Foto: Landkreis Wittenberg
Seit 210 Jahren ist Sangerhausen ohne Unterbrechung Kreisstadt. Wie hat der regionale Verwaltungssitz die Stadt geprägt?
Die Stadt Sangerhausen war bis 1815 Provinz sächsischer Kurfürsten - ein „kleines sächsisches Amt im thüringischen Kreis“. Der Anschluss an das Königreich Preußen brachte durch die Einführung der Landkreise eine echte Zeitenwende. Am 1. Oktober 1816 wurde Sangerhausen Kreisstadt.
Zunächst bildete Sangerhausen den Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen. Von der Gründung bis heute gab es 29 Landräte. Ihre im Vergleich zu heute deutlich längeren Amtszeiten reichten im Einzelfall schon mal über drei Jahrzehnte. Manchmal waren es aber auch nur wenige Monate. Sangerhausen war zunächst Verwaltungssitz für nur 31.500 Einwohner. Heute sind es knapp 130.000.
Nach Kriegsende 1945 erfolgten einige Gebietsveränderungen. Nach Auflösung des Bundeslandes Sachsen-Anhalt 1952 wurde der „Kreis Sangerhausen“ dem Bezirk Halle zugeordnet. Seit dem 1. Juli 2007 ist Sangerhausen Kreissitz des neuen Landkreises Mansfeld-Südharz. Nur zwei Jahre zuvor, im Wissen um die Bedeutung der Einwohnerstärke bei der Kreissitzentscheidung, wuchs die Stadt Sangerhausen auf eine Flächengröße von 20.700 Hektar mit den heute bekannten Ortsteilen an. Das Streben, den Status Kreissitz erhalten zu wollen, führte Sangerhausen zu seiner heutigen Größe.
Was machen Landkreise heute?
In ländlichen Regionen übernehmen Landkreise heute die große Mehrheit der durch Gesetz bestimmten kommunalen Aufgabenträgerschaften. Für drei von vier gesetzlich bestimmten Aufgaben trägt außerhalb von Großstädten der Landkreis die Verantwortung. So werden sowohl der Nahverkehr mit Bussen, als auch die öffentlich-rechtliche Abfallentsorgung gesteuert. Sie sind die Träger weiterführender Schulen, organisieren die Schülerbeförderung und haben den Sicherstellungsauftrag für die Krankenhaus- und Gesundheitsversorgung.
Alle wesentlichen Sozialleistungen für Lebensunterhalt, Grundsicherung, Wohngeld, Unterhaltsvorschuss, Bildung und Teilhabe, sowie für die Kinder- und Jugendhilfe werden auf Kreisebene umgesetzt. Mit seinem Eigenbetrieb sichert der Landkreis jährlich über 30.000 Rettungsdiensteinsätze ab und kümmert sich so um die Einhaltung lebensrettender Hilfsfristen. Der Landkreis berät Kommunen bei ihren örtlichen Entscheidungen und kann diese im Rahmen seiner Aufsicht bei Rechtsverstößen beanstanden. Er erteilt Baugenehmigungen, lässt Fahrzeuge zu, kontrolliert Waffenbesitzer und ist Genehmigungspolizei im Umwelt-, Jagd- und Wasserrecht.
Was hat Sangerhausen vom Kreissitz?
Sangerhausen gehört als Kreisstadt zu einer besonderen Gruppe von Kommunen. Von über 2.000 Städten in Deutschland können lediglich 294 behaupten, Sitz einer Kreisverwaltung zu sein.
440 Beschäftigte des Landkreises arbeiten gegenwärtig in der Berg- und Rosenstadt. Damit ist die Kreisverwaltung nach dem Krankenhaus der größte Arbeitgeber vor Ort. Berücksichtigt man alle bewirtschafteten Liegenschaften unterhält die Kreisverwaltung 20 Gebäude in der Stadt. Unabhängig vom Verwaltungssitz fließt jährlich überdies ein Millionenbetrag aus dem Kreishaushalt in die Stadt, z.B. für soziale Betreuungsangebote, die Jugendarbeit, für Sportvereine oder den kulturellen Bereich.
Auch in Zukunft wird die Stadt von kreislichen Investitionen, z.B. im Rahmen des Strukturwandels und dem Sondervermögen, profitieren. In eigener Zuständigkeit setzt der Landkreis den Bau eines modernen Bevölkerungsschutzzentrums in der Kreisstadt um. Im Rahmen des neuen Raumkonzeptes werden Verwaltungsgebäude umfassend saniert und teilweise erweitert.
So bleibt der Status Kreissitz auch in Zukunft ein städtisches Privileg, an das man aus gegebenem Anlass erinnern darf.