Der Stadtrat der Stadt Sandersdorf-Brehna kam am 24. Juni 2026 zu einer Sondersitzung zusammen. Im Mittelpunkt stand das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, kurz ISEK. Es bildet die strategische Grundlage für die Entwicklung der Stadt und ihrer Ortschaften in den kommenden zehn bis 15 Jahren.
Das bisherige Integrierte Gemeindeentwicklungskonzept, kurz IGEK, stammte aus dem Jahr 2019. Da sich seitdem zahlreiche Rahmenbedingungen verändert haben, wurde eine Fortschreibung notwendig. Im Zuge dessen wurde das bisherige IGEK in ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept überführt.
Das ISEK ist dabei kein Sofortprogramm und keine Liste von Maßnahmen, die automatisch umgesetzt werden. Vielmehr beschreibt es, wohin sich Sandersdorf-Brehna entwickeln möchte, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen und welche Projekte künftig bei Haushaltsberatungen, Fördermittelanträgen und politischen Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen können.
Das Konzept wurde unter Beteiligung der Bürgerschaft erarbeitet. Bürgerinnen und Bürger konnten sich online über eine Ideenplattform sowie analog über Fragebögen einbringen. Zudem gab es eine öffentliche Auftaktveranstaltung und einen Bürgerrat, der Anliegen aus der Bürgerschaft gebündelt in den Prozess eingebracht hat.
Auch die Ortschaftsräte, Ausschüsse, Fraktionen und der Jugendbeirat wurden beteiligt. In den vergangenen Monaten wurde das Konzept in zahlreichen Gremien beraten. Hinweise, Änderungswünsche und Ergänzungen wurden aufgenommen, geprüft und teilweise eingearbeitet. Zusätzlich fand am 26. Mai eine Arbeitsberatung mit Vertreterinnen und Vertretern der Fraktionen, der Verwaltung, des Jugendbeirates und des beauftragten Stadtentwicklungsbüros „die raumplaner“ statt.
Zur Stadtratssitzung stand Julia Klemm vom Ingenieurbüro für fachliche Fragen zur Verfügung. Ebenfalls anwesend war Maria Witters, die als Projektverantwortliche der Stadtverwaltung den gesamten Prozess organisiert und begleitet hat.
Das ISEK gliedert sich in sechs zentrale Handlungsfelder: Ortsbild, Ortsstruktur und Vernetzung, Wohnen und Lebensqualität, Wirtschaft und Tourismus, Bildung und Daseinsvorsorge, Mobilität sowie Energie und Landschaft.
Insgesamt umfasst das Konzept 138 Einzelmaßnahmen für das gesamte Stadtgebiet. Diese reichen von großen strategischen Vorhaben bis hin zu konkreten Anliegen aus den einzelnen Ortschaften. Aus diesem umfangreichen Maßnahmenkatalog wurden 13 Schlüsselmaßnahmen ausgewählt. Sie gelten als besonders bedeutsame Leitprojekte für die langfristige Entwicklung der Stadt.
Die Bürgermeisterin machte in der Sitzung deutlich, dass das ISEK als dynamisches Konzept zu verstehen ist. Nicht jede Maßnahme wird automatisch oder sofort umgesetzt. Manche Vorhaben können sich verändern, neue Maßnahmen können hinzukommen, andere werden möglicherweise zurückgestellt. Entscheidend sind unter anderem die Haushaltslage der Stadt, Fördermöglichkeiten, gesetzliche Vorgaben und die jeweilige Prioritätensetzung durch den Stadtrat.
Künftig soll der Stadtrat regelmäßig über den Stand der Umsetzung informiert werden. Eine Berichterstattung ist alle zwei Jahre vorgesehen.
Vor dem eigentlichen Beschluss befasste sich der Stadtrat mit mehreren Änderungsanträgen. Diese wurden einzeln beraten und abgestimmt.
Aufgenommen wurden unter anderem Ergänzungen zur Bestandsanalyse in den Bereichen erneuerbare Energien und Wärmeplanung. So wird im ISEK künftig auch dargestellt, dass der Stadtrat im Jahr 2022 ein weiteres Repowering des Windparks Brehna-Roitzsch abgelehnt und das gemeindliche Einvernehmen nicht erteilt hatte. Auch zur interkommunalen Wärmeplanung wurde ergänzt, dass sich Sandersdorf-Brehna gemeinsam mit Bitterfeld-Wolfen, Raguhn-Jeßnitz und Zörbig an einer solchen Planung beteiligt hatte und dass das entsprechende Konzeptpapier im Januar 2026 mehrheitlich abgelehnt wurde.
Diskutiert wurde außerdem ein Antrag, Sandersdorf-Brehna im Leitsatz des ISEK als „Stadt des Friedens“ aufzunehmen. Die Verwaltung empfahl, diesen Vorschlag nicht im Rahmen des ISEK zu beschließen, sondern in einem gesonderten Verfahren im Stadtrat zu beraten. Hintergrund ist, dass ein solcher Leitgedanke grundsätzliche und identitätsstiftende Bedeutung hat und deshalb einer breiteren politischen und gesellschaftlichen Diskussion bedarf. Der Antrag wurde im Rahmen der ISEK-Beratung mehrheitlich abgelehnt. Ein gesondertes Verfahren bleibt grundsätzlich möglich.
Weitere beschlossene Ergänzungen betreffen konkrete Anliegen aus den Ortschaften. Dazu zählen unter anderem die Aufnahme von Tiny-Haus-Siedlungen als mögliche bedarfsgerechte Wohnform, ein umzäunter Kleinfeld-Bolzplatz in Brehna, die Umfeldgestaltung am Denkmal und Kirchplatz in Petersroda sowie eine geänderte Formulierung zur Skateranlage in Zscherndorf. Dort soll eine nachhaltige Lösung des bestehenden Nutzungskonfliktes geprüft werden. Dabei sollen sowohl Verbesserungen am bisherigen Standort als auch mögliche Alternativstandorte betrachtet werden. Der Jugendbeirat soll in diesen Prozess einbezogen werden.
In der Aussprache wurde deutlich, dass mit dem ISEK große Erwartungen verbunden sind. Mehrere Stadträte betonten, dass Konzept und Haushaltsplanung künftig stärker zusammengedacht werden müssen. Insbesondere zu den 13 Schlüsselmaßnahmen wurde der Wunsch geäußert, möglichst frühzeitig Kosten, Eigenanteile und mögliche Förderzeiträume darzustellen.
Die Verwaltung verwies darauf, dass belastbare Kostenschätzungen bei vielen Vorhaben erst möglich sind, wenn konkrete Planungsstände, Leistungsbeschreibungen und Förderbedingungen vorliegen. Zugleich wurde im Konzept ergänzt, dass jede Maßnahme im Rahmen der jährlichen Haushaltsberatung durch den Stadtrat abzuwägen ist und entsprechend der Leistungsfähigkeit der Stadt entschieden wird.
Damit bleibt klar: Auch wenn eine Maßnahme im ISEK benannt ist, ersetzt das keinen späteren Haushaltsbeschluss und keine gesonderte Projektentscheidung.
Nach ausführlicher Beratung beschloss der Stadtrat das Integrierte Stadtentwicklungskonzept der Stadt Sandersdorf-Brehna als Fortschreibung des bisherigen Integrierten Gemeindeentwicklungskonzepts. Das neue ISEK wurde bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen beschlossen.
Mit dem Beschluss verfügt Sandersdorf-Brehna über eine aktuelle strategische Grundlage für die Stadtentwicklung der kommenden Jahre.
Neben dem ISEK wurden bereits vorab weitere Punkte behandelt. In der Einwohnerfragestunde wurde unter anderem eine Bürgeranfrage aus Zscherndorf zum Bürgermelder sowie zu einem Anliegen im Bereich Baumverschnitt angesprochen.
Die Bürgermeisterin informierte außerdem über die Streckenbefahrung zur sogenannten Saftbahn. Dabei wurde erneut deutlich, dass es sich um ein langfristiges Projekt handelt, das viele weitere Planungsschritte, Prüfungen und Verfahren erfordert. Grundsätzlich stehen die beteiligten Akteure hinter dem Vorhaben. Bis zu einer möglichen Umsetzung ist jedoch noch ein längerer Zeitraum einzuplanen.