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Der Lindenstein Amts- und Mitteilungsblatt der Stadt Sandersdorf-Brehna
Ausgabe 6/2026
Nichtamtlicher Teil - Stadtgeschehen
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Von Faltern, Freiheit und Vielfalt

Der Moment des Schlupfs: Ein Schmetterling verlässt seine Puppenhülle.

Kevin Noack vor seinem Schmetterlingshaus und neu angebrachtem Wissens-Schild.

Ein kleines Naturparadies mitten in Sandersdorf.

Ein Gespräch mit Kevin Noack alias K. Ziack über Schmetterlinge, Artenschutz, Literatur und mehr Offenheit

Wer Kevin Noack besucht, merkt schnell: Hier geht es nicht nur um Schmetterlinge. Es geht um Artenvielfalt, Geduld, Wissen, Staunen und darum, die Natur wieder genauer wahrzunehmen. Der 32-Jährige, der unter dem Künstlernamen K. Ziack auch als Autor tätig ist, lebt in Sandersdorf und hat in privater Initiative in diesem Jahr bereits zahlreiche Schmetterlinge aufgezogen und in die Natur entlassen. Sein Projekt trägt den Namen Gaias Arche.

Beim Besuch in seinem Schmetterlingshaus gab es viel zu entdecken: Schmetterlinge bei der Paarung, bei der Eiablage, Raupen, Puppen und frisch geschlüpfte Falter. Ein Erlebnis, das Kinder ebenso fasziniert wie Erwachsene und ältere Menschen.

Kevin, in diesem Jahr hast du bereits rund 1.700 Schmetterlinge aufgezogen und freigelassen. Wie kam es dazu?

Ich habe schon immer eine große Verbindung zu Tieren und zur Natur gehabt. Beruflich komme ich aus dem Bereich Tierpflege. Meine Ausbildung zum Zootierpfleger habe ich in München gemacht, später war ich auch in Leipzig tätig. Das Interesse an Insekten, insbesondere an Schmetterlingen, ist über die Jahre immer stärker geworden. Irgendwann wollte ich nicht nur darüber sprechen, dass Insekten wichtig sind, sondern selbst aktiv etwas tun.

Mit Gaias Arche möchte ich einheimische Insektenarten fördern, aufklären und zeigen, dass jeder Mensch auch im Kleinen etwas beitragen kann.

Was genau passiert in deinem Schmetterlingshaus?

Dort ziehe ich Schmetterlinge kontrolliert auf vom Ei über die Raupe und Puppe bis zum fertigen Falter. Heimische Arten werden beobachtet, versorgt und, sobald sie kräftig genug sind, in die Natur entlassen. Exotische Arten bleiben im Haus, denn sie gehören nicht in unsere heimische Natur und dürfen nicht freigelassen werden.

Man kann hier sehr viel lernen. Viele denken zum Beispiel, Schmetterlinge hätten Puder auf den Flügeln. Tatsächlich sind es feine Schuppen. Gerade bei Kindern und älteren Menschen sorgt das oft für einen richtigen Aha-Moment.

Wie viele Schmetterlinge hast du bisher in Sandersdorf freigelassen?

Bis Anfang Juni waren es bereits rund 1.700 Schmetterlinge, die ich in die Sandersdorfer Natur entlassen habe. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt mehr als 3.000.

Viele Nachbarn haben mir erzählt, dass sie 2025 deutlich mehr Schmetterlinge gesehen haben. Einige berichteten auch, dass sich das positiv auf Bestäubung und Ernten ausgewirkt habe. Solche Rückmeldungen sind schön, weil sie zeigen, dass auch private Initiativen sichtbar etwas bewegen können.

Was können Menschen tun, die selbst etwas für Schmetterlinge und Insekten machen möchten?

Man muss gar nicht groß anfangen. Man kann der Natur schon viel helfen, indem man eine geeignete Pflanze kauft und sie bei sich einpflanzt.

Wichtig ist aber, welche Pflanzen man wählt. Viele greifen zum Beispiel zum Schmetterlingsflieder, weil der Name so passend klingt. Er ist nicht wertlos, denn erwachsene Falter finden dort Nektar. Aber er ist keine Kinderstube für heimische Schmetterlinge, weil ihre Raupen andere Futterpflanzen brauchen. Wer wirklich helfen möchte, sollte deshalb zusätzlich heimische Raupenfutterpflanzen setzen.

Ein gutes Beispiel ist die Brennnessel. Sie ist für viele Schmetterlinge keine Unkrautpflanze, sondern eine echte Lebensgrundlage. Arten wie Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs oder Admiral sind auf sie angewiesen. Eine wilde Ecke im Garten kann deshalb schon viel bewirken.

Was fasziniert die Besucherinnen und Besucher am meisten?

Viele sind überrascht, wie komplex das Leben eines Schmetterlings ist. Vom Ei bis zur Puppe können je nach Art und Bedingungen mehrere Wochen vergehen. Danach schlüpft der Falter und auch dann lebt jede Art unterschiedlich lang.

Spannend ist auch, wie verschieden die Arten ihre Eier ablegen. Das Tagpfauenauge legt zum Beispiel richtige Eipakete ab, während der Distelfalter seine Eier eher einzeln platziert. Solche Details kennen viele vorher nicht.

Du leistest auch viel Aufklärungsarbeit. Welche Fragen kommen häufig?

Viele Menschen fragen, warum exotische Schmetterlinge nicht einfach draußen freigelassen werden dürfen. Auch solche Arten habe ich in meinem Schmetterlingshaus, damit Besucherinnen und Besucher jederzeit etwas beobachten können. In die Natur entlasse ich sie aber nicht, weil sie hier nicht heimisch sind. Manche würden nicht überleben, andere könnten im schlimmsten Fall ökologische Probleme verursachen. Das Thema invasive Arten spielt deshalb eine wichtige Rolle.

Du hast sogar Menschen mit Schmetterlingsphobie geholfen. Wie funktioniert das?

Durch Ruhe, Erklärung und Nähe ohne Druck. Drei Personen konnten durch die Beschäftigung mit den Tieren ihre Angst deutlich abbauen. Wenn man versteht, was ein Schmetterling tut, wie empfindlich er ist und dass er keine Gefahr darstellt, verändert sich der Blick. Einige haben danach sogar eigene Aufzuchtsets gekauft.

Dein Projekt heißt Gaias Arche. Soll es künftig größer werden?

Ja, das Projekt ist privat gestartet, soll aber wachsen. Ich bin bereits mit anderen Menschen vernetzt, unter anderem mit einer Mitstreiterin in Baden-Württemberg. Dabei geht es auch um den Austausch zu bestimmten Arten, zum Beispiel dem Kleinen Fuchs.

Mein Ziel ist es, das Schmetterlingshaus künftig offiziell zu betreiben und rechtssicher aufzustellen. Ein möglicher Weg dorthin ist die ehrenamtliche Tätigkeit im Naturschutz. Deshalb habe ich mich als ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter beworben. In diesem Zusammenhang würde ich auch eine Weiterbildung im Bereich Hornissenberatung absolvieren, um Menschen bei Fragen oder Unsicherheiten beratend zur Seite stehen zu können – etwa, wenn es um Nester, Hornissen oder den richtigen Umgang mit geschützten Arten geht.

Neben dem Artenschutz bist du auch Autor. Wie passt das zusammen?

Für mich gehört das zusammen. Ich schreibe seit 2012. In meinen Büchern verbinde ich ökologische Themen mit alten Mythen, Sagen und Geschichten, die heute oft in Vergessenheit geraten. Es geht mir darum, Naturgedächtnis und Kulturgedächtnis lebendig zu halten.

Seit 2023 erscheint meine Fantasy-Saga Die 13 Juwelen der Existenz. Außerdem habe ich mit Sie sind weg Der Tag, an dem es summte eine Reihe begonnen, die die Bedeutung von Insekten für unser Ökosystem literarisch aufgreift.

Meine Bücher sind im Buchhandel erhältlich und in der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet.

Du nutzt auch Instagram sehr intensiv. Welche Rolle spielt Social Media für dich?

Eine große. Auf Instagram kann ich Bilder zeigen, Fragen beantworten und Menschen direkt mitnehmen. Mein längster Livestream ging 16 Stunden bei einem Schmetterling. Das klingt vielleicht ungewöhnlich, zeigt aber, wie sehr Menschen daran teilhaben möchten, wenn Leben entsteht oder ein Falter schlüpft.

Dort ist auch eine eigene Community entstanden. Viele kommentieren, fragen nach, teilen Erfahrungen oder möchten selbst etwas für Insekten tun.

Deine Botschaft lautet auch: Seid offener. Was meinst du damit?

Ich habe selbst erlebt, wie schnell Menschen Vorurteile haben können. Als Mensch, der mit einem Mann zusammenlebt, kennt man leider auch Hasskommentare und Anfeindungen. Deshalb ist mir Offenheit wichtig gegenüber Menschen, aber auch gegenüber der Natur.

In der Tierwelt gibt es vieles, was Menschen vorschnell als unnatürlich bezeichnen würden. Bei Pinguinen gibt es zum Beispiel männliche Paare, die ein Ei adoptieren. Die werden nicht schräg angeschaut. Wenn jemand sagt: Das ist doch nicht natürlich, frage ich manchmal: Ist Ihr Zahnersatz natürlich? Ihr Herzschrittmacher? Mir geht es nicht darum, zu provozieren, sondern um Selbstreflexion und Respekt.

Du ziehst auch Vergleiche zwischen Schmetterlingen und menschlicher Entwicklung. Warum?

Ein Schmetterling durchläuft mehrere Stadien: Ei, Raupe, Puppe, Falter. Er verändert sich vollständig. Für mich ist das ein starkes Bild dafür, dass Veränderung zum Leben gehört. Auch Menschen entwickeln sich, suchen ihre Identität und wachsen in etwas hinein. Die Natur zeigt uns, dass Wandel nichts Bedrohliches sein muss.

Was wünschst du dir für Sandersdorf-Brehna?

Mehr Mut zur Natur. Mehr Offenheit. Mehr Menschen, die kleine Flächen nutzen, um etwas wachsen zu lassen. Man muss nicht gleich ein großes Projekt starten. Eine passende Pflanze, ein bisschen Wissen und weniger Angst vor Insekten können schon viel verändern.

Wenn Menschen anfangen, Schmetterlinge nicht nur schön zu finden, sondern sie als wichtige Lebewesen im Ökosystem zu verstehen, ist viel gewonnen.

Zum Schluss: Was ist dein persönlicher Wunsch für Gaias Arche?

Ich wünsche mir, dass das Projekt wächst und Menschen verbindet: Kinder, ältere Menschen, Naturfreunde, Skeptiker und Nachbarn. Alle können etwas lernen und beitragen. Schmetterlinge sind klein, aber sie können viel auslösen: Staunen, Wissen, Respekt und vielleicht auch ein neues Verhältnis zur Natur.

Das Gespräch führte Stefanie Rückauf, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit/ Stadtmarketing

 

 

 

 

Kontakt zu „Gaias Arche“

Interessierte Menschen, Familien mit Kindern sowie kleine Gruppen können sich gern bei Kevin Noack melden, wenn sie mehr über das Projekt „Gaias Arche“ erfahren oder das Schmetterlingshaus nach vorheriger Absprache besuchen möchten.

Kontakt: gaias.arche@gmx.de