Der Tag der Archive ist aller zwei Jahr ein wichtiger Anlass, die vielen Facetten der Archivarbeit sichtbarer zu machen. Besonders in einer kleineren Kommune wie Sandersdorf-Brehna, in der das archivische Fachpersonal begrenzt ist, ist es von großer Bedeutung, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Rolle der Archive zu schärfen. Archive sind nicht nur Aufbewahrungsorte für historische Dokumente, sondern auch ein essenzieller Bestandteil unserer gesellschaftlichen und kulturellen Identität. Dieser Tag hilft dabei, den Zugang zur Geschichte zu erleichtern und das Vertrauen in die Arbeit des Archivs zu stärken.
So beteiligte sich auch das Stadtarchiv Sandersdorf-Brehna am diesjährigen bundesweiten Tag der Archive am 07.03.2026 mit einem thematischen Angebot im Mehrgenerationentreff im OT Sandersdorf: KofferGeschichte(n).
„Als One-Person-Archiv (OPA) bin ich stark auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen, da die personellen Ressourcen des Stadtarchivs sehr begrenzt sind. Diese Hilfe erstreckt sich über viele Bereiche der Archivarbeit und ist oft ein ständiges „Geben und Nehmen". Besonders die verschiedenen Veranstaltungen der letzten Jahre stießen auf große Resonanz: „Wir wünschen uns mehr davon!". Dieser Wunsch nach mehr Kultur und Wissen über die Heimat ist für mich eine wertvolle Bestätigung der Arbeit im Archiv.
Die Herausforderung für mich bestand darin, den Tag der Archive so zu gestalten, dass er für die Besucherinnen und Besucher spannend bleibt und gleichzeitig keinen erheblichen zusätzlichen Aufwand oder Kosten verursacht. Nach Überlegungen, das Thema „Alte Heimat – neue Heimat" mit Archivmaterialien zu Flucht und Vertreibung zu verbinden, entschloss ich mich letztlich, ein anderes Konzept zu wählen: „Früher und Heute". Dabei sollten die Interessierten nicht nur etwas über vergangene Zeiten erfahren, sondern auch ihre eigenen Geschichten erzählen können. Zudem wollte ich Fragen beantworten, die mir immer wieder gestellt werden, wie etwa: „Warum hat der Ort Roitzsch einen Kater im Wappen?"
Ein weiteres Ziel war es, die Zusammenarbeit zwischen Heimatforschenden und die Bedeutung des Ehrenamts zu betonen. Für die Ausstellung nutzte ich alte Koffer aus, dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellten, persönlichen Sammlungen. Diese Koffer symbolisieren nicht nur Reisen und Erinnerungen, sondern auch die Weitergabe von Geschichten und Erlebnissen. So konnte ich die Koffer selbst zu den Erzählern machen.
Am Tag der Archive, am 07.03.2026 im MGT, wurden schließlich 32 Koffer zusammengetragen, die mit unterschiedlichsten Archivalien und Erinnerungsstücken gefüllt waren. Jeder Koffer erzählte eine eigene Geschichte und bot den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mehr über die Geschichte der Region zu erfahren. Ein Beispiel: Ein Koffer widmete sich der Frage „Wie kam Roitzsch zu seinem Kater im Wappen?". Dieser Koffer enthielt Plastiken der Bitterfelder Künstlerin, die die Sage vom „Kobold von Roitzsch" als Kater darstellte, sowie eine detaillierte Dokumentation der Wappengestaltung der ehemaligen Gemeinde.
Die Archivalien, die in den Koffern präsentiert wurden, waren eine Mischung aus amtlichen und nicht-amtlichen Überlieferungen. Zu Beginn der Veranstaltung hielt ich zusätzlich einen kurzen Vortrag über die Arbeit des Stadtarchivs und erklärte, wie solche Archivalien ins Archiv gelangen. Von 13:00 bis 17:00 Uhr besuchten rund 80 Interessierte die Veranstaltung, durchstöberten die Koffer und entdeckten interessante Geschichten aus der Vergangenheit. Viele Besucher nutzten zusätzlich die Gelegenheit, ihre eigenen Erlebnisse und Erinnerungen zu teilen.
Am Ende des Tages war die Veranstaltung ein voller Erfolg, und das Feedback war durchweg positiv. Das die Besucherinnen und Besucher fragten, wann die nächste solcher Veranstaltung stattfindet, bedeutet für mich, dass das Interesse an Archivarbeit und regionaler Geschichte weiterwächst und das Engagement für Heimatgeschichte somit gestärkt wird. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken! Natürlich ist jegliche Veranstaltung mit einem gewissen Aufwand verbunden, aber es bestärkt mich darin, Archivarbeit auch auf kreative Weise umzusetzen."
Der Tag der Archive hat nicht nur gezeigt, wie viel Interesse und Wissensdurst in der Bevölkerung steckt, sondern auch, wie wichtig es ist, Archive als lebendige, für die Gemeinschaft relevante Einrichtungen zu präsentieren.
„Für die wertvolle ehrenamtliche Unterstützung sowie die Kofferausleihe möchte ich mich besonders bei Ihnen bedanken. Ohne Ihre Unterstützung wäre dieses Projekt in dieser Form nicht möglich gewesen!"
Vielen Dank!
Frau Arning, Landsberg; Frau Bayer, Petersroda; Frau K. Berg, Burgkemnitz; Frau M. Beithe, Sandersdorf; Frau R. Dimter, Zscherndorf; Herr G. Döring, Brehna; Frau Fuchs, Halle (Saale); Frau L. Geromin, Sandersdorf; Frau B. Hille, Löberitz; Frau C. Kirchner, Sandersdorf; Frau G. Koncz, Sandersdorf; Frau Korbel, Friedersdorf; Familie Kurz, Sandersdorf; Frau M. Meißner, Zscherndorf; Frau C. Möbius, Sandersdorf; Herr G. Pilz, Heideloh; Familie Richter, Sandersdorf; Frau S. Ruzicka, Quetzdölsdorf; Frau Seelig, Roitzsch; Herr M. Willer, Roitzsch; Frau B. Zehl, Brehna; Herr Zeunert, Wolfen sowie dem Heimatverein Roitzsch e.V., Roitzsch und der KITA Pfingstanger, Sandersdorf.