Sagenumwoben ist das kleine Inselchen westlich der Historischen Schlackenhalde in Rothenburg an der Saale allemal... Aber warum ist es "WILD"?
Bezieht sich "WILD" auf die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Rothenburger das Gehölz als ihren Vergnügungsort zu schätzen wussten und "WILDE" Feste feierten? Berichtet wird von fröhlichen Buschbällen auf der Tanzfläche des Biergartens, Osterfeuern, Pfingstspielen und unvergesslichen Konzerten, von Badefreuden in der Badeanstalt am dortigen Saaleufer, die gleichfalls als Trainingsterrain der Rothenburger Wasserballmannschaft diente, und nicht zu vergessen vom Stell-dich-ein der Liebespaare.
Oder meint "WILD" jenes schauerliche Femegericht des Mittelalters, dessen Urteil genauso spontan wie bedingungslos fiel, dessen unheimlicher Femestein sich inmitten einer aus Bruchsteinen errichteten halbrunden Grotte im Dickicht aus Bäumen und Buschwerk am Zipfel der Insel befindet, gleichermaßen gruselig wie furchteinflößend?
Vielleicht beschreibt "WILD" aber eher die üppigen natürlichen Bedingungen, den Mix aus riesigen Bäumen und undurchsichtigem Gesträuch? Der Ortschronist Pfarrer Wilcke meint, "...das kleine angenehme Hölzchen" ziere das tiefe Tal, es bestehe aus Eichen, Weiden, wilden Obstbäumen, Rüstern, Akazien und dichtem Hasel-, Birken- und anderem Buschwerk, aus dem hier und da ein Weinstock an den ehemaligen Weinanbau erinnere - ein WILDES Durcheinander der Natur...war das der Namensgeber?
Auf die Suche nach einer Antwort begaben sich am Samstag, dem 29.08.2026, 15 wissensdurstige Wanderer. Die Gruppe wurde unter der bewährten sach- und fachkundigen Leitung von Dr. Oliver Arndt, Mitarbeiter des Naturparks "Unteres Saaletal", geführt. Die Wanderung führte von der Alten Schule, entlang der Friedensstraße über die Fähre nach Brucke, von dort zur Rothenburger Schleuse hinüber zum Wilden Busch, auf dem gleichen Weg wieder zurück, hinauf auf den Saalberg zum Volleyballturnier der Jumbos.
Und das Ergebnis?
Zum Wilden Busch führt ein angenehm zu laufender Weg, der über die gesamte Strecke immer wieder wunderschöne Blicke auf die rostrote Felsenkette und das Dorf darin bietet.
Der unmittelbar hinter der Schleuse liegende Teil des Wilden Busches ist bewirtschaftet, was aber den Wanderer nicht behindert. Im Anschluss erwartet den Besucher ein romantisches Fleckchen Erde - ganz WILD im Sinne von unberührt, naturbelassen, wildwachsend, frei. Über Stock und Stein gelangt der Spaziergänger schließlich an den versteckten, geheimnisvollen Ort des Femegerichts. Zu sehen ist ein Stein aus Sandstein in der Form einer unregelmäßigen Platte (200x180x30), der am Ende spitz zuläuft und flach auf drei Steinen liegt. Dieser Menhir von Rothenburg wurde in die Denkmalfachliteratur des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen - Anhalt aufgenommen.
Der Wilde Busch ist ein Paradies für Naturliebhaber. Er lädt zum Verweilen oder Picknicken ein und dürfte auch in heutiger Zeit ein verschwiegenes Plätzchen für so manches Pärchen sein.
Für diese interessant geführte Wanderung sei dem Wanderleiter Dr. Oliver Arndt herzlichst gedankt.