Stefan Hermann (stellv. Bgm. Bitterfeld-Wolfen), Matthias Egert (bgm. Zörbig), Ministerin Hüskens sowie Steffi Syska (Bgm. Sandersdorf-Brehna)
Am 19. Februar stellte Infrastrukturministerin Dr. Lydia Hüskens gemeinsam mit Andy Neuschulz (Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt) und Bürgermeister Matthias Egert im Zörbiger Schloss die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Bahnstrecke Bitterfeld–Zörbig–Stumsdorf („Saftbahn“) vor. Die große Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zeigte das hohe Interesse an dem Projekt.
Die vom Land Sachsen-Anhalt beauftragte Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Reaktivierung und Elektrifizierung der Gesamtstrecke wirtschaftlich sinnvoll sein kann.
Investitionskosten: rund 130 Millionen Euro
Förderkulisse: bis zu 90 Prozent Bundesförderung über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz
Voraussetzung: ein Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) deutlich über 1,0
Ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis wurde ausschließlich für die Variante ermittelt, bei der die Strecke vollständig reaktiviert wird und die S-Bahn-Linie S2 stündlich von Leipzig über Bitterfeld, Zörbig und Stumsdorf bis nach Köthen verlängert wird.
Voraussetzung für die Attraktivität der Strecke seien laut Gutachtern:
eine Elektrifizierung der Gesamtstrecke
eine Streckengeschwindigkeit von mindestens 80 km/h
Geplant sind neue Verkehrsstationen am Chemiepark Bitterfeld, in Sandersdorf, Großzöberitz und Zörbig.
Ministerin Hüskens betonte, dass es sich um das erste Reaktivierungsprojekt in Sachsen-Anhalt seit Streckenschließungen handele, bei dem man auf Grundlage wissenschaftlich belegter Zahlen fest davon ausgehe, dass sich eine Wiederinbetriebnahme lohnen könne.
Gleichzeitig unterstrich sie die finanzielle Verantwortung: Eine Umsetzung komme nur infrage, wenn das Nutzen-Kosten-Verhältnis klar über 1 liege. Angesichts veränderter Mobilitätszahlen im Personenverkehr gehe das Land sehr sorgfältig in die Bewertung.
Der Fokus der Studie liege klar auf dem Personenverkehr. Maßnahmen zum Lärmschutz seien bereits Bestandteil der Untersuchung und im Rahmen der Bauleitplanung verankert; die Verantwortung liege beim Streckenbetreiber.
In der anschließenden Diskussion wurden insbesondere folgende Aspekte angesprochen:
Standortstärkung und bessere regionale Verflechtung im Vordergrund
Generationenfrage: Jüngere Menschen könnten sich zunehmend keinen Führerschein mehr leisten, während ältere Generationen stärker am Individualverkehr orientiert seien
Chancen zur Lösung möglicher Belastungen für Anwohner im Zuge der Planung
Bürgermeisterin Steffi Syska hob die grundsätzliche Attraktivität der Region hervor und bezeichnete die Reaktivierung als „letztes Fünkchen“, um die Entwicklung weiter voranzubringen. Ministerin Hüskens bedankte sich ausdrücklich für dieses positive Signal.