New Yorks Wetterexperte auf vier Pfoten - Staten Island Chuck
Am 2. Februar schaute die Welt wieder einmal in die USA, denn dort stand wieder eine besondere Tradition auf dem Programm: der Murmeltiertag.
Im letzten Jahr hatten wir im Goethestadt-Kurier bereits einen Blick auf Murmeltier Phil aus Punxsutawney im Bundesstaat Pennsylvania geworfen, wo jährlich die größte und bekannteste Veranstaltung stattfindet. Meteorologisch zuverlässiger ist jedoch sein Kollege „Staten Island Chuck“ aus New York – und auf dessen Vorhersage wollen wir in diesem Jahr schauen.
Nachdem das Nagetier aus seinem Bau gelockt wurde und seinen Schatten nicht sah, freute man sich über einen bald eintretenden Frühling.
Seinen Ursprung hat der Murmeltierbrauch im deutschsprachigen Raum. Am 40. Tag nach Weihnachten, dem 2. Februar, wird in der christlichen Kirche das Fest Mariä Lichtmess gefeiert. Dabei soll an die Darstellung von Jesus im Tempel erinnert werden, ein Symbol für Licht. Es ranken sich zahlreiche Bauernregeln und Traditionen um das Lichtfest.
Beispielsweise galt Sonnenschein am Tag des Festes als Vorbote für einen langen Winter. So wurde die folgende Bauernweisheit von 1859 aus Westfalen überliefert:
„Wenn der Dachs zu Maria Lichtmeßen,
mittags zwischen 11 und 12 Uhr seinen Schatten sieht,
so muss er noch vier Wochen in seinem Baue bleiben.“
Ob es nun wirklich ein Dachs sein musste, ist unklar, denn andere Quellen sprechen von Igeln. Auch darüber, wie lange das winterliche Wetter noch anhält, kann man streiten. Alles in allem spricht man aber von vier bis sechs Wochen.
Den Brauch brachten laut Überlieferung wohl deutschsprachige Einwanderer, die nach Pennsylvania zogen, mit in die USA. Aus Mangel an Dachsen in Nordamerika entschieden sich die Siedler dann für das Murmeltier, welches als leicht beobachtbar galt und darüber hinaus tagaktiv ist. So wurde in den USA mit dem Groundhog Day eine neue Tradition geboren, welche Mariä Lichtmess ablöste.
Zwischen Folklore und Statistik
Laut einer Auswertung der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) lag „Staten Island Chuck“ in den letzten rund 20 Jahren bei seinen Frühjahrsvorhersagen mit etwa 85 % deutlich häufiger richtig als andere Wetter-Murmeltiere. Damit weist Chuck eine der höchsten Trefferquoten aller Groundhog-Day-Prognostiker auf.
Unabhängig vom Eintritt der Vorhersage bleibt der Groundhog Day im ganzen Land ein beliebtes Spektakel und ein fester Bestandteil amerikanischer Folklore.
Und wie sah es in der Goethestadt aus?
Auch wir haben am Vormittag des 2. Februar einen Blick nach draußen geworfen. Zwischen 11:00 und 12:00 Uhr zeigte sich das Wetter in der Goethestadt zwar nicht sonnig, aber freundlich und hell – eine ruhige, milde Winterstimmung ohne klare Schattenwürfe. Hätte also ein Murmeltier bei uns aus seinem Bau geschaut, wäre die Wahrscheinlichkeit, seinen eigenen Schatten zu sehen, äußerst gering gewesen.
Legt man die alten Bauernregeln zugrunde, würde das auf einen zeitigen Frühlingsbeginn hindeuten. Auch wenn die Aussagekraft solcher Überlieferungen natürlich begrenzt ist, bieten sie doch einen charmanten Anlass, Tradition und regionale Wetterbeobachtung miteinander zu verbinden.