! Wie? - kostenfrei als Kostprobe (nur in kleiner Menge und solange der Vorrat reicht).

Natürlich sind auch alle Nichtbiertrinker bzw. Autofahrer herzlichst zum Tag des offenen Denkmals in die Brauhausgasse 4/5 eingeladen. Wir bieten ab 14.00 Uhr etwas Kaffee und Kuchen samt Klaviermusik an. Ach ja: Und wer nicht nur geistige Getränke mag, sondern auch etwas für die geistige Bildung tun möchte, kann sich einen kleinen Vortrag zum Wettiner Münzschatz anhören (ab 15.00 Uhr).

Frank Dobberstein
für den Altstadt Wettin e.V.